Gefahrenabwehrzentrum Neumünster : Das Jod-Lager für den ganzen Norden

Bernd Schümann von der Berufsfeuerwehr Neumünster steht inmitten der Paletten mit den Jodtabletten, die im Gefahrenabwehrzentrum der Stadt gut klimatisiert lagern. Foto: lipovsek
Bernd Schümann von der Berufsfeuerwehr Neumünster steht inmitten der Paletten mit den Jodtabletten, die im Gefahrenabwehrzentrum der Stadt gut klimatisiert lagern. Foto: lipovsek

Im Gefahrenabwehrzentrum Neumünster stehen 5,5 Millionen Jodtabletten, die bei einem atomaren Unfall in zwölf Stunden verteilt werden sollen.

shz.de von
26. August 2010, 07:03 Uhr

neumünster | Es ist eine unscheinbare Tür im Keller des Gefahrenabwehrzentrums von Neumünster. Doch was sich hinter ihr verbirgt, soll bei einem atomaren Unfall das Leben der Menschen in ganz Norddeutschland schützen. 5,5 Millionen Jodtabletten stehen sauber verpackt auf 18 Paletten. Zieht irgendwo in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Teilen von Niedersachsen eine Atom-Wolke durch, soll die Bevölkerung mit diesen Tabletten innerhalb von zwölf Stunden versorgt werden. So lange bleibt aus medizinischer Sicht nur Zeit, um die Schilddrüse zu schützen, indem mit dem Jod eine Überproduktion bewirkt und so die Aufnahme von radioaktiv-verseuchtem Jod verhindert wird. Neumünster ist der nördlichste von bundesweit sieben Standorten, an denen das Bundesamt für Strahlenschutz Jod-Depots aufgebaut hat.
"Die Stadt liegt verkehrsgünstig. Außerdem konnten wir im Gefahrenabwehrzentrum kostenfrei klimatisierte Räume bereitstellen", sagt Bernd Schümann, bei der Berufsfeuerwehr zuständig für den Bevölkerungsschutz. Maximal 25 und minimal fünf Grad sind erlaubt, damit die Tabletten nicht verderben. Schümann kennt auch den Ablauf im Ernstfall und macht ihn an einem Beispiel deutlich: "Sollte am Atomkraftwerk Brunsbüttel Radioaktivität austreten, so berechnet das Bundesamt für Strahlenschutz anhand der Wetterdaten, wohin die Wolke zieht. Dabei werden so genannte Sektoren festgelegt." Jod bekommen nur die Menschen, die innerhalb dieser Sektoren bis zu einem Umkreis von 100 Kilometern um das AKW wohnen. Im Fall Brunsbüttel wäre das ein Gebiet von den Halligen bis nach Flensburg und Lüneburg - einschließlich Hamburg. "In den Gemeinden bis zehn Kilometer um das AKW soll jeder Haushalt bereits Jodtabletten haben, im so genannten Reaktorkreis bis 25 Kilometer lagern Jodtabletten in den Gemeinden", sagt Schümann. Wie die Tabletten aus Neumünster dann zu den Menschen kommen, weiß er nicht. "Die Logistik im Ernstfall übernimmt das Bundesamt. Das ist aber eine hehre Aufgabe, das in zwölf Stunden zu schaffen. Dazu braucht man Hubschrauber und schnelle Laster", sagt er.
Nicht alle bekommen das Jod
Zudem ist die Verteilung landesweit nicht einheitlich geregelt. In Neumünster etwa werden die Grundschulen beliefert. Dort bekommen dann auch nur Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende das Jod. "So steht es in den Vorgaben des Bundesamtes", sagt Schümann. Andernorts, etwa in den Landkreisen, würden die Tabletten in den Wahlbüros verteilt. Die Aufgabe übernehmen Feuerwehrleute und Katastrophenschützer.
Bis 2015 sind die Jodtabletten in Schümanns Lager haltbar. Jedes Jahr wird eine Probe genommen und die Wirkung überprüft. "Wir hoffen natürlich, dass sie nie zum Einsatz kommen. Was aber damit passiert, wenn sie abgelaufen sind, steht noch nicht fest."

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