Atomlager am Fehmarnbelt? : Dänische Pläne ernten Widerspruch

Die Fremdenverkehrsbranche diesseits der Ostsee ist in heller Aufregung über dänische Pläne für ein Atomendlager.

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07. Mai 2011, 09:43 Uhr

kopenhagen/kiel | Als einer von sechs geologisch geeigneten Standorten wird in einem Prüfbericht für Regierung und Parlament in Kopenhagen Rødbyhavn auf dem Nordufer des Fehmarnbelt genannt - ganze 19 Kilometer von der deutschen Küste entfernt. "Das Image ganz Schleswig-Holsteins als Urlaubsort mit ungestörter Natur würde dadurch zerstört", befürchtet Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein.

Zwar hat Dänemark nie ein AKW zur Energieerzeugung betrieben - wohl aber drei Reaktoren im Forschungszentrum Risø bei Roskilde. Seit 2000 sind sie stillgelegt. Wenn ein Teil des radioaktiven Materials vor Ort verfallen ist, sollen die nuklearen Überreste 2018 in ein unterirdisches Depot gebracht werden, erklärt der Leiter einer interministeriellen Arbeitsgruppe, John Erik Pedersen. Mindestdauer für die Aufbewahrung 30 Meter unter der Erdoberfläche: 300 Jahre. Benötigt werden dafür besonders dichte Lehmschichten und eine niedrige Grundwasserströmung.
"Hier ist offiziell nichts bekannt"
5000 Kubikmeter radioaktiven Abfall gilt es unterzubringen. "Das entspricht einem Zehntausendstel der Strahlung eines einzelnen Atomkraftwerks", sagt Dänemarks liberaler Innenminister Bertel Haarder in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung. Es gehe also um ein "mikroskopisches Depot". Weitere Untersuchungen sollen laut Pedersen nun zwei End-Kandidaten hervorbringen. Dabei würden nach bisher rein geologischen Fragen auch andere Kriterien geprüft. Der über Rødbyhavn führende Fehmarnbelt-Tunnel schließt für Pedersen ein Atomlager nicht automatisch aus. Es würden nur 160 Quadratmeter gebraucht. Und: "Die Strahlung wird null sein, wenn man sich aufs Lager stellt."

Sollte es nicht an der Beltquerung scheitern, hält es auch Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) "in keiner Weise für akzeptabel", die Pläne weiterzuverfolgen. Aus Sicht von Tourismusverbands-Chefin Homp spielt die Menge keine Rolle für die Besorgnis der Bevölkerung. Sie fordert die Landesregierung auf, "konsequent Position gegen das Projekt zu beziehen". In den Ministerien für Tourismus und Reaktorsicherheit hielten die Sprecher gestern jeweils das andere Ressort für zuständig. Einig waren sie sich nur darin, zu dem Thema sowieso keine Meinung zu haben: "Hier ist offiziell nichts bekannt."
(fju, shz)

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