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Strandbaustelle : Büsum setzt Millionen in den Sand

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Strand und Deich in Büsum (Kreis Dithmarschen) werden generalsaniert. Im Herbst soll alles fertig sein. Die Stadt hofft auf neue Touristen – und ein erweitertes Image.

Büsum | Gern hört Raimund Donalies es nicht, wenn man ihm sagt, dass in Büsum Millionen Euro in den Sand gesetzt worden sind. Das klinge so negativ, sagt der freundliche Mann, der eine der größten Strandbaustellen Deutschlands betreut – als „Kümmerer“, wie er sich gern selbst nennt. Eigentlich ist er museumspädagogischer Mitarbeiter in der Sturmflutenwelt Blanker Hans in Büsum (Kreis Dithmarschen), aber seit über zwei Jahren führt er auch Touristen und Einheimische über die Baustelle, erläutert ihnen, wie Deich und Küste hier mal aussehen sollen.

Denn es hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges getan in Büsum. Die künstliche Insel, die in der so genannten Perlebucht liegt, wurde erhöht und verschönert, Touristen tollen sich, Kinder können in der bis zu drei Meter tiefen Bucht tideunabhängig baden, von einem Steg springen oder rutschen. Tiefes Meer ist selten an der Westküste, für Donalies gar ein Büsumer „Alleinstellungsmerkmal“. Die Spielgeräte sind voll besetzt, vor der Bucht machen Gäste eine Wattwanderung. „Das ist doch ein Paradies für Familien“, schwärmt Donalies. Und das sei auch etwas ganz anderes als die Perlebucht, die es seit den 70er Jahren in Büsum gab, und die „eben auch den Charme der 70er Jahre hatte“, wie Donalies sagt. „Man muss schon etwas tun, wenn man von anderen Tourismusorten in Mecklenburg-Vorpommern oder auch an der Nordsee nicht abgehängt werden will.“ Büsum sei bei den Übernachtungszahlen nach Westerland und St. Peter-Ording die Nummer drei in Nordfriesland, in ganz Schleswig-Holstein die Nummer fünf. „Diesen Platz wollen wir mindestens halten“, sagt Donalies. Und deswegen hat sich das Nordseebad entschieden, Geld in die Hand zu nehmen. Viel Geld – und noch mehr von Land, Bund und EU.

Für die so genannte „Aufwertung der touristischen Infrastruktur“ hat die Gemeinde 2,5 Millionen Euro investiert, dazu gab es nochmal 3,9 Millionen Euro von der EU. Darin nicht enthalten ist die Umgestaltung der Perlebucht, die 5,5 Millionen Euro kosten soll. Auch die wird aus verschiedenen Töpfen bezuschusst, 40 Prozent trägt aber die Gemeinde. Der Neubau des Deiches ist Sache von Bund und Land und kostet über sieben Millionen Euro. Im Herbst soll alles fertig sein. Ob der Kostenplan eingehalten werde, könne man erst dann sagen, so Donalies.

In Büsum war die Modernisierung nicht unumstritten, viele Vermieter und Restaurantbetreiber fürchteten Einnahmeausfälle während der Bauarbeiten, doch an sonnigen Tagen ist Büsum nach wie vor mit Touristen gefüllt. „Manchmal hatte ich den Eindruck, der Widerspruch aus Büsum war stärker als der von den Gästen“, sagt Donalies als er zwischen den Baggern hindurch über den neuen Deich stapft.

Er ist sichtlich zufrieden, dass sich in dem Bau Küstenschutz und Tourismus gefunden haben. Seit über zwölf Jahren sei klar gewesen, dass der Deich erneuert werden müsste, die Chance hat das Nordseebad genutzt und die Bucht gleich mit modernisiert. Einen Tourismuspreis gab es auch schon dafür. Damit soll sich wohl auch ein Imagewandel verbinden. „Viele sehen Büsum in erster Linie als seniorenfreundliche Gemeinde“, sagt Elke Purtzel, die an diesem sonnigen Tag die einzige Teilnehmerin an Donalies’ Führung über die Strandbaustelle ist. Sie selbst ist 64 Jahre alt, zog vor zweieinhalb Jahren von Molfsee nach Büsum, will ihren Lebensabend hier verbringen. „Die Infrastruktur für Senioren ist natürlich toll hier, man hat Ruhe und Weite, aber man kann auch Trubel haben“, sagt sie. Und: „Deswegen ist das natürlich für Leute wie mich attraktiv.“ Die Verbreiterung der Promenade gefällt ihr, das sei auch schön für Familien. „Ich glaube schon, dass Büsum von der Modernisierung profitieren kann.“

Jahrzehntelang wehte in dem Nordseebad der Wind der 70er Jahre, was die Architektur angeht, aber auch die Infrastruktur. Der mit Rasen versehene Deich ersetzte den Strand, in der Fußgängerzone reiht sich Café an Restaurant. „Ich mochte das nie hören, aber immer mal wieder sagten manche Büsumer im Frühling im Scherz: Jetzt ist auf der Alleestraße wieder Rollator-Rennen“, sagt Donalies und verzieht ein wenig die Mundwinkel. Doch was für Senioren attraktiv ist, kann auch Familien locken: kurze Wege, gute Einstiege ins flache Wasser, alles ist ein wenig einfacher als in Westerland oder St. Peter-Ording. Deswegen heißt das neue Areal nun auch Familienlagune mit Watt’n Insel, und man gibt sich in Büsum offener. Die Zäune an den Strandaufgängen sind verschwunden, es gibt zwar noch Kassenhäuschen, aber die Tagestouristen sollen sich selber eine Gästekarte ziehen. Es wirkt nicht mehr so, als müsse man für den Strand Eintritt bezahlen.

Und die Gäste? Eine junge Familie aus Brandenburg steigt gerade die Stufen zum neuen Deich hinauf, will den Strand sehen, in dem Millionen stecken. „Die Bauarbeiten stören uns nicht“, sagt der Vater der vielköpfigen Familie. „Wir haben uns Büsum gezielt ausgesucht.“ Und warum fährt er als Brandenburger nicht lieber ins nähere Mecklenburg-Vorpommern? „Erstens ist da keine Nordsee – und zweitens waren wir da schon.“

www.wk-buesum.de

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erstellt am 05.Aug.2014 | 08:49 Uhr

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