Labor-Analyse : Bundesinstitut bestätigt: Die Sprossen sind schuld

Rohe Sprossen - eine wesentliche Quelle der EHEC-Infektionen in Deutschland. Foto: dpa
Rohe Sprossen - eine wesentliche Quelle der EHEC-Infektionen in Deutschland. Foto: dpa

Rohe Sprossen sind eine Quelle für die EHEC-Infektion der letzten Wochen. Laborergebnisse belegen: Der EHEC-Erreger auf den Sprossen ist identisch mit dem Darmkeim.

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12. Juni 2011, 11:10 Uhr

Der EHEC-Erreger an den Sprossen vom Biohof in Bienenbüttel ist exakt vom selben Typ wie der Darmkeim, an dem mehr als 30 Menschen in Deutschland gestorben sind. Das sagte der Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums, Holger Eichele, am Sonnabend in Berlin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe bestätigt, dass es sich um das Bakterium O104:H4 handelt.
Am Freitag war der lebensbedrohliche EHEC-Typ erstmals an Sprossengemüse von dem niedersächsischen Betrieb nachgewiesen worden. Ein Labor in Nordrhein-Westfalen entdeckte den Darmkeim an Sprossen aus einer geöffneten Verpackung. Diese hatte ein Familienvater aus Königswinter bei Bonn aus dem Müll geholt, nachdem seine Frau und seine Tochter schwer erkrankt waren. Die Ergebnisse der Landesbehörden in Nordrhein-Westfalen seien mit der BfR-Analyse bestätigt, sagte Eichele. "Dieses Labor-Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, dass rohe Sprossen als wesentliche Quelle für die EHEC-Infektionen der letzten Wochen anzusehen sind."
Zwei weitere Mitarbeiterinnen des Sprossen-Biohofs haben den Darmkeim
Bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Biohofs im niedersächsischen Bienenbüttel ist zudem der lebensbedrohliche EHEC-Darmkeim nachgewiesen worden. Beide hätten aber bisher keine Erkrankungssymptome, teilte am Sonnabend das Landesgesundheitsamt mit. "Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen“, sagte Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU).
Bereits zuvor war bei einer anderen Mitarbeiterin das aggressive Bakterium nachgewiesen worden. Die Frauen hätten regelmäßig die auf dem Hof erzeugten Sprossen gegessen. Das Ministerium vermutet daher die Ursache der Infektion in dem Betrieb.
Europäische Kommission erleichtert nach positiver Sprossen-Analyse
EU-Gesundheitskommissar John Dalli betrachtet den EHEC-Nachweis auf niedersächsischen Sprossen als bedeutenden Durchbruch. "Ich begrüße diese extrem wichtige Entwicklung", sagte er am Sonnabend in Brüssel. Die Quelle der Verunreinigungen sei nun identifiziert und die Erkenntnisse seien durch Laborergebnisse gestützt. Konsumenten in und Handelspartner der Europäischen Union könnten nun volles Vertrauen bezüglich der Sicherheit von Gemüse aus der EU haben.
Die Europäische Kommission erhofft sich von dem bestätigten Laborfund eine rasche Aufhebung des von Russland wegen der EHEC-Krise verhängten Einfuhrverbots für europäisches Gemüse. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte das Ende des Verbots bereits am Freitag bei einem Gipfeltreffen mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso angekündigt.
Dalli bekräftigte, dass die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten Lehren aus der EHEC-Krise ziehen werden. Die Warn- und Reaktionssysteme würden verfestigt.
Epidemiologen werden laut der Europäischen Kommission weiter die Verbindungen zwischen EHEC-Patienten und dem Sprossenzuchtbetrieb im niedersächsischen Bienenbüttel untersuchen. Dabei solle auch geklärt werden, wie der für den Ausbruch verantwortliche Bakterienstamm in die Nahrungskette gelangen konnte.
(dpa, shz)

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