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Jahresrückblick Schleswig-Holstein und Hamburg : Das hat uns in SH 2015 bewegt - Januar bis März

vom
Aus der Onlineredaktion

Terror erschüttert Paris und Kopenhagen. Das UKSH kämpft gegen Keime. Und eine Dänin wehrt sich gegen Rachepornos.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 10:00 Uhr

7. Januar: Anschlag auf „Charlie Hebdo“

Das Jahr 2015 beginnt mit Terror: Beim Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris sterben 17 Menschen. Der Slogan „Je suis Charlie“, ein Zeichen der Solidarität, geht um die Welt. Nach dem Anschlag jagt die Polizei die Täter Brüder Chérif und Said Kouachi - sie sterben zwei Tage später bei einem Zugriff der Polizei. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Parallel zu dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ erschießt ein dritter Täter, der sich zum „Islamischen Staat“ bekennt, eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln. Vier von ihnen erschießt er. Dann wird er von der Polizei getötet.

11. Januar: Brandanschlag auf die „Hamburger Morgenpost“

Kurz nach dem Terrorangriff in Paris werfen Unbekannte Steine und einen Brandsatz in das Archiv der „Hamburger Morgenpost“. Die Zeitung hatte Mohamed-Karikaturen des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ auf ihrer Titelseite abgedruckt - unter der Schlagzeile: „So viel Freiheit muss sein!“ Verletzte gibt es bei dem Brandanschlag nicht. Anfang März stehen laut Polizei neun junge Männer unter Tatverdacht. Im November wird Anklage erhoben.

13. Januar: Verfahren gegen Nonnenmacher eingestellt

Der ehemalige HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher.
Der ehemalige HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher.
 

Die Kieler Staatsanwaltschaft stellt ein Ermitlungsverfahren gegen Dirk Jens Nonnenmacher, den ehemaligen Chef der HSH Nordbank ein. Der Vorwurf: Nonnenmacher sollte im Jahr 2009 gemeinsam mit einem leitenden Angestellenten das damalige Vorstandsmitlglied Frank Rotz zu Unrecht wegen Geheimnisverrats angezeigt haben und eine fingierte Beweislage geschaffen haben. „Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ließ sich  nicht belastbar beweisen, dass Professor Nonnenmacher um die Unrichtigkeit der mit der Anzeige erhobenen Vorwürfe wusste“, sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

13. Januar: Das größte Schiff der Welt in Hamburg

Das Containerschiff CSCL Globe macht am Eurogate-Terminal fest.
Das Containerschiff CSCL Globe macht am Eurogate-Terminal fest. Foto: dpa
 

Zwei Schlepper hinten, zwei vorn - davor sprühte ein Löschboot vor Freude Fontänen: Das größte Schiff der Welt, die „CSCL Globe“, erreicht zum ersten Mal die Hansestadt. Die Lotsen bugsieren den Riesenfrachter in den Waltershofer Hafen. Die „CSCL Globe„ ist 400 Meter lang, 58,60 Meter breit und kann 19.100 Standardcontainer (TEU) transportieren. Damit ist das Schiff länger als das Empire State Building hoch ist. Nach dem ersten Besuch soll die „CSCL Globe“ etwa alle zwei Monate in die Hansestadt kommen.

16. Januar: Hochradioaktive Castoren dürfen nicht in Brunsbüttel lagern

Das ehemalige Atomkraftwerk Brunsbüttel von oben - aufgenommen im Jahr 2011.
Das ehemalige Atomkraftwerk Brunsbüttel von oben - aufgenommen im Jahr 2011. Foto: Imago/Hans Blossey

Das atomare Zwischenlager in Brunsbüttel steht endgültig ohne Betriebserlaubnis für die Lagerung hochradioaktiver Brennelemente da: Die Genehmigung ist rechtswidrig, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig in letzter Instanz. Die Atomaufsicht in Berlin und Kiel wird von der klaren Gerichtsentscheidung überrascht. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) spricht von einem „kleinen Erdbeben“ für die Atomdebatte in Deutschland. Er entscheidet per Anordnung, dass die weitere Einlagerung der neun Castoren in Brunsbüttel für drei Jahre geduldet wird. Die Richter rügen, die Folgen eines A380-Absturzes und eines Angriffs mit panzerbrechenden Waffen seien nicht hinreichend geprüft worden.

23. Januar: Keim-Krise am UKSH

Der Chef des Uniklinikums in Kiel, Prof. Jens Scholz, tritt vor die Presse: Mehrere Patienten tragen einen gefährlichen Krankenhaus-Keim in sich. Das Acinetobacter baumannii ist quasi gegen alle Antibiotika resistent. Von 31 Betroffenen sterben 16 an ihren schweren Grunderkrankungen. Bei drei weiteren wird ein Zusammenhang zwischen Todesursache und Keim nicht zweifelsfrei ausgeschlossen. Zwölf Patienten werden nach Hause oder in Reha-Einrichtungen entlassen. Die Keim-Krise löst bundesweit eine Diskussion über die Vermeidung von Klinikkeimen aus. Der Befall in Kiel geht auf einen Türkei-Urlauber zurück.

23. Januar: Emma Holtens Kampf gegen Rachepornos

Im Januar sorgt die Dänin Emma Holten im Netz mit ihrem Kampf gegen Rachepornos für Furore. Männer stellen ohne Erlaubnis Nacktbilder der Ex-Freundin oder anderer Frauen ins Netz, um sie zu demütigen: Das ist leider populär. Emma Holten wehrt sich - indem sie ihre eigenen Aktbilder selbst ins Netz stellt. Im Video des Guardian meldet sie sich selbst zu Wort. „Mir wurde klar: Es geht gar nicht um mich. Es geht um Frauenhass“, sagt sie.

25. Januar:  Linksbündnis Syriza gewinnt Griechenland-Wahl

Syriza-Chef Alexis Tsipras gab seine Stimme in Athen ab.
Syriza-Chef Alexis Tsipras gab seine Stimme in Athen ab. Foto: dpa

Mit den Griechen wird Europa 2015 viel streiten. Der Auftakt: Das Linksbündnis Syriza von Alexis Tsipras gewinnt die Wahl im überschuldeten Griechenland - verfehlt aber die absolute Mehrheit. Tsipras steht anschließend einer Koalitionsregierung mit der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen vor, die im neuen Parlament mit 4,8 Prozent über 13 Mandate verfügt. Die Unabhängigen Griechen hatten im Wahlkampf Griechenland stets als von der Troika „besetzt“ bezeichnet. Die neue Regierung stoppt die Sparpläne des Landes.

6. Februar: Sylter Bürgermeisterin beschlagnahmt Haus für Flüchtlinge

Zwei Familien können in diesem Reetdachhaus am Ortsrand von Keitum leben. Doch es stand fast vier Jahre leer.
Zwei Familien können in diesem Reetdachhaus am Ortsrand von Keitum leben. Doch es stand fast vier Jahre leer. Foto: Reußner
 

Die Flüchtlingskrise ist noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt, doch auf Sylt wird der Wohnraum schon im Februar knapp. Die scheidende Bürgermeisterin Petra Reiber greift deshalb zu ungewöhnlichen Mitteln. Sie lässt das seit fast vier Jahren leerstehende Polizeihaus in Keitum beschlagnahmen, um es Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Mitte Februar bekommt Reiber die Schlüssel für das Doppelhaus an der Munkmarscher Chaussee, und nach nur einem Monat präsentieren Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt und zwei ihrer Mitarbeiter vom „Team Asyl“ die fast fertig gestellte Unterkunft der Öffentlichkeit.

5. Februar: Urteil gegen Chantals Pflegeeltern


Die elfjährige Chantal starb am 18. Dezember 2011 in Hamburg-Wilhelmsburg an einer Methadon-Vergiftung - rund drei Jahre später fällt das Urteil gegen ihre Pflegeeltern, die die Heroin-Ersatzdroge in ihrer Wohnung herumliegen ließen. Das Hamburger Landgericht verurteilt den 54-jährigen Pflegevater zu einem Jahr Haft auf Bewährung, die vier Jahre jüngere Pflegemutter zu acht Monaten auf Bewährung.

9. Februar: Brandanschlag in Escheburg

30 Feuerwehrleute waren mit sechs Fahrzeugen nach dem Brandanschlag in Escheburg im Einsatz.
30 Feuerwehrleute waren mit sechs Fahrzeugen nach dem Brandanschlag in Escheburg im Einsatz. Foto: Timo Jann

Entsetzen in Escheburg im Kreis Herzogtum Lauenburg: Ein Mann wirft an einem Montagmittag einen Brandsatz in ein Holzhaus, in das Asylbewerber aus dem Irak einziehen sollten. Die Feuerwehr bringt den Brand schnell unter Kontrolle. Die Polizei sucht nach dem Täter, setzt eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus. Zehn Tage später nimmt die Polizei einen 37-jährigen Nachbarn, einen Finanzbeamten, fest. Im Mai wird er wegen Brandstiftung verurteilt.

9. Februar: SH gehört nicht zu Deutschland - meint die DDfE

Kathrin Oertel vor dem neuen Logo ihrer Bewegung. Niemandem fällt zunächst auf, was fehlt: Schleswig-Holstein.
Kathrin Oertel vor dem neuen Logo ihrer Bewegung. Niemandem fällt zunächst auf, was fehlt: Schleswig-Holstein. Foto: dpa

Ein Führungsstreit zwischen Lutz Bachmann und Kathrin Oertel führt zur Spaltung bei Pegida. „Fehlt da nicht etwas?“, wundert sich unser Redakteur, als er über den Premieren-Flop des Pegida-Ablegers DDfE („Direkte Demokratie für Europa“) berichten will. Tatsächlich wird im Logo der neuen Bewegung unser schönes Bundesland kurzerhand wegrationalisiert. Über Facebook verbreitet sich der Fauxpas wie ein Lauffeuer - die Initiative korrigiert. Der zweite Entwurf ist fast richtig. Die DDfE verschwindet in der Versenkung.

11. Februar: Kapitän der „Costa Concordia“ verurteilt

Gut drei Jahre nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor der italiensischen Insel Giglio mit 32 Toten wird der Kapitän Francesco Schettino zu 16 Jahren Haft verurteilt. Wegen seines Berufungsverfahrens bleibt er zunächst auf freiem Fuß.

12. Februar: Ukraine-Gipfel in Minsk

Die Präsidenten der Ukraine, Frankreichs und Russlands sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vereinbaren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Fahrplan zur Befriedung des Konflikts in der Ostukraine („Minsk II“). Bis zum Ende des Jahres gibt es immer wieder blutige Gefechte in der Ostukraine.

12. Februar: Fall Diren - Urteil gegen Todesschützen

Für seine tödlichen Schüsse auf den Hamburger Austauschschüler Diren D. im US-Staat Montana wird der Täter zu 70 Jahren Haft verurteilt. Das eintscheidet ein Gericht in Missoula. Markus K. hatte Diren im April 2014 erschossen, nachdem dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Die Geschworenen in dem Prozess meinten, er habe den Jungen in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet. Hintergrund seien vorangegangene Einbrüche ins Haus der Familie gewesen. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Notwehr.

14. Februar: Terroranschlag auf Kulturcafé in Kopenhagen

Das Kulturzentrum in Kopenhagen.
Das Kulturzentrum in Kopenhagen. Foto: dpa
 

Mit einem Maschinengewehr feuert ein Islamist auf das Kulturzentrum Krudttønden im Kopenhagener Stadtteil Østerbro, in dem eine Veranstaltung zu Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit stattfindet. Ein 40-jähriger Filmemacher wird getötet, drei Polizisten werden verletzt. Am nächsten Tag tötet der Attentäter den jüdischen Wachmann einer Synagoge, dann wird er von der Polizei erschossen. Die Suche nach dem Terroristen hat Auswirkungen auf die Grenzregion: Die Bundespolizei beteiligt sich an der Suche nach dem Täter und verstärkt an dem Wochenende die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze. Unter anderem überwacht sie an den drei Flensburger Grenzübergängen den Verkehr.

15. Februar: Olaf Scholz gewinnt Bürgerschaftswahl in Hamburg - und kann nicht mehr alleine regieren

Olaf Scholz mit seiner Frau Britta Ernst nach der ersten Prognose.
Olaf Scholz mit seiner Frau Britta Ernst nach der ersten Prognose. Foto: dpa/Christian Charisius

Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg verliert die SPD von Bürgermeister Olaf Scholz die absolute Mehrheit und koaliert im April mit den Grünen. Die CDU stürzt ab, Linke und FDP behaupten sich. Die AfD zieht erstmals in ein westdeutsches Landesparlament ein.

25. Februar 2015: Brandserie beunruhigt Kiel

22 Mal hat es auf dem Kieler Ostufer bereits gebrannt – zuletzt in der Nacht zu Dienstag.
22 Mal hat es auf dem Kieler Ostufer bereits gebrannt – zuletzt in der Nacht zu Dienstag. Foto: rtn

Das Kieler Ostufer kommt nicht zur Ruhe. Über zwei Monate dauert die Brandserie in Kellern und Treppenhäusern nun schon – und die Polizei hat die Brandstifter noch immer nicht gefasst. Vor allem ältere Bewohner leben in Angst. „Ich bleibe momentan immer bis 1 Uhr wach und gucke aus dem Fenster“, sagt Rentner Arthur Küllsen (66). „Aber wenn du dich ins Bett legst, dann kommen sie.“ Bis zum Sommer brennt es immer wieder, aufklärt werden die Brände nicht.

1. März: Kohlekraftwerk Moorburg geht ans Netz

Nach sieben Jahren Bauzeit und mehr als einem Jahr Probe- und Testbetrieb geht der erste Block des umstrittenen Kohlekraftwerks Moorburg ans Netz. Offiziell eingeweiht wird das Kraftwerk erst im Herbst. Umweltschützer nennen den kommerziellen Start des Kraftwerks einen „schwarzen Tag für den Klimaschutz“. Das Kraftwerk setze pro Jahr acht bis neun Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid frei. Vattenfall erklärt, Moorburg gehöre mit einem Wirkungsgrad von 46,5 Prozent zu den effizientesten und umweltfreundlichsten Kohlekraftwerken in Europa.

20. März: Sonnenfinsternis über Deutschland

Das dänische Königspaar Maxima und Willem Alexander guckt „Sofi“ in Hamburg.
Das dänische Königspaar Maxima und Willem Alexander guckt „Sofi“ in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa

Eine partielle Sonnenfinsternis verdunkelt den Himmel über Deutschland. Zwischen 9.30 und 12 Uhr wird sichtbar, wie die Sonne von der Erde aus gesehen durch den Mond größtenteils verdeckt wird. Das Wetter spielt nicht überall mit. Mit rund 83 Prozent Verdunkelung wäre List auf Sylt eigentlich der beste Ort, um die Sonnenfinsternis zu beobachten. Doch eine geschlossene Wolkendecke verhindert den Blick auf das seltene Naturschauspiel. Der niederländische König Willem-Alexander und Königin Maxima verfolgen die „Sofi“ bei ihrem Besuch in Hamburg.

21. März: DOSB will Olympia in Hamburg

Deutschland will sich mit Hamburg um die Olympischen Spiele und Paralympics im Jahr 2024 bewerben. Jedenfalls fällt die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) diese Entscheidung in der Frankfurter Paulskirche einstimmig. Der Mitbewerber Berlin unterliegt „Sportdeutschland steht vor einem Aufbruch“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Im November wird es ein Referendum in Hamburg geben, das diese Hoffnung zunichte macht.

24. März: Germanwings-Airbus zerschellt in den Alpen

Auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf zerschellt ein Airbus von Germanwings an einem Berg in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord sterben. Darunter sind auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen einer Schule in Haltern (NRW). Die Staatsanwaltschaft kommt später zu dem Schluss, dass der Copilot die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hat. Er nutzte den Toilettengang des Flugkapitäns dafür, die Tür zu verriegeln. Er war psychisch krank und fluguntauglich, was er seinem Arbeitgeber jedoch verschwieg.

27. März: Bundestag beschließt Pkw-Maut

Der Bundestag beschließt eine PKW-Maut, die auch Ausländer zahlen sollen. Weil die EU-Kommission rechtliche Schritte androht, verschiebt CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt Mitte Juni den Start des Projekts auf unbestimmte Zeit.

Den Jahresrückblick von April bis Juni finden Sie hier. Das dritte und vierte Quartal können Sie am Dienstag und Mittwoch auf shz.de lesen.

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