Atomkraft : Brokdorf soll mit einem Transformator laufen

Nach dem Transformator-Unfall: Eon will das Atomkraftwerk Brokdorf allein mit dem verbliebenen zweiten Transformator wieder anfahren. Das sei nicht ungewöhnlich, so der Konzern.

Avatar_shz von
13. August 2011, 11:50 Uhr

Bevor es zum Wiederanfahren des AKW-Brokdorf kommen kann, muss aber ein erweitertes Messprogramm der Kieler Atomaufsicht ergeben, ob der Transformator voll funktionsfähig ist, sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag. Nur unter dieser Voraussetzung werde Eon beantragen, Brokdorf mit maximal halber Leistung wieder ans Netz zu nehmen. Es sei nicht ungewöhnlich, ein Kraftwerk mit nur einem Transformator zu fahren, ein Beispiel sei der Atommeiler Unterweser. Die Ergebnisse des Messprogramms dürften voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen.
In Brokdorf war am vergangenen Sonntag einer der beiden Transformatoren, die den erzeugten Strom zum Transport in den 380kv-Leitungen umwandeln, wegen einer Überhitzung ausgefallen. Die Ursache hierfür ist unklar und soll auch nicht weiter untersucht werden, da das Gerät ausgetauscht wird.
Zur Diskussion über Verformungen von Brennelementen sagte die Eon-Sprecherin, dass dies kein spezielles Problem von Brokdorf sei, sondern ein Problem der Hersteller von Brennelementen. Es seien auch andere deutsche Kraftwerke betroffen wie Isar II. Allerdings bedeuteten die minimalen Verformungen innerhalb des Toleranzbereichs keine Gefahr für die Sicherheit eines Reaktors. Sie verweis darauf dass ein Ausschuss der Reaktor-Sicherheitskommission sich seit mehreren Jahren mit dem Thema befasse.
Die Kritik der schleswig-holsteinischen Grünen, Eon unterrichte die Öffentlichkeit unzureichend und verharmlose Zwischenfälle, wies die Sprecherin zurück. Eon habe über die Brennelemente-Verformungen, die bei der Jahresrevision festgestellt wurden, informiert. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Detlef Matthiessen, hatte eine glasklare Unterrichtung über Vorkommnisse in Brokdorf angemahnt: "Es geht hier nicht um einen Reifenhersteller, sondern eine Anlage, die eine ganze Region gefährden könnte."
(lno, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen