Versatel auf Tauchstation : Chaos-Tage im Partner-Shop

Versatel ist ab 1. Juli Geschichte: Service-Partner Maik Petznik setzt künftig auf die Konkurrenz. Foto: Staudt
Versatel ist ab 1. Juli Geschichte: Service-Partner Maik Petznik setzt künftig auf die Konkurrenz. Foto: Staudt

Auch die Versatel-Partner-Shops werden vom Mutterkonzern abgekoppelt. Sie müssen sich jetzt mit den frustrierten Kunden auseinandersetzen und werden dabei allein gelassen.

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20. Februar 2011, 12:06 Uhr

Flensburg | Die Versatel trennt sich bundesweit nicht nur von 370 Mitarbeitern im Privatkundenbereich. Sie bricht auch komplett ihre Brückenköpfe im öffentlichen Leben ab. Die letzten zirka 40 von einstmals 140 Versatel-Shops werden zum Sommer aus den Diensten der Versatel entlassen. Ihnen stehen harte Zeiten bevor.
Maik Petznik leitet seit November 2006 als selbstständiger Dienstleister den Versatel-Partner-Shop in der Flensburg-Galerie, bereits seit 2005 ist er in Neumünster vertreten. Für den KomTel-Pionier ist das Ende nach elf Jahren enger Verbundenheit mit dem Unternehmen ein schwerer Schlag. Trotzdem macht der 43-Jährige drei Kreuze, wenn sein gekündigter Vertrag am 30. Juni ausgelaufen ist. Seitdem die Versatel ihre Massenentlassung bekannt gegeben hat, ist in den Shops nämlich die Hölle los.
Riesenstau von frustrierten Versatel-Kunden
Offenbar versagen die gefeuerten Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber die Gefolgschaft. Der Service der Versatel, so Petznik, hat angesichts der hoffnungslosen Perspektive auf den Modus "Dienst nach Vorschrift" geschaltet. "Es gibt jede Menge Vorgänge, aber sie bleiben wochenlang unbearbeitet. Da entsteht gerade ein Riesenstau!" Sein Problem: Der Riesenstau der frustrierten Versatel-Kunden lädt seinen Zorn dort ab, wo die Versatel noch sichtbar ist. Bei Petznik und seinen zwei Angestellten in der Flensburg-Galerie. Sein noch viel größeres Problem: Der Konzern hat auch die Trossen zu seinen Partner-Shops gekappt. "Vor zwei Monaten noch konnten wir über unsere persönlichen Kontakte mit dem Unternehmen vieles selber regeln", sagt Petznik. Vorgänge beschleunigen, Sachverhalte aufklären, unbürokratische Lösungen finden. Damit ist Schluss. Neuerdings beharre das "Mutterschiff" strikt auf Einhaltung des Dienstweges. Und der, so Petznik, führe ausschließlich über standardisierte Intranet-Formulare. "Mit uns spricht bei der Versatel keiner mehr."
Und das ist letztendlich das Riesenproblem - die tägliche Erklärungsnot des Maik Petznik: "Ich kann niemandem mehr helfen. Ich kann den Eingang von Kündigungen nicht mehr verbindlich bestätigen. Ich kann den Verlauf von Vorgängen nicht mehr verfolgen, ich kann die Leute nur noch auf die telefonische Hotline verweisen. Und bei Perry & Knorr werden die Mitarbeiter gerade erst angelernt..."
Künftig die Angebote der Konkurrenz verkaufen
Bitter für einen, der sich die längste Zeit als Kind der großen Versatel-Familie gefühlt hat und mit seinen Shops mit zusammen 35.000 Kunden in Zufriedenheitsumfragen über Jahre an der Spitze war - oder ganz knapp darunter. Er muss dem Publikum jetzt den Prügelknaben geben und möchte doch eigentlich nur Danke sagen. Für Maik Petznik geht die Welt nicht unter. Noch in diesem Monat wird der werbliche Auftritt der Versatel im gläsernen Pavillon an der Angelburger Straße abgetakelt. Petznik verkauft künftig die Angebote der Konkurrenz - Kabel Deutschland - ein Anbieter, der in besseren Zeiten noch als Bückware ganz unten abgelegt war.
Die Zeiten ändern sich. "Bis Ende des Monats ist die alte Leuchtreklame weg. Dann ist die Versatel hier Vergangenheit."
(ho, shz)

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