Verdächtigter Kappelner : Bröckelt Beweislast gegen Werner M.?

Beweisstück: das alte Tonbandgerät. Foto: ddp
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Beweisstück: das alte Tonbandgerät. Foto: ddp

Der Fall Ursula Herrmann bleibt ein Rätsel: Den Ermittlern fehlt ein stichfester Beweis gegen den Kappelner Werner M.

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19. Februar 2009, 10:48 Uhr

Kappeln/Augsburg | Für die Augsburger Staatsanwaltschaft ist die Indizienkette erdrückend, für den Verteidiger bröckelt die Beweislast: Knapp vier Wochen nach der Festnahme von Werner M. aus Kappeln schleppt sich die Aufklärung des Falles Ursula Herrmann hin. Dem 58-Jährigen wird vorgeworfen, im September 1981 die Zehnjährige im bayerischen Eching am Ammersee entführt und in einer Kiste im Wald vergraben zu haben. Das Mädchen wäre heute 37 Jahre alt - es starb in seinem unterirdischen Gefängnis an Sauerstoffmangel. Werner M. ist heute 58 Jahre alt - und sitzt in Augsburg in Untersuchungshaft. Doch wie lange noch?
M.s Verteidiger Walter Bubach aus Augsburg hat Haftbeschwerde eingelegt. "Die Begründung - eine aus meiner Sicht dünne Beweislage - will ich bis Ende Juni einreichen", so der Anwalt, "mit dem Ziel, dass mein Mandant freikommt." Bubach zweifelt die Bedeutung des Tonbandgerätes an, mit dem die Ermittler M. überführt haben wollen.
Auf dem Flohmarkt gekauft?
Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Kappeln wurde 2007 jenes Gerät beschlagnahmt. Ermittler erstellten ein so genanntes phonetisches Gutachten. Demnach wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesem Gerät im September 1981 in neun Anrufen an Ursulas Eltern die damalige Erkennungsmelodie des Hörfunksenders Bayern 3 abgespielt. Der Kappelner jedoch behauptet, es erst 2007 auf einem Flohmarkt gekauft zu haben. Bisher konnte die Staatsanwaltschaft dies nicht widerlegen.
Für die Augsburger Ermittlungsbehörde ist es "möglich, dass es diesen dummen Zufall wirklich gibt" - dennoch hält man ihn dort für unwahrscheinlich, insbesondere im Hinblick auf die Erkennungsmelodie. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, könnte noch in diesem Sommer Anklage erhoben werden.
Werner M., der vor 27 Jahren nur 250 Meter entfernt vom Elternhaus des Mädchens wohnte, sich vor einigen Jahren mit seiner Frau in Kappeln an der Schlei niederließ und ein Geschäft für Seglerbedarf führte, schweigt unterdessen. "Er ist sehr unzufrieden mit der Situation, weil er unschuldig in Untersuchungshaft sitzt, wie er sagt", so sein Anwalt. "Er ist gesundheitlich etwas angeschlagen, aber er jammert nicht." Die Situation belaste auch die Frau seines Mandanten, sagt Verteidiger Bubach. "Aber sie steht zu ihrem Mann." Gabriele M. werde selbst als Beschuldigte verfolgt. "Mir gegenüber hat sie aber überzeugend erklärt: Ich war nicht dabei."

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