Nord-Ostsee-Kanal : Brunsbüttel - der "Gau" an der Schleuse

Ein Schleusenponton gestern in Brunsbüttel. Foto: Pöschus
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Ein Schleusenponton gestern in Brunsbüttel. Foto: Pöschus

Auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt können keine Containerschiffe mehr fahren. Die Schleusen zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Elbe sind zu.

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08. März 2013, 11:46 Uhr

Brunsbüttel | Wie ist die Lage in Brunsbüttel?
Hier befinden sich vier Schleusen. Zwei große (Baujahr 1914) und zwei kleine (Baujahr 1895). Die großen haben eine Nutzlänge von 330 Metern. Sie können durch ein Mitteltor unterteilt werden, wodurch schnelleres Schleusen möglich wird. Die Nutzbreite liegt bei 45 Metern. Diese Schleusen sind die entscheidenden für die Containerschifffahrt. Die kleinen Schleusen haben eine Nutzlänge von 125 Metern und eine Nutzbreite von 22 Metern.

Wie funktionieren die Schleusen?
Über die Schleusen werden die unterschiedlichen Wasserstände auf beiden Seiten der Schleusen ausgeglichen. Unter anderem durch die Gezeiten ergeben sich die Unterschiede. Für das Schleusen werden die Schleusenkammern mit Toren geschlossen und der Wasserstand über Stichkanäle (kleine Schleusen) und Torumläufe (große Schleusen) geregelt. Bewegt werden die Tore mit Motoren, die sie quer zur Längsrichtung über den Boden des Kanals ziehen. Die Tore sind aus Stahl, der Kanalboden aus Granit. Damit sich die 1500 Tonnen schweren Tore bewegen lassen, sind unter ihre vorderen Enden je zwei Unterwagen mit zwei Rädern angebracht. Diese Unterwagen laufen über Schienen.

Was ist das Problem?
Besagte Schienen sind im Granitboden des Kanals verankert. Unter anderem durch die Kraft der Gezeiten werden die Schienen immer wieder gelöst und müssen an der gleichen Stelle erneut verankert werden. Thomas Fischer, Pressesprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel, kann für die Zahl der geleisteten Reparaturen in den vergangenen Jahren keine Zahl finden. Aber er weiß, dass es sich um einen Prozess handelt, der sich nicht ewig wiederholt: "Sie können einen Nagel zwei Mal, drei Mal oder fünf Mal an der gleichen Stelle in die Wand schlagen, so dass er hält. Aber irgendwann hält er einfach nicht mehr". An diesem Punkt ist man in Brunsbüttel angekommen. Bei der nördlichen der großen Schleusen funktioniert das elbseitige Tor aus den beschriebenen Gründen nicht, bei der südlichen das kanalseitige. Dank eines funktionierenden Mitteltores können diese Schleuse immerhin Schiffe bis 85 Meter Länge und 42 Meter Breite passieren - das, erklärt Fischer, helfe typischerweise Schleppverbänden oder Schwimmkränen. Ein schwacher Trost, zumal aufgrund eines Hydraulikschadens auch noch eine der beiden kleinen Schleusen aus fiel. In Brunsbüttel hat es so eine Situation noch nie gegeben. Fischer spricht angesichts der beiden geschlossenen großen Schleusen vom "Gau", dem größten anzunehmenden Unfall.

Was ist die Lösung?
Die Tore der großen Schleusen werden miteinander getauscht, weil sie sich in einem Punkt unterscheiden: Manche von ihnen haben da, wo Unterwagen und Räder sind, auch noch einen Unterbau aus Holz, quasi wie Kanthölzer. Auf diesem Holz können die Tore auch bewegt werden. Durch einen Tor-Tausch würde erreicht, dass ein Teil der Tore auf Unterwagen und Schienen laufen könnte, die anderen auf Holz und ohne Schienen.

Wie geht es in der Zukunft weiter?
Fischer hofft, dass bis zum 24. März eine große Kammer vorläufig funktionsfähig gemacht werden könne. Allerdings sei ein Betrieb nur möglich, solange Holz unter den Toren ohne Schienen sei. Sobald es abgenutzt ist, wird der Betrieb unmöglich. Fischer: "Holz auf Granit, das geht. Aber Stahl auf Granit - das schaffen die Motoren nicht mehr, dann ist die Reibung zu groß." Die Übergangslösung würde genutzt, um die zweite Schleuse so zu reparieren, dass sie "mittelfristig" (Fischer) funktioniere. Für eine grundlegende Sanierung wird allerdings die fünfte Schleuse benötigt.

Was sagen die Politiker vor Ort?
SPD und CDU vor Ort werfen sich vor allem gegenseitig vor, das Drama um die Schleusen für den Wahlkampf zur Kommunalwahl im Mai auszunutzen. "Wer jetzt aus der hiesigen CDU über die Schleusensperrung Bestürzung zeigt weiß natürlich: es stehen bald wieder Wahlen an. Und da will man doch zumindest ein paar Worte für die Wahlbürger geäußert haben, um nicht ganz im Abseits zu stehen. Allein es fehlt der Glaube an die Ernsthaftigkeit", meint der SPD-Kreisvorsitzende von Dithmarschen, Norbert Drengk. Der CDU-Landtagsabgeordnete Jens-Christian Magnussen aus Brunsbüttel hält per Pressemitteilung dagegen: "Im Interesse der maritimen Infrastruktur ist es angezeigt, dass alle Akteure, die das "Schiff" Schleusen und NOK wieder fit und zukunftsfähig machen wollen, gemeinsam Seite an Seite für den Nord-Ostsee-Kanal agieren und nicht derartige Zustände für Wahlkämpfe missbrauchen."

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