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Dänemark : Broacker: Anwohner wollen deutschen Kindergarten verhindern

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Aus der Onlineredaktion

Die Bewohner des Vesterbakke von Broacker haben eine klare Meinung zum Kindergarten-Projekt der Minderheit: Nej!

Broacker | Der in die Jahre gekommene deutsche Kindergarten in Broacker am nördlichen Ufer der Flensburger Förde platzt aus allen Nähten. Ein moderneres Gebäude mit Platz für 50 Kinder aus der deutschen Minderheit soll her. Doch für einen Neubau ist der Platz mit dem historischen Gebäude an der Vestergade 39 nicht geeignet. Die Standortsuche für die neue Spielschule erweist sich allerdings als schwierig. Am noblen Vesterbakke 9 wäre ein passender Ort: Ein großer Bauplatz und umliegendes Grün sind vorhanden, die kurze Anbindung an den Brückenweg (Brovej) und Fußdistanz zur markanten Kirche mit dem gotischen Doppelturm gegeben. Doch schon bevor die Planung des Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) überhaupt konkret wird, formiert sich Gegenwehr der dort lebenden Bürger.

Die Minderheitenregelungen im deutsch-dänischen Grenzland werden häufig als gelungener europäischer Modellfall bezeichnet. Doch nicht zuletzt der deutsch-dänische Schilderstreit in Hadersleben hat Fragen aufgeworfen, ob dieser Status angebracht ist. Die Kindergarten-Gegner von Broacker betonen allerdings, dass es ihnen nicht um die kulturelle Herkunft geht.

Den Widerstand der Anwohner des Villenviertels gegen die deutsche Spielschule vergleichen Leser von „Jydske Vestkysten“ schon mit Kampagnen gegen Koran-Schulen oder Flüchtlingsheime. Die besorgten Anwohner machen sich offenkundig allerdings weniger um kulturelle Turbulenzen als um den Lärm in den Gärten durch draußen spielende Kinder Gedanken. „Wir sind ein altes Villenviertel und da passt kein Kindergarten hinein. Der Verkehr wird zur Belastung werden, wenn 50 Kinder gebracht und geholt werden müssen“, sagt die Anwohnerin Linda Rasmussen. Man sorge sich natürlich auch um sinkende Immobilienpreise, so die Kinderbetreuerin.

Die Anwohner sind enttäuscht, weil der DSSV bisher nicht mit ihnen in Kontakt getreten ist. Man habe als Antwort auf schriftliche Anfragen bisher nur zu wissen bekommen, dass der Verein mit ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in Kontakt treten wolle, sagen die Anrainer. Die Gegner haben die Entscheidungsträger aus Apenrade nach Broacker eingeladen, um sich den Bauplatz einmal – gemeinsam mit den Nachbarn – anzusehen.

Welm Friedrichsen, den Vorsitzenden des DSSV, überrascht die klare Front der möglichen zukünftigen Nachbarn: „Wir glauben nicht, dass ein solches Treffen zum jetzigen Zeitpunkt viel bringt. Wir kennen die Anliegen, und wir berücksichtigen sie bei der Entscheidung, wo wir unsere neue Institution aufbauen, sagte Friedrichsen.

Leo Komischke Konnerup, der auch auf dem Vesterbakke lebt, ist der Meinung, dass die deutsche Minderheitenorganisation hier eine besondere Verpflichtung hat. Der DSSV sei eine große und wichtige kulturelle Institution in der Gegend. Doch allein weil die rechtlichen und technischen Möglichkeiten gegeben seien, bedeute das nicht, dass man das Recht auch nutzen müsse. „Wir möchten betonen, dass es nichts mit der Tatsache zu tun hat, dass es eine deutsche Institution ist. Wir würden auf die gleiche Weise reagiert haben, wenn es sich um einen dänischen Kindergarten gehandelt hätte“, sagte er.

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erstellt am 07.Mär.2016 | 17:52 Uhr

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