Kreis Schleswig-Flensburg : Brücke Lindaunis ist gefährlich für Radler

Die Brücke ist so schmal, dass Radfahrer zwischen den Gleisen vor den Autos fahren müssen. Warnhinweise gibt es nicht. Fotos: Iversen
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Die Brücke ist so schmal, dass Radfahrer zwischen den Gleisen vor den Autos fahren müssen. Warnhinweise gibt es nicht. Fotos: Iversen

Abschürfungen, Prellungen, blutige Wunden: Viele Radfahrer stürzen auf der Schleibrücke in Lindaunis. Bis zu einem für 2015 geplanten Neubau wird sich daran wohl nichts ändern.

shz.de von
14. August 2009, 01:14 Uhr

Lindaunis/Kappeln | In Erster Hilfe ist Olaf Marggraf mittlerweile ziemlich geübt. Notgedrungen. Fast täglich sitzen Menschen mit Abschürfungen oder blutenden Wunden in der Gaststube seines Restaurants "Zur Schleibrücke" in Lindaunis. "Es sind immer die Radfahrer", sagt Marggraf. Von seiner Terrasse aus hat der Pächter freien Blick auf die Lindaunisbrücke, die Angeln und Schwansen verbindet. An einer der schmalsten Stellen der Schlei verbindet die Klappbrücke Angeln und Schwansen. Im Stundentakt verkehrt der Regionalzug. Über eine Ampelschaltung wird die schmale Spur nacheinander für beide Richtungen freigegeben, Autos und Fahrräder fahren dann gleichzeitig und müssen sich den 82 Jahre alten Bau teilen.

Das Problem: Viele Radfahrer geraten mit ihren Reifen in die Gleise, stürzen und ziehen sich teils schwere Verletzungen zu. So wie Jutta Block-Groß. Dabei fährt die Urlauberin in ihrer Heimat Essen viel Rad. "Doch solch gefährliche Stellen kommen dort nicht vor", sagt sie. Auch sie fuhr auf der engen Brücke mit ihrem Vorderreifen in das Gleis. Alles Weitere ging so schnell, dass sie es selbst nicht mitbekam. Ehemann Fred Groß erinnert sich: "Meine Frau ist seitlich vom Rad gestürzt und hat dabei einen Salto gemacht." Der Sturz blieb nicht ohne Folgen: eine rund um die Augenhöhle dunkelblau geschwollene Gesichtspartie, eine geprellte Hüfte, Schürfwunden an Händen und Ellenbogen, eine angebrochene Rippe, dazu starke Kopfschmerzen. Aber die Verletzte erfuhr nach eigenen Worten große Hilfsbereitschaft vor Ort - auch von Olaf Marggraf. Eine Woche schrieb ein Arzt in der Kappelner Margarethen-Klinik sie danach krank, verordnete ihr ein Schmerzmittel.
"Damit müssen derzeit alle leben"
Jutta Block-Groß: "Mir ist schleierhaft, wieso man an der Brücke per Knopfdruck ein Signal anfordern kann, aber es keine separate Grünphase für Fahrradfahrer gibt. Mit ganz wenig Aufwand könnte man diese Gefahr abstellen." Stattdessen habe es nicht einmal ein Gefahren schild gegeben. Dass tatsächlich Rad- und Autofahrer zur gleichen Zeit hinüberfahren, hatte das Ehepaar nicht erwartet. Genauso wenig wie einen unmittelbar vor der Brücke endenden Radweg.

Die Deutsche Bahn AG, in deren Baulastträgerschaft sich die Brücke befindet, hat ganz konkrete Vorstellungen davon, wie sich Radfahrer zu verhalten haben. "Es gibt extra eine Markierung auf der Fahrbahn, damit die Radfahrer in einem stumpfen Winkel über die Gleise fahren", sagt Pressesprecherin Sabine Brunkhorst. Dann würden Radler die Brücke direkt in der Mitte, also zwischen den Gleisen, überqueren können, hätten so einen Radweg von knapp eineinhalb Metern Breite. Zwar wisse man auch bei der Deutschen Bahn um die Problematik - "aber damit müssen derzeit alle leben", so Brunkhorst. Ihr Appell: "Die Verkehrsteilnehmer sollten Rücksicht nehmen."
"Uns ist die Situation seit Jahren bewusst"
Zumindest bis 2015 wird diese Rücksichtnahme verstärkt gefragt bleiben. So lange nämlich wird es dauern, bis die neue Lindaunisbrücke fertiggestellt ist - zumindest, wenn es nach den Planungen des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LVB SH) geht. Karl-Heinz Roos, Leiter der Flensburger Niederlassung: "Uns ist die Situation in Lindaunis seit Jahren bewusst, wir haben auch schon etliche Lösungsansätze in Gedanken durchgespielt" - etwa die Gleisrillen mit Gummi abzudichten oder die Radfahrer zum Absteigen aufzufordern.

Gerade die letzte Variante jedoch würde nach Einschätzung des LVB lange Staus verursachen. Jetzt allerdings stehe man vor einem "unmittelbaren Abschluss" bei Verhandlungen mit der Deutschen Bahn. Das Ziel: eine neue Brücke, die gleichzeitigen Gegenverkehr zulässt und einen separaten Geh- und Radweg vorsieht. Und weil der Denkmalschutz der alten Brücke, laut Roos, bereits vor einem Jahr aufgehoben wurde, könne diese auch problemlos abgerissen werden. Das angepeilte Endergebnis jedenfalls lautet mehr Sicherheit und weniger Unfälle.

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