Warnung vor Orkan in SH : „Christian II“: Feuerwehren raten zur Vorsorge

Orkan „Christian“ hat 2013 mehrere Häuser abgedeckt, wie hier auf Sylt.
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Orkan „Christian“ hat 2013 mehrere Häuser abgedeckt, wie hier auf Sylt.

Das Wochenende wird windig – ob es zu so schweren Stürmen kommt wie im Herbst 2013 ist ungewiss. Die Feuerwehren raten zur Vorsorge.

shz.de von
06. Januar 2015, 10:32 Uhr

Der temperamentvolle Winter im Norden lässt nicht locker. Erneut peitschen kräftige Tiefs über den Atlantik heran, eines davon könnte zum Wochenende an Schleswig-Holsteins Küsten sogar Orkanböen bringen.

Die Feuerwehr ruft dazu auf, für den Ernstfall Vorkehrungen zu treffen.

Wie sichere ich mein Wohnhaus und Grundstück?

Sichern Sie Ihr Gebäude - achten Sie vor allem auf möglicherweise bereits vorhandene Beschädigungen. Schwachstellen können lose Ziegel, Schornsteine oder Dachrinnen sein. Schützen Sie Keller und Niedergänge rechtzeitig vor eindringendem Wasser, wenn in ihrer Gegend Überflutungsgefahr besteht. Achten Sie darauf, dass Rückschlagventile im Keller funktionsfähig sind. Sichern Sie Balkone und Terrassen so, dass Möbel oder Pflanzen nicht umhergewirbelt werden können. Entfernen Sie Laub aus Wassereinläufen wie Gullys oder Abflussrinnen.

Wo soll ich das Auto abstellen?

Stellen Sie Fahrzeuge vorausschauend und sicher ab. Bei älteren Gebäuden, Baustellen oder morschen Bäumen kann der Wind Teile lockern, die dann eventuell auf das Auto herabstürzen können.

Muss ich etwa auf meinen Waldspaziergang verzichten?

Verlassen Sie während des Unwetters das Haus möglichst nicht. Meiden Sie Wälder und Alleen - nicht nur während, sondern auch nach dem Orkan. Instabile Bäume und herab fallende Äste gefährden Sie auch in den Stunden danach.

Ich muss mit dem Auto fahren – was sollte ich beachten?

Wenn Sie Autofahrten nicht vermeiden können: Passen Sie ihre Fahrgeschwindigkeit an. Achten Sie auf unvorhergesehene Hindernisse wie umher fliegende Gegenstände oder abgebrochene Äste. Beim Ein- und Aussteigen sollte man die Fahrzeugtüre vorsichtig öffnen und den Griff fest in der Hand halten. Windböen können sonst die Türe aufreißen und erheblichen Schaden anrichten.

Seitenabstand beachten: Vor allem auf Landstraßen können Böen selbst Schwerfahrzeuge wie Lkw oder Busse um mehr als einen Meter versetzen. Im schlimmsten Fall landet man plötzlich im Straßengraben oder gerät auf die Gegenfahrbahn. Dachlasten oder Aufbauten, die eine breite Angriffsfläche bieten, können auch dazu beitragen, dass das Fahrzeug vom Sturm verrissen wird. Dachlasten und Anhänger sollten daher an stürmischen Tagen vermieden werden. Der Schwerpunkt sollte möglichst tief liegen, das Gewicht auf beide Fahrzeugachsen verteilt sein.

Wenn man von einer Sturmböe erfasst wird: Ruhe bewahren. Jede heftige Bewegung mit dem Lenkrad macht das Fahrzeug nur noch instabiler. Um das Auto wieder zurück auf die Spur zu bringen, nur gefühlvoll gegenlenken.

Achtung: Erhöhte Gefahr bei Brücken oder Tunnelausfahrten durch Fahrbahnglätte.

Bei mir ist ein Schaden entstanden – wann rufe ich den Notruf?

Allgemein gilt: Melden Sie Gefahrenstellen und Schäden, bei denen Sie Hilfe brauchen, unter der Notrufnummer 112. Bitte melden Sie Schäden, von denen keine akute Gefahr ausgeht, erst nach dem Ende des Unwetters.

Die rund 1400 Freiwilligen Feuerwehren und vier Berufsfeuerwehren im Land sind auf ein mögliches Unwetter vorbereitet. „Wir bitten daher alle Arbeitgeber um Verständnis, wenn ehrenamtliche Feuerwehrangehörige durch das erhöhte Einsatzaufkommen nicht ihrer regulären Tätigkeit nachgehen können“, appelliert Landesbrandmeister Detlef Radtke, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein.

Ob es soweit kommt, ist nicht klar. Exakte Wettervorhersagen sind nicht möglich. Dennoch: „Es wird in jedem Falle stürmisch werden“, sagt Diplom-Meteorologin Alina Voß von der Wetterwelt GmbH in Kiel. Darauf deuteten Berechnungen verschiedener Computermodelle hin – und dies „in seltener Einigkeit“, wie der angehende Meteorologe Lars Rohwer aus Husum vom Team „Wetterwarnungen Norddeutschland“ mit Sitz im nordfriesischen Oldenswort betont. Mit einer Sicherheit von 80 Prozent komme es an der Nordsee von Freitag bis in den Sonntag hinein zu Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde.

Dennoch bleiben Unsicherheiten – vor allem wegen der „Randtiefs“, die sich häufig an den Südflanken großer Tiefdrucksysteme bilden. Diese seien nur schwer vorherzusagen, sagt Alina Voß. Zieht ein solches Randtief nun direkt über Schleswig-Holstein, würde der Norden weitgehend verschont und die Mitte und der Süden Deutschlands von den Sturmböen erfasst, so Rohwer.

Und das ist die Lage: Bereits am Montag lauerte vor Neufundland in Nordamerika ein sehr starkes Tief. Purer Zufall: Bei wetterpate.de wurde es bereits „Christian“ getauft und weckt damit böse Erinnerungen an das im Norden verheerende Orkantief vom 28. Oktober 2013.

Allerdings: In diesem Jahr zieht Christian an Island vorbei, wird vor allem den britischen Inseln stürmisches Unwetter bringen, sich dann aber abschwächen. Dennoch hat auch Christian II. schweres Gepäck dabei: Die Wetterexperten erwarten, dass sich im Schlepptau von Christian eben ein Randtief entwickelt, das schnell größere Dimensionen erreichen kann. „Und dieses Sturmtief wäre dann sehr schnell“, sagt Rohwer. „Mittwochabend ist es noch östlich von Kanada und Freitagabend bereits vor Norwegen.“

Je nach Wetterlage sollen die Sturmböen von Westen und Nordwesten in die Deutsche Bucht drücken. Die Gefahr einer schweren Sturmflut sieht Dr. Sylvin Müller-Navarra, Leiter des Warndienstes beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg, aber deshalb noch nicht. „Das ist der Stand jetzt – das kann morgen schon anders sein“, so Müller-Navarra.  

> www.bsh-sturmflut.de

www.wetterwelt.de

wetterwarnungen-norddeutschland.de

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