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Atomausstieg : Brunsbüttel kann Castor

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Expertenanhörung im Kieler Landtag. Ergebnis: Brunsbüttel taugt als atomares Zwischenlager. Und die Castoren würden den Rückbau des AKW nicht behindern.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 08:22 Uhr

Kiel | Sorgenvolle Gesichter und kritische Fragen am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtags: Ist das Atomkraftwerk Brunsbüttel an der Elbe als Zwischenlager geeignet? Was würden Erdbeben, eine Sturmflut oder ein Flugzeugabsturz für Folgen haben? Und würde die Nutzung als Zwischenlager für Castoren mit wieder aufbereitetem deutschem Atommüll aus England den beantragten Rückbau des seit 2007 praktisch stillgelegten Atommeilers im Kreis Dithmarschen verzögern oder gar verhindern? Und: wie sicher sind überhaupt diese Castoren?
Michael Sailer, der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes und Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts in Freiburg, gab ausführlich den Abgeordneten Antwort. Tenor seiner Ausführungen: Grundsätzlich ist jedes der 15 Zwischenlager in Deutschland einschließlich Gorleben für die Aufnahme der diskutierten Castoren geeignet. So sei auch Brunsbüttel nach der Atomkatastrophe von Fukushima sogenannten Stresstests unterzogen worden. Gegen Flut, Flugzeugabstürze oder Erdbeben ist Brunsbüttel demnach gewappnet.

"Nicht anfällig gegen Computerviren"


Dies bestätigten auch die jetzt veröffentlichten Antworten von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) auf einen Fragenkatalog der oppositionellen CDU. Ergänzend hieß es, das Reaktorschutzsystem sei „nicht anfällig gegen Computerviren oder Cyberangriffe“.
Und auch ein Rückbau des AKW würde laut Sailer nicht behindert: „Das bestehende Zwischenlager für abgebrannte Brenneelemente und das Atomkraftwerk sind zwei unterschiedliche Gebäudekomplexe, allein der gemeinsame Zaun verbindet sie.“ Aus Brandschutzgründen wäre aber von einer gemeinsamen Lagerung von eher brennbarem, leicht verseuchtem Müll mit den Castoren aus Sellafield abzuraten.

Castoren aus Sellafield und La Hague


Worum geht es? Deutschland muss im französischen La Hague und im englischen Sellafield wiederaufbereiteten Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken zurücknehmen: noch fünf Castoren aus Frankreich und 21 aus Sellafield. Für Brunsbüttel stehen Castoren aus Sellafield zur Debatte. Je sieben sollen 2016 bis 2018 nach Deutschland zurück.
Habeck bekräftigte die Bereitschaft, einen Teil der Castoren im Norden aufzunehmen, aber nicht alle aus Sellafield. Andere Bundesländer müssten ebenfalls solidarisch Lasten mittragen. Fast gequält ging der Politiker, der Atomkraft ablehnt, aber die Lagerung des Atommülls als Konsequenz nicht ausblenden kann, auf Widerstand in der Region ein: Die Argumentation, Brunsbüttel solle maximal nur so viel Müll aufnehmen, wie dort angefallen sei, könne er verstehen - aber nicht teilen.

Bürger sollen mitentscheiden


In jedem Fall sollen die Menschen in der Region in ein Genehmigungsverfahren eingebunden werden. Von Beginn an sei eine Bürgerbeteiligungsverfahren einzurichten für weitere Anregungen und Hinweise der Betroffenen. Zwei Wochen vor der Kommunalwahl am 26. Mai und vier Monate vor der Bundestagswahl am 22. September stellt sich die Frage, welcher Partei das Thema schaden oder nützen kann.
Habeck griff am Mittwoch die CDU/CSU/FDP-Bundesregierung an. Im Gesetzentwurf für die erneute Suche nach einem atomaren Endlager in Deutschland sehe er zwei ungeklärte Punkte: Die Festlegung auf Zwischenlager von maximal 40 Jahren und die juristisch wasserdichte Übernahme der Kosten für die Endlagersuche durch die Atomindustrie.
Sollte die Frage der Zwischenlager nicht schnell geklärt werden, sehe er die Verabschiedung des Endlagergesetzes am 5. Juli im Bundesrat gefährdet.
Im Spiel ist zudem Vattenfall als Eigner des AKW Brunsbüttel.

Neun Castoren lagern schon im Kraftwerk


Bereits 2012 beantragte der Konzern, das bestehende Zwischenlager für abgebrannte Brennstäbe - es hat Kapazität für etwa 80 Castoren - technisch zu verändern. Dann fänden nur noch 34 Castoren Platz. Bisher lagern in Brunsbüttel neun Castoren mit abgebrannten Brennstäben, elf kommen ohnehin noch dazu. Der Antrag liegt beim Bundesamt für Strahlenschutz, das auch über eine mögliche Genehmigung von Brunsbüttel als Zwischenlager für den anderen Castoren-Typ aus Sellafield entscheiden müsste. Einen Antrag hierfür gibt es aber bisher nicht.
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