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Engagement für Flüchtlinge und Kultur : Bürgerpreis: Schleswig-Holstein ehrt seine Alltagshelden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Klare Worte beim Bürgerpreis: Ohne die Hilfe der zahlreichen Ehrenamtler wäre SH nicht nur trostlos – bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise wäre die Politik jetzt geradezu aufgeschmissen.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 07:25 Uhr

Kiel | Warum haben sie sich auf den Weg gemacht? Wie sind sie hergekommen? Und wie ist es, hier zu sein? Zu existenziellen Fragen wie diesen haben Asylbewerber aus Afghanistan, dem Irak und Iran Auskunft gegeben. Und zwar im Rampenlicht, so dass ein großes Publikum etwas von den oft traurigen und brutalen Geschichten mitbekam. Denn die Antworten waren eingekleidet in ein szenisches Theaterstück, professionell angeleitet von einer Regisseurin des Landestheaters. „Damit hat die Gruppe den Flüchtlingen in Schleswig-Holstein eine Stimme verliehen“, lobte die Bürgerbeauftragte des Landes und Laudatorin, Samia El Samadoni. Für diese Leistung erhielt das Rendsburger Theaterprojekt „Szol Ha“ (in der afghanischen Sprache Paschto das Wort für Frieden) am Mittwochabend in der Kieler Sparkassen-Akademie den Bürgerpreis Schleswig-Holstein 2015 in der Kategorie Alltagshelden.

Der Wettbewerb stand in diesem Jahr unter dem Motto „Kultur leben – Horizonte erweitern.

Standing Ovations erntete die Rendsburger Initiative von den rund 250 Gästen der Preisverleihung unter der Schirmherrschaft des Landtags. Eine Würdigung wie es sie in der nunmehr zwölfjährigen Geschichte der Auszeichnung laut altgedienten Teilnehmern – wenn überhaupt – nur sehr selten gegeben hat.

„Wir möchten Vorurteile abbauen“, erklärte Hamid Ariarman im Gespräch mit NDR-Moderator Christopher Scheffelmeier den Anstoß für die Idee. Die meisten Mitstreiter seien in ihrer Heimat verfolgt worden, weil sie zum Christentum konvertiert seien oder schlicht gegen islamische Gesetze verstoßen hätten. „Nicht, um unsere wirtschaftliche Situation zu verbessern, sind wir nach Deutschland gekommen – sondern weil wir einfach leben wollen.“

Aus insgesamt 66 Bewerbungen hatte eine Jury unter Vorsitz des Landtags-Sozialausschuss-Vorsitzenden Peter Eichstädt (SPD) zunächst zehn Nominierte für den diesjährigen Bürgerpreis ausgewählt – und dann wiederum daraus drei Gewinner ermittelt. Laut Eichstädt eine Aufgabe, die „wegen der vielfachen Qualität einerseits schwer war – aber doch leicht zugleich, weil es eine Freude war, aus welcher Breite wir auswählen konnten.“

Auf dem Siegertreppchen fanden sich außer „Szol Ha“ in der Kategorie „U21“ für Unter-21-Jährige die Lübecker Jugendbuchtage und in der Kategorie „Lebenswerk“ Hella Lorberg aus Bargteheide (Kreis Stormarn). Sie setzt sich seit über 30 Jahren unter anderem mit Fundraising für die klassische Musikszene ihrer Heimatregion ein. Die zehn- bis 18-jährigen Organisatoren der Lübecker Jugendbuchtage begeistern seit neun Jahren jeweils sechs Tage lang Gleichaltrige mit einer Veranstaltungsreihe für Literatur. „Sie zelebrieren das Lesen und ihre Liebe zu den Büchern geradezu“, rühmte Laudatorin Alexandra Ehlers, die Vorsitzende des Landesjugendrings. „Und das mit großer Resonanz aus einer Altersgruppe, die sich sonst vornehmlich für soziale Medien, Musik und Filme interessiert“. Insgesamt wurden von den schleswig-holsteinischen Sparkassen gestiftete Preisgelder im Wert von 33.000 Euro überreicht – je 3000 an die drei Sieger, jeweils 300 an die übrigen Nominierten.

Die Finalisten
Alltagshelden   U21
New Metal Media, Brickeln Junge Bühne Kiel
KulturTafel Neumünster Lübecker Jugendbuchtage
Speicher Husum e.V. Junge Lüüd ut Löwenstedt - Niederdeutsche Jugendtheatergruppe, Viöl
Therapie-Theater-Reinfeld  
Krempe macht Kultur e.V.  
Internationales Musikfest Bad Bramstedt  
Theatergruppe „Szol Ha“ aus Rendsburg  

Letztlich gelte jede Runde des Bürgerpreises jedoch allen Schleswig-Holsteinern, die sich unentgeltlich engagieren, betonte Eichstädt. Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) betonte: „Ohne das Ehrenamt wäre Schleswig-Holstein sehr trostlos, denn wir würden vieles gar nicht erleben können, was es gibt.“ Auch das wolle das Parlament mit seiner Beteiligung am Bürgerpreis deutlich machen. Eichstädt ging „bewusst noch einen Schritt weiter“ und äußerte: „Ohne die Hilfe der zahlreichen Ehrenamtler für die Flüchtlinge wäre die Politik jetzt geradezu aufgeschmissen.“ Darauf Schlie: „Er hat Recht.“

 

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