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Risiko für Badegäste : Dänen reißen marode Nazi-Bunker ab

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Die Nazi-Bunker an der dänischen Westküste sollten 1000 Jahre halten. Doch jetzt beginnen die Zeugen der deutschen Besatzung Dänemarks zu zerbröseln.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 08:03 Uhr

kopenhagen | Bis vor kurzem dachte man, sie würden ewig halten - die Bunker, mit denen die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg die dänische Westküste zur Abwehr einer alliierten Invasion zugepflastert hat. Doch 70 Jahre nach ihrer Entstehung beginnen die Zeugen der deutschen Besatzung Dänemarks zu zerbröseln. Der Beton gibt aus seinem Innern stellenweise Stahlteile frei, vor allem, wenn die Bauten direkt an der Wasserlinie oder sogar unter der Meeresoberfläche liegen.
"Das bedeutet ein Risiko für Badegäste und Touristen", warnt Dänemarks Umweltministerin Pia Olsen Dyhr. Deshalb gab sie gestern das Startzeichen zu einer großen Abrissaktion: Bei Thyborøn am Eingang des Limfjords bestieg sie einen Bagger. An dessen Arm ist statt einer Schaufel ein überdimensionierter Meißel montiert, der den Beton zertrümmert. Insgesamt 120 Bunker sollen bis Jahresende verschwinden. Die meisten nach der Hack-Methode; einige wenige müssten voraussichtlich auch gesprengt werden, sagt John Jensen, der zuständige Projektleiter bei der dänischen Behörde für Küstenschutz. Offenbar habe das Meerwasser den Beton im Laufe der Zeit porös werden lassen. Der Nordsee sind immer mehr Kriegs-Bauten ausgesetzt, weil sich die Küstenlinie durch Abbruch weiter landeinwärts verlagert hat. Herausragende Metallteile sind nicht das einzige Problem. Für Verletzungsgefahr sorgen auch scharfe Kanten am Beton selbst, wenn Teile herausgebrochen sind.

Soll Deutschland zahlen?

"Seit etwa fünf Jahren berichten Gemeinden, dass Menschen beim Baden durch die Bunkerruinen zu Schaden gekommen sind", schildert Jensen. Ebenso lang haben die Kommunen zwischen Esbjerg und Hanstholm mit dem dänischen Staat über die Kosten für eine Tilgung des Nazi-Erbes gestritten. Der gibt nun umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Die Küstenorte müssen knapp 300.000 Euro berappen.
Zwischenzeitlich war schon der Ruf aufgekommen, Deutschland solle zahlen. "Wir haben den Bau schließlich nicht veranlasst", hatte etwa der Vorsitzende des Umweltausschusses der betroffenen Kommune Holstebro argumentiert. Leserbriefschreiber sahen es ähnlich. Regierungskreise haben dies aber definitiv ausgeschlossen. 1946 und 1953 habe es Absprachen zwischen Dänemark und der Bundesrepublik über damalige Zahlungen für Kriegsschäden gegeben. Spätere Ansprüche wurden damit ausgeschlossen. Joachim Lund, Mitverfasser des Buches "Besetztes Dänemark", gab in der Debatte außerdem zu bedenken: Der Bau der Bunker habe Zehntausenden Dänen Arbeit verschafft.

Vergleichbare Phänomene auf Sylt

Der Löwenanteil der Bauten bleibt erhalten: Es gibt insgesamt 600. Einen Großteil gelte es "als Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Geschichte zu erhalten", stellte die Umweltministerin gestern klar.
In Schleswig-Holstein sind vergleichbare Phänomene nur an der Hörnumer Odde auf Sylt aufgetreten. Die dort besonders starke Strömung ließ 2009 einen Bunker teils ins Meer stürzen. Er wurde daraufhin abgetragen. Wegen der Strömung ist die Stelle allerdings kein Baderevier. Dass keine weiteren Probleme bekannt seien, erklären Experten damit, dass die Küste im Westen Sylts durch die Sandaufspülungen nicht so weit ins Landesinnere vorgerückt ist wie in Dänemark.

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