Prozess : Brüder aus Kiel gestehen Raubserie

Zwei Brüder geben vor Gericht zu, eine 82-Jährige in Kiel-Schilksee ausgeraubt zu haben. Sie streiten allerdings ab, für ihren Tod verantwortlich zu sein.

Avatar_shz von
26. April 2013, 02:03 Uhr

Kiel | Mit zum Teil stockender Stimme und unter Tränen haben zwei Brüder am Donnerstag fünf Raubüberfällen auf Senioren im Kieler Stadtteil Schilksee gestanden. Den Tod einer 82-Jährigen, die beim letzten Überfall im Februar 2012 an einem Asthma-Anfall starb, wollen sie aber nicht verschuldet haben. Ebenso bestritt der Ältere der beiden Brüder vorm Kieler Landgericht, eine Softair-Waffe auf die Rentnerin und deren Mann gerichtet zu haben.

Die Geständnisse lasen die 23 und 31 Jahre alten Männer vom Blatt ab. Dabei gaben sie an, in finanziellen Schwierigkeiten gewesen zu sein. Zudem wären sie spielsüchtig, fügte die Verteidigung hinzu.

Über 40.000 Euro gestohlen

Staatsanwalt Achim Hackethal warf den beiden Brüdern vor, den Tod der kranken Frau zumindest leichtfertig in Kauf genommen zu haben. Schließlich hätte der Rentner erst den Notarzt rufen dürfen, als die Brüder die Wohnung des Paares durchsucht und mit zirka 1000 Euro sowie zwei Sparbüchern getürmt seien - und das obwohl das Gesicht des Opfers bereits blau angelaufen und der Körper zu Boden gesunken sein soll. Deshalb lautet die Anklage auch auf Raub mit Todesfolge.

Die Masche der Brüder war immer dieselbe: Sie klingelten an der Wohnungstür oder drangen durch offen stehende Fenster ein, wie sie selbst vorm Landgericht berichteten. Beim ersten Raubüberfall erbeuteten die Männer in der Wohnung eines demenzkranken 75-Jährigen 40.000 Euro. In den anderen Fällen waren es laut Anklage zwischen 45 und 1000 Euro, dazu kamen Münzen, EC-Karten und Sparbücher.

Brüdern droht zehn Jahre bis lebenslange Haft

Im letzten Fall lockten sie den Ehemann unter einem Vorwand aus Wohnung, fingen ihn ab, um in die Wohnung zu gelangen. Er habe die Softair-Waffe zwar immer dabei gehabt, sagte der ältere Bruder, bedroht will er damit aber niemanden haben. Der Witwer werde dies vor Gericht ganz anders schildern, sagte dessen Rechtsanwalt. Der Rentner und ein Sohn des Opfers saßen dabei ebenso wie andere Angehörige als Nebenkläger im Gerichtssaal.

Der Prozess soll am 29. April fortgesetzt werden. Das Urteil wird im Mai erwartet. Im Fall einer Verurteilung drohen den Brüdern mindestens zehn Jahre bis lebenslange Haft.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker