Fluglotsen-Streik : Chaos mit Ansage

Gestrichen: Wenn die Fluglotsen streiken, darf keine Maschine starten. Foto: dpa
Gestrichen: Wenn die Fluglotsen streiken, darf keine Maschine starten. Foto: dpa

Ausstand zur Ferienzeit? 15.000 Passagiere bangen um gebuchte Flüge in Hamburg, sämtliche Flughäfen in Schleswig-Holstein wären von den drohenden Streiks betroffen.

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09. August 2011, 09:07 Uhr

Hamburg/lübeck | Noch nie haben sie gestreikt - doch jetzt machen die Fluglotsen ernst: Im zweiten Anlauf rief ihre Gewerkschaft (GdF) die rund 2600 organisierten Mitglieder dazu auf, heute morgen zwischen 6 und 12 Uhr die Arbeit niederzulegen. Gestern hatten sich ihre Vertreter erbittert und erfolgreich vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gegen ein erneutes Streikverbot auf Geheiß der Deutsche Flugsicherung (DFS) gewehrt. Bis in die späten Abendstunden rangen die Beteiligten um die sofort eingelegte Berufung der DFS. In dem Streit sind die Fronten verhärtet, die Zeichen stehen auf Chaos. Ein Ausstand bedeutet allein für den Flughafen Hamburg, dass 83 Abflüge und 61 Ankünfte ausfallen oder verschoben werden müssen, bundesweit sind rund 2000 Flugbewegungen betroffen, schätzt die DFS.
Sieben Stunden ohne Fluglotsen, "das bedeutet nicht nur, dass an den betroffenen 16 internationalen Airports keine Starts und Landungen möglich sind", stellt DFS-Sprecherin Christina Kelek gegenüber unserer Zeitung klar. "Auch die Kontrollzentralen, die die Anflüge kontrollieren, bleiben unbesetzt." Und wenn die ausfallen, sind Flüge im gesamten kontrollierten deutschen Flugraum nicht mehr möglich. Selbst Maschinen, die in Deutschland weder starten, noch landen wollen, dürfen die Bundesrepublik dann nicht mehr überfliegen. "Das kann nur, wer auf Sicht im unkontrollierten Flugraum unterwegs sein will - größere Passagier-Maschinen mit Sicherheit nicht." So werden selbst kleinere Flughäfen wie Lübeck oder Sylt vom Streik der Fluglotsen betroffen sein. Keine Starts und Landungen größerer Flugzeuge auch hier.
"Luxusstreik einer kleinen Gruppe"
Experten malen ein Horrorszenario für sämtliche Beteiligten: Etwa 400.000 Passagiere werden nicht loskommen oder stundenlang in überfüllten Wartehallen stranden, prognostizieren die Reiseveranstalter. 15.000 davon allein in Hamburg. Und die Flugausfälle werden der Flugsicherung selbst, den Airlines und Flughäfen finanzielle Schäden in Millionenhöhe bescheren, denn wo kein Flugzeug fliegt, entfallen Einnahmen, Nutzungsgebühren und Serviceentgelte. Dafür gibt es Kosten für zusätzlichen Service, für Informationen, Unterbringung und Versorgung der wartenden Passagiere.
Und das alles nur für den "Luxusstreik einer kleinen Gruppe", schimpft Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismus-Wirtschaft, mit Blick auf das jährliche Durchschnittseinkommen der Streikenden von rund 100 000 Euro. Ihr Ziel: ein um 6,5 Prozent höheres Gehalt und insbesondere mehr Einfluss bei der Personalstrategie. Dabei zeigen sich die Fluglotsen hartnäckig. Dass sie schon am vergangenen Mittwoch ihre Streikankündigung nach Gerichtsverhandlungen kurzfristig zurückziehen mussten, stoppte ihre Bereitschaft zum Arbeitskampf nicht.
(net, shz)

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