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Wahlkampf in Ostholstein : CDU Eutin: Der Alte und der Malte

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Ein 71-jähriger und ein 18-jähriger Kandidat bilden das Wahlkampfteam der CDU in Eutin.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 10:28 Uhr

Eutin | Da ist noch die Sache mit Facebook. "Ich wollte nicht nur Wahlkampf für mich machen, sondern für die gesamte Partei", sagt Malte Kuhr. "Nur eine Mehrheit in der Partei fand das wohl nicht so gut." Bei Dieter Holst löst das ein Stirnrunzeln aus. "Ich kenne mich zwar mit Facebook nicht aus, aber das scheint mir doch eine Sache zu sein, die man nutzen sollte."
Ein wenig zeigt dieser Dialog das Verhältnis zweier CDU-Kandidaten für die Kommunalwahl in Eutin, die beide ein Ziel haben: in die Stadtvertretung einzuziehen. Kuhr und Holst bilden ein ungewöhnliches Team: Auf der einen Seite kandidiert mit gerade 18 Jahren einer der jüngsten Kandidaten zur Kommunalwahl am 26. Mai in Schleswig-Holstein für Listenplatz 13, auf der anderen der 71-Jährige, der noch einmal von Listenplatz 1 aus Bürgervorsteher in der ostholsteinischen Kreisstadt werden will. Der eine kam 2010 in die CDU, als gerade Peter Harry Carstensen den Parteivorsitz in Schleswig-Holstein an Christian von Boetticher abgab, der andere trat 1959 in die Union ein und machte Wahlkampf für Konrad Adenauer . "Wir wollen voneinander lernen und profitieren", sagen die beiden Lokalpolitiker.

"Ich will wissen, was die Jugend denkt"


Holst sieht sich ein bisschen als Mentor des Abiturienten, der erst am 5. März seinen 18. Geburtstag feierte und damit wählbar wurde. "Die CDU hat zurzeit 14 Plätze in der Stadtvertretung. Malte wird es schaffen", sagt der Pensionär, der das erste Mal von 1978 bis 1980 im Kommunalparlament saß. Dann pausierte er wegen seiner beruflichen Tätigkeit in der Stadtverwaltung, jetzt will er es noch einmal wissen. "Und ich will wissen, was die Jugend denkt. Wir brauchen mehr junge Leute in der Politik."
"Das ist meine Aufgabe, junge Leute zu interessieren", sagt Malte Kuhr. Vieles kann sich der 18-Jährige da vorstellen - etwa in der Bildungspolitik. "Ich bin noch in der Schule, da kann ich mitreden - etwa wenn es um die Sanierung von Schulgebäuden oder Turnhallen geht", sagt der Jung-Politiker, dem es nicht an Selbstbewusstsein mangelt. "Klar traue ich mir die Aufgabe zu, sonst würde ich es ja nicht machen." Selbst einen Job als Berufspolitiker kann er sich nach Ende seiner Ausbildung vorstellen.

Trotz Studiums will Malte weiter Politik machen


Nach Ende der Schulzeit will Kuhr erstmal Betriebswirtschaft studieren, den Bezug zu Eutin dadurch aber nicht verlieren. "Ich möchte in der Region bleiben und werde auf jeden Fall immer zu Sitzungen kommen." Angst hat er nur davor, dass er nicht mehr viel Zeit für Freunde und Familie haben wird.
Dieter Holst will ihm helfen, das Wichtige vom Unwichtigen in der Kommunalpolitik zu unterscheiden. Allein die Post zu lesen, die man als Abgeordneter bekommt, sei kaum zu leisten, da müsse man sich auf das Wesentliche konzentrieren, sonst könne man nicht mehr handeln. "Politik ist zeitaufwendig", sagt Holst. Vielleicht wollen auch deswegen immer weniger Menschen in die Lokalpolitik. In manchen Gemeinden fällt es den Parteien schwer, genug Kandidaten für ihre Listen zu finden.

"Bei der Bildung dürfen wir nicht sparen"


Denn viele sehen angesichts der horrenden Schulden ihrer Kommune kaum noch Gestaltungsspielraum für Kommunalpolitik. "Sanierung der Haushalte wird ein zentrales Thema sein", sagt denn auch Malte Kuhr. Er will trotzdem manche Ausgaben nicht einschränken. "Bei der Bildung dürfen wir nicht sparen", meint der 18-Jährige und erntet von seinem Mentor energisches Kopfnicken. Kuhr habe als "Jungspund" bei den Mitgliedern einen positiven Eindruck hinterlassen, keiner habe ihm gesagt, dass der 18-Jährige zu jung für die Politik sei. Und auch Auftritte bei der Senioren-Union, bei der Holst den Vorsitz hat, scheut Kuhr nicht. "Viele von denen haben Enkel in seinem Alter, die mögen ihn", sagt Holst.
Kuhr sieht sich nicht als Zählkandidat. In seinem Wahlbezirk zieht er von Tür zu Tür, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. "Ich will nicht als Politiker rüberkommen, sondern Malte bleiben", sagt er. Und natürlich wird er mit Dieter Holst als Team gemeinsam bis zum Wahltag auf dem Marktplatz um Stimmen werben - genauso wie im Internet. Auf Facebook hat Malte Kuhr schon die ersten Wähler gewonnen. Die CDU kann da wohl noch etwas vom Nachwuchs lernen.
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