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Forderung der Fischer stößt auf Kritik : Dänemark streitet über Jagd auf Seehunde

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Während an der deutschen Nordsee um jeden Heuler gekämpft wird, fordern Angeltouristen und Fischer in Dänemark die Jagd auf Seehunde. Die fangen ihnen die Fische weg.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 02:29 Uhr

kopenhagen | Nach einem ersten Anlauf bereits im letzten Jahr werden nördlich der Grenze in diesem Sommer erneut Rufe nach einer Jagd auf Seehunde laut: Manchem in Dänemark werden die niedlichen Tiere zu viel. Dem Angeltourismus und der Fischerei sind sie zunehmend ein Dorn im Auge.
Colin Seymour, Tourismuschef in Varde nördlich von Esbjerg, gibt dem boomenden Seehundbestand die Schuld an einem beträchtlichen Rückgang der Lachse in der Mündung der Varder Au. Sie grenzt direkt ans Wattenmeer. Statt 451 Lachsen im letzten Jahr seien dort im jetzigen Sommer lediglich 30 solcher Fische an Land gezogen worden. "Weniger Lachse ergeben weniger Angler und damit weniger Übernachtungen", lautet die Rechnung, die Seymour aufmacht. Er appelliert deshalb, Möglichkeiten für eine Regulierung der Seehundbestände zu untersuchen. "So wie es auch beim Kronwild praktiziert wird", vergleicht er. Seymor will das Thema in dem dänischen Steuerungskreis des Nationalparks Wattenmeer zur Sprache bringen.

Zunehmend Bissspuren

Einer der Bead & Breakfast-Anbieter, die unter einer wesentlich geringeren Nachfrage leiden, ist "Agervig Bed & Breakfast" von Niels Jørn Nikolajsen mit neun Betten. "In diesem Jahr sind nicht sonderlich viele Angler hier", klagt er. "Das liegt daran, dass es so wenige Fische gibt." Der Angeltourismus ist in Dänemark ein umsatzstarker Zweig des Fremdenverkehrs.
Nach einer Zählung des Fischerei- und Seefahrtsmuseums in Esbjerg im vergangenen Jahr hat sich der Bestand der Seehunde beträchtlich auf 38.500 erhöht. Das Museum verweist darauf, dass 40 Prozent der gefangenen Lachse Biss-Spuren von Seehunden aufweisen. Das überrascht Asbjørn Holm, den Seehund-Experten des Museums, nicht. "Der Seehund ist ein Opportunist. Er frisst, was da ist." Holm meint, dass der Bestand eine Regulierung vertragen könnte - warnt aber vor zu großen Erwartungen. "Konsequenz wird sein, dass die Tiere ihr Verhalten ändern. Sie lernen schnell, wenn ihnen die Menschen etwas Böses wollen. Das wird auch einen verstörenden Effekt auf den ganzen Bestand haben." Der Forscher meint, dass die Tiere ihre Fortpflanzungsplätze weiter nach draußen verlagern. Damit würde es schwieriger für Touristen, die Tiere in deren natürlichem Element zu erleben. Ebenso wie Bent Poulsen, Vorsitzender der Nationalpark-Organisation, meint Museumsmann Holm: Eine Jagd auf Seehunde sei ausschließlich eine politische Entscheidung. "Aber dass Seehunde einige Lachse beißen, wird das offizielle Dänemark wahrscheinlich nicht dazu veranlassen, die Meinung zu ändern."
Möglicherweise aber ein Vorstoß des dänischen Fischereivereins. Die Branchenorganisation der Berufsfischer hat bei der Natur- und Wirtschaftsbehörde in Kopenhagen beantragt, bei der Bornholm vorgelagerten Insel Christiansø Seehunde erschießen zu dürfen. "Die Seehunde und ihr Appetit bedrohen einige Fischer in ihrer Berufsausübung", erklärt Thomas Thomsen, Vorsitzender des Fischereivereins von Bornholm. "Kollegen von Christiansø und aus den Bornholmer Orten Tejn und Gudhjem haben in ihrem Gebiet in den letzten drei Jahren im Großen und Ganzen nicht einen Dorsch gefangen. Wir brauchen jetzt eine Regulierung des Bestands."

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