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Krankenhäuser/sygehuse : Däninnen nehmen die Geburt lockerer

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Noch Zukunftsmusik ist die grenzüberschreitende Arbeit eines neuen Super-Klinikums, das im Süden Dänemarks geplant wird. Bereits von Patienten aus beiden Nachbarländern in Anspruch genommen wird das Krankenhaus Niebüll. Dessen Entbindungsstation genießt auch bei Frauen von der dänischen Westküste eine große Popularität.

Für das Personal war es gewöhnungsbedürftig, dass sich die Däninnen verbeten gesiezt zu werden. Aber Schwestern und Ärzte in Niebüll freuen sich darüber, dass Patientinnen aus Dänemark bei der Entbindung "irgendwie einfacher" sind als Deutsche.
Die Geburt eines Kindes ist immer ein freudiges Ereignis, ob für Eltern, Familienangehörige oder auch das Krankenhauspersonal. Mittlerweile befinden sich die Entbindungsraten in den kleineren deutschen Städten aber drastisch auf dem Sinkflug, weshalb Geburten nicht nur Freude bereiten, sondern auch von existenzieller Wichtigkeit für die Entbindungsstationen einiger Krankenhäuser sind. Und da ist die Klinik Niebüll, Teil des Klinikums Nordfriesland, keine Ausnahme. "Wir machen uns schon Sorgen", gibt Hebamme Gudrun Jensch zu, die gemeinsam mit den anderen vier festen Hebammen - Hanne Nissen, Anke Jordt, Marie Kewitsch und Anke Haupt - in den beiden Kreißsälen und der Entbindungsstation in Niebüll arbeitet. 320 Mal wurde in Niebüll 2007 ein Kind zur Welt gebracht, 340 waren es im Jahr zuvor.
"Viele bringen beim nächsten Mal auch die Freundin zum Entbinden mit"
Den Hebammen und den Medizinern - Belegarzt Dr. A. Hossein und Dr. Michael Friemel - ist es ein Anliegen, den Aufenthalt im Krankenhaus so angenehm wie möglich zu gestalten: von der Vorbesichtigung über die Anmeldung und Entbindung bis zur Betreuung nach der Geburt. Der Kunde - in diesem Fall der Patient - ist in Niebüll König. "Weil guter Service bei uns im Grunde die einzige Vermarktungsmöglichkeit ist", so Anke Jordt. Und daher werden die Mütter in der Klinik Niebüll auf Händen getragen, fürsorglich behandelt und rund um die Uhr betreut. Und die Väter natürlich auch, denn die Rolle des Papas hat sich in den vergangenen 30 Jahren grundlegend geändert. "Früher war der Vater bei den Entbindungen unerwünscht", erinnert sich Marie Kewitsch. War der Papa damals in Ausnahmefällen dabei, ist es heute die Regel, und das wird vom Entbindungspersonal in Niebüll begrüßt: "Die Mutter ist dann beruhigter, und daher findet es auch der Arzt gut, dass der Vater dabei ist", sagt Anke Jordt. "Wir könnten es heute gar nicht mehr ohne die Männer schaffen", fügt Marie Kewitsch hinzu, wobei besonders der erste Kontakt, die erste Bindung des Kindes - auch mit dem Vater - wichtig ist. Aber auch die Sichtweise der Väter hat sich gewandelt, "sie schauen gar nicht mehr nach Fehlern", so Marie Kewitsch.
Und weil es bei der freien Krankenhauswahl (Gudrun Jensch: "Und das ist auch gut so") eine natürliche Konkurrenz mit den anderen Krankenhäusern gibt, wird den Eltern und dem Baby die bestmögliche Betreuung und Fürsorge angeboten, denn: "Wir haben viele, die wiederkommen, die dann das nächste Mal auch die Freundin zum Entbinden mit nach Niebüll bringen", sagt Anke Jordt. Doch nicht nur Pflege und Betreuung spielen in Niebüll eine Rolle, sondern auch die Ausstattung der Räumlichkeiten. Die beiden Kreißsäle vermitteln das Gefühl einer Hausgeburt, die beiden Räume sind gemütlich eingerichtet. Auch damit die Eltern nach der Geburt nicht sofort auf die Geburtenstation geführt werden müssen, sondern die ersten Stunden noch in Ruhe genießen können.
"Das ist dann fast schon arbeiten wie in früheren Zeiten"
Eine willkommene Abwechslung für die Hebammen in Niebüll sind die Däninnen, die seit 2003 aus Tondern und Umgebung zur Entbindung nach Niebüll kommen: "Die dänischen Frauen sind bei uns sehr willkommen. Sie sind irgendwie einfacher, haben einen natürlicheren Zugang zur Entbindung als deutsche Frauen", meint Marie Kewitsch. "Und die dänischen Frauen verzichten gerne auch mal auf Medizin, das ist dann fast schon arbeiten wie in früheren Zeiten", fügt Anke Jordt hinzu. Dass die dänischen Frauen sogar Garant dafür seien, dass die Entbindungsstation in Niebüll am Leben erhalten wird, stimmt zwar nicht ganz, "sie sind aber eine große Bereicherung, auch weil sie eine andere Vita haben", so Marie Kewitsch.
Dabei musste sich das Niebüller Krankenhaus-Personal nicht nur sprachlich umstellen, sondern auch von der Mentalität, denn das förmliche "Sie" kam bei den dänischen Müttern gar nicht gut an. "Typischerweise bieten die dänischen Frauen einem sofort das Du an. Wenn man wie ich aus der Großstadt kommt, bedeutet das schon eine Umstellung", gibt Marie Kewitsch zu. Die förmliche Anrede verschleiert jedoch nicht das lockere Verhältnis, das auf der Entbindungsstation in Niebüll vorherrscht - und zwar vom Arzt zur Hebamme bis zum Patienten. Und dann freut es sich noch leichter bei einer Geburt.

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erstellt am 04.Apr.2008 | 03:43 Uhr

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