Eisenbahn : Bund erlaubt extralange Güterzüge

Zielort Maschen: Zwischen Europas größtem Rangierbahnhof und dem dänischen Pattburg dürfen jetzt extralange Güterzüge fahren. Foto: dpa
Zielort Maschen: Zwischen Europas größtem Rangierbahnhof und dem dänischen Pattburg dürfen jetzt extralange Güterzüge fahren. Foto: dpa

Auf der Bahnstrecke Flensburg-Hamburg fahren bald 835 Meter lange Güterzüge mit 55 Waggons. Bislang durften sie höchstens 740 Meter lang sein.

shz.de von
18. August 2012, 07:02 Uhr

Flensburg/Hamburg | Nach den Gigalinern auf der Straße kommen jetzt die Gigazüge auf der Schiene. Während ein paar extralange Lastwagen schon seit drei Jahren in Schleswig-Holstein unterwegs sind, dürfen nun auch überlange Güterzüge durch das Land rollen. Das Eisenbahnbundesamt hat der Deutschen Bahn in diesem Monat grünes Licht für den Einsatz von 835 Meter langen Zügen auf der Linie zwischen dem dänischen Pattburg und Maschen bei Hamburg gegeben. Das Pilotprojekt ist ein Novum in Deutschland und zunächst auf diese Strecke beschränkt. "Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen die ersten langen Züge rollen", sagte Bahnsprecher Hans-Georg Zimmermann. Zunächst sind vier pro Tag eingeplant.
Während Güterzüge in Dänemark schon eine Weile 835 Meter messen dürfen, betrug ihre Höchstlänge in Deutschland bisher nur 740 Meter. Auf der Linie Flensburg-Hamburg sind sie meist 700 Meter lang. Nachdem die Strecke nun aber für zehn Millionen Euro aufgerüstet worden ist, steht der Fahrt der Gigazüge nichts mehr im Weg. Die Bahn hat neue Überholgleise in Flensburg, Neumünster, Elmshorn und Hamburg gebaut. Ferner hat sie Signale und Sicherheitstechnik angepasst. Autofahrer werden bei den langen Zügen außerdem an Schranken noch ein paar Sekunden länger als bisher warten müssen - schließlich passieren dann nach Angaben der Bahn rund 55 statt 45 Waggons den Übergang.
Skandinavische Züge müssen nicht mehr geteilt werden
Das Unternehmen hofft durch die langen Züge mehr Güter auf die Schiene zu bekommen: "Mit der größeren Zuglänge können wir mit relativ geringem Aufwand die Kapazität unserer Infrastruktur steigern", sagte Bahnsprecher Zimmermann. Zudem werde der Transport effizienter. So müssen etwa dänische oder schwedische Güterzüge für die Weiterfahrt nach Deutschland nicht mehr - wie bisher - in Pattburg geteilt werden, sondern können ohne Rangieren durchrollen. Umgekehrt ist es auch nicht mehr nötig, deutsche Güterzüge in Dänemark zu verlängern - sie sind ja schon so lang, wie es maximal geht.
Bewährt sich der Betrieb im Norden, erwägt die Bahn mittelfristig auch zwischen Duisburg und Rotterdam sowie Karlsruhe und Basel auf Lang-Züge umzusteigen. Die sollen sich dort sogar auf bis zu 1500 Meter erstrecken. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht, sagte Zimmermann. Im Vergleich zu Nordamerika ist das ohnehin nichts: Dort sind Güterzüge von vier bis fünf Kilometern Länge nichts Besonderes.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen