Kriminalstatistik : Das Land ist so sicher wie vor 30 Jahren

Ein gepanzertes Fahrzeug, auf das ein Brandanschlag verübt worden war, nahmen Innenminister Schlie und Polizeidirektor Kobza im November 2010 in Augenschein. Großeinsätze binden die Polizeikräfte. Foto: Krauskopf
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Ein gepanzertes Fahrzeug, auf das ein Brandanschlag verübt worden war, nahmen Innenminister Schlie und Polizeidirektor Kobza im November 2010 in Augenschein. Großeinsätze binden die Polizeikräfte. Foto: Krauskopf

So wenige Straftaten wie in 2010 gab es seit fast 30 Jahren nicht mehr in Schleswig-Holstein. Trotzdem sieht Innenminister Klaus Schlie keinen Grund zum Jubel.

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04. März 2011, 12:54 Uhr

Die Zahl der registrierten Straftaten in Schleswig-Holstein ist 2010 auf den niedrigsten Wert seit fast 30 Jahren gesunken. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei 221.000 Delikte. Weniger Taten habe es zuletzt 1981 (213.000) gegeben, sagte Innenminister Klaus Schlie (CDU) am Donnerstag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Im Vergleich zu 2009 sank die Zahl im Jahr 2010 um 8,8 Prozent.
Die Aufklärungsquote lag bei 50 Prozent - das ist die höchste seit 30 Jahren. Das Risiko, in Schleswig-Holstein Opfer einer Straftat zu werden, war auch 2010 gering. Die sogenannte Häufigkeitszahl sank um 8,7 Prozent auf rund 7800 Fälle. Sie gibt Auskunft darüber, wie viele Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen.
Kein Personalabbau bei der Polizei
"Die Eckwerte sind so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch gibt es keinen Grund zur Zufriedenheit und zur vorschnellen Interpretation", betonte der Minister. Einem Personalabbau bei der Polizei angesichts weniger Straftaten erteilte er eine Absage. Ihn werde es "garantiert nicht" geben. Der Aufwand für die Polizei sei nach wie vor hoch. So bänden der Kampf gegen die Rockerkriminalität und Einsätze bei Fußballspielen viele Beamte.
Sorge bereiten dem Minister vor allem zwei Entwicklungen: Die Gewalt wächst, und viele Täter sind jung. Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub - zwar nahm die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität 2010 "nur" um fünf auf 7792 Fälle zu, doch der Anteil an der Gesamtkriminalität wächst von Jahr zu Jahr. 2001 lag er noch bei 2,8 Prozent, 2010 waren es 3,5 Prozent. Beunruhigend sei etwa die Zunahme von Raubüberfällen, erklärte der Minister. So schlugen Täter im vergangenen Jahr 1900 Mal zu - 114 Mal mehr als 2009.
27,5 Prozent der Verdächtigen war jünger als 21
Die Polizei zählte 20 Morde, zwölf mehr als im Vorjahr."Bei der Jugendkriminalität gibt es weiterhin keine Entwarnung", sagte Schlie. Auch wenn der Anteil junger Tatverdächtiger um 1,9 Prozent leicht sank, ist er weiterhin überproportional groß: Von den insgesamt 79.000 Verdächtigen waren 27,5 Prozent unter 21. Ein großer Teil der Raubüberfälle (58 Prozent) ging auf das Konto junger Täter.
Auch für 43 Prozent aller gefährlichen und schweren Körperverletzungen waren unter 21-Jährige tatverdächtig. Viele sind zudem betrunken, wenn sie Verbrechen begehen. Hier seien Verbände, Vereine, Schulen und die Jugendhilfe gefragt, sagte Schlie. Außerdem müssten die Täter schnell bestraft werden.
Weniger Diebstähle und Sachbeschädigungen
Rückläufig waren vor allem Massendelikte - etwa Diebstähle und Sachbeschädigungen. Beim Betrug registrierte die Polizei zwar weniger Fälle (minus 8,4 Prozent auf 2350 Fälle); aber das ist laut Schlie mehreren Großverfahren geschuldet, die 2009 die Zahl nach oben getrieben hätten.
Im Zuge der Sparanstrengungen für den Landeshaushalt soll sich die Polizei im Norden auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Dafür fallen etwa das Polizeiorchester und der Tag der Landespolizei weg. Die Stellenzahl blieb in den vergangenen zehn Jahren konstant bei rund 8000 Polizisten.
(lno, shz)

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