Kieler Campingplatz-Betreiber : "Camping ist kein Billigurlaub"

Wollte nach der Wende etwas in den neuen Bundesländern aufbauen - und hat auf Tourismus gesetzt: Rüdiger Voßhall.
Wollte nach der Wende etwas in den neuen Bundesländern aufbauen - und hat auf Tourismus gesetzt: Rüdiger Voßhall.

"Wir verkaufen Urlaub, nicht nur einen guten Stellplatz", sagt Campingplatz-Betreiber Rüdiger Voßhall. Der Unternehmer mit Sitz in Kiel startete sein Projekt zunächst in den neuen Bundesländern.

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10. August 2011, 09:36 Uhr

Kiel | Vom Wasser aus ist der Blick auf die Küste Mecklenburg-Vorpommerns besonders gut. Auf lange weiße Strände, hohe Dünen. Rüdiger Voßhall erinnert sich immer noch gern daran zurück, als er dort 1990 mit seinem Geschäftspartner Gerhard Rosorius mit dem Boot unterwegs war. Dort haben sie darüber gesprochen, was für einen Campingplatz sich Segler wünschen würden. Einen mit Komfort, serviceorientiert, mit Clubatmosphäre. Die Idee für ihre gemeinsame Firma ist geboren.
Camping habe lange ein schlechtes Image gehabt, sagt Voßhall. "Aber Camping ist kein Billigurlaub." Wenn man sich einmal damit beschäftige, wer auf Campingplätzen Urlaub mache, werde man feststellen, dass das die Mittelschicht sei und auch die gehobene Schicht. Wer einen Campingurlaub mache, investiere bereits im Vorfeld - in Zelte, in Wohnmobile, so Voßhall. "Segler sind auch nur Camper auf dem Wasser."
"Wir wollten etwas in den neuen Bundesländern aufbauen"
1991 gründen die zwei Unternehmer die Regenbogen GmbH. Zum Start kaufen sie einen Camping-Platz in Boltenhagen und einen in Prerow, der als größter der ehemaligen DDR galt. "Wir wollten etwas in den neuen Bundesländern aufbauen und haben in den Bereichen Freizeit und Tourismus die besten Chancen gesehen", sagt Voßhall. 2002 geht das Unternehmen an die Börse. Aus der GmbH wird eine Aktiengesellschaft. Die beiden Geschäftsleute wollten damit die weitere Expansion ihrer Firma finanzieren. Seit dem Tod seines Geschäftspartners im Jahr 2005 führt Voßhall das Unternehmen im Alleinvorstand.
Die Regenbogen AG bezeichnet sich selbst als einen der "führenden Campingtouristiker" in Deutschland. Sie hat die Plätze, die sie übernommen hat, immer ausgebaut. In vielen Anlagen gibt es Restaurants, Läden, Sport- und Wellnessangebote. Die Gäste können an Musical-Shows, kulinarischen Events und Motto-Abenden teilnehmen.
Warum nicht Schleswig-Holstein?
Neben Prerow und Boltenhagen gehören inzwischen zehn weitere Campingplätze zur Regenbogen AG, neben Mecklenburg-Vorpommern unter anderem auch in Niedersachsen. 2005 hat die Sverige AB, eine Tochtergesellschaft der Firma, ihre erste schwedische Ferienanlage in Ahus übernommen.
Die Regenbogen AG hat eigenen Angaben zufolge insgesamt 333 Ferienunterkünfte mit 1500 Betten sowie 7819 Stellplätze für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile. Sie verbucht mehr als 700 000 Übernachtungen pro Jahr. Der Umsatz lag 2010 bei 12,5 Millionen Euro, der Gewinn bei 32 000 Euro (2009 Umsatz 11,9 Millionen Euro, Gewinn 346.000 Euro). Neben dem über lange Strecken schlechten Wetter hat dem Unternehmen vergangenes Jahr auch ein Campingplatz in Bayern zu schaffen gemacht, den die Regenbogen AG gepachtet hatte, aber nicht betreiben konnte, weil er entgegen der Zusage des Verpächters noch nicht fertig gestellt war.
Bleibt nur eine Frage offen: Warum betreibt Voßhall noch keinen Campingplatz in Schleswig-Holstein? Zu Beginn sei die Situation in den neuen Bundesländern einfacher gewesen, weil die Plätze privatisiert wurden, sagt er. "Es gibt ganz tolle Campingplätze in Schleswig-Holstein." Viele seien aber auch auf Dauercamper ausgerichtet. "Und wir verkaufen Urlaub, nicht nur einen Stellplatz", sagt Voßhall. Bisher sei ihm aber auch noch kein Platz angeboten worden.
(tnn, shz)

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