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Sonnenfinsternis am 20. März 2015 : Brille raus! List auf Sylt ist der beste Platz für die „Sofi“

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An keinem anderen Ort in Deutschland wird das Spektakel so gut zu beobachten sein wie in SH. Fragen und Antworten.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 14:35 Uhr

Hamburg | In einer Woche wird es dunkel: Am 20. März ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis - auch als „Sofi“ bekannt-, bei der die Sonne von Europa aus noch zu großen Teilen bedeckt wird. Auch für Himmelsgucker in Deutschland ergibt sich ein lohnender Anblick, wolkenfreien Himmel vorausgesetzt. Ohne geeigneten Augenschutz sollte jedoch niemand das Spektakel beobachten.

Fragen und Antworten zur Sonnenfinsternis:

Was ist bei der Sonnenfinsternis zu sehen?

Am Vormittag des 20. März schiebt sich der Neumond vor die Sonnenscheibe und verdunkelt sie. Es kommt zu einer totalen Sonnenfinsternis. Komplett finster wird es allerdings nur in einem etwa 400 Kilometer schmalen Streifen auf dem Nordatlantik. In Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten, dem westlichen Asien und auf Grönland ist das Ereignis als sogenannte Teilfinsternis zu sehen, bei der die Sonnenscheibe unterschiedlich stark vom Mond bedeckt wird.

Wie sehr verdunkelt sich die Sonne über Deutschland?

Von Deutschland aus gesehen werden immerhin etwa zwei Drittel bis vier Fünftel der Sonne vom Mond verdeckt - je nach Standort. Je weiter nördlich man sich befindet, desto mehr wird von der Sonne bedeckt sein (siehe Grafik).

Foto:dpa

Für Schleswig-Holstein bedeutet das, dass auf der nördlichsten Spitze Sylts rund um List der beste Platz zum Beobachten der Sonnenfinsternis sein wird. Dort wird die Sonne zu etwa 83 Prozent bedeckt sein. In Flensburg wird die Sonne noch etwa zu 82 Prozent verdeckt, in Hamburg nur zu 79,5 Prozent.  In München hingegen ist sie nur zu 68 Prozent bedeckt.

Wann beginnt das Himmelsschauspiel und wie lange dauert es?

Je nach Standort in Deutschland beginnt der Mond gegen 9.30 Uhr, die Sonnenscheibe anzuknabbern. Eine gute Stunde später, kurz nach 10.30 Uhr, ist die größte Bedeckung erreicht, die Sonne steht dann etwa 35 Grad über dem Horizont. Gegen 12 Uhr mittags ist das Spektakel vorbei.

In Schleswig-Holstein beginnt sich die Mondscheibe ab 9.38 Uhr von rechts über die Sonne zu schieben, erklärt Rainer Christiansen, Leiter des Planetariums in Glücksburg bei Flensburg. Die größte Bedeckung wird um 10.46 Uhr erreicht.

Wird es dabei dunkel?

Die Teilbedeckung über Deutschland führt nicht zu einer stärkeren Abschattung als etwa eine dichtere Bewölkung. Eine Bedeckung von weniger als 50 Prozent der Sonnenscheibe nimmt der Mensch in der Regel überhaupt nicht wahr. Erst ab etwa 90 Prozent Bedeckung ist die Abschattung auch von unaufmerksamen Beobachtern nicht mehr zu übersehen.

Wie kann ich die „Sofi“ beobachten?

Experten warnen eindringlich davor, mit ungeschützten Augen direkt in die Sonne zu schauen. Auch bei einer Sonnenfinsternis drohen bleibende Augenschäden bis zur Erblindung. Auch Sonnenbrillen sind kein geeigneter Schutz. Den bieten spezielle „Sofi“-Brillen, die es für ein paar Euro im Fachhandel gibt. Die sicherste Methode ist die Projektion - etwa mit Hilfe eines Feldstechers (aber Achtung: niemals mit den Augen durch den Feldstecher in die Sonne schauen!) oder durch eine simple Lochkamera: einfach ein kleines Loch in eine Pappe stechen und das Bild der Sonne daraus in den Schatten projizieren.

Allerdings ist das Abbild der Sonne aus einer Lochkamera recht klein, wenn die Projektionsdistanz nicht sehr groß ist. Verschiedene Sternwarten bieten Beobachtungen für Interessierte. Voraussetzung ist immer ein wolkenfreier Blick Richtung Sonne.

Wo kann ich die Sonnenfinsternis in SH und Hamburg zusammen mit Experten beobachten?

Am Planetarium und der Sternwarte Glücksburg (Fördestraße 37) kann die Sonnenfinsternis bei gutem Wetter zwischen 9.30 und 12 Uhr draußen beobachtet werden, bei schlechtem Wetter und auch nach der Bedeckung kann das Ereignis in der Planetariums-Kuppel nachvollzogen werden.

Die Astronomen der VHS-Sternwarte Neumünster stehen zwischen 9 Uhr und 12 Uhr auf dem Großflecken und bieten Interessierten einen Blick durch professionelle Beobachtungsgeräte.

Auf der Dachplattform der FH-Sternwarte in Kiel (Mediendom, Sokratesplatz 6) stehen Experten von 9 bis 12 Uhr bereit und halten Schutzbrillen zur Verfügung.

Die Sternwarte Lübeck ist von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Beobachter treffen sich vor der Sternwarte (Am Ährenfeld 2).

Die Sternwarte Hamburg-Bergedorf (August-Bebel-Straße 196) öffnet zwischen 9 und 12 Uhr. Hier kann die Sonnenfinsternis durch Teleskope beobachtet werden. Dazu gibt es Kurzvorträge.

Wohin muss ich reisen, um die „Sofi“ vom 20. März als totale Finsternis zu erleben?

Der Kernschatten überstreicht die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Dort wird es jeweils für etwas mehr als zwei Minuten komplett dunkel.

Allerdings steht die Sonne an beiden Orten recht nah am Horizont, und die Bewölkungswahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Verschiedene Redereien schicken Kreuzfahrtschiffe in den Pfad des Mondschattens auf dem Nordatlantik. Eine sichere Beobachtungsmöglichkeit bieten nur Flüge in die Zone der Totalität. Ein Flugzeug kann sich nicht nur über den Wolken bewegen, sondern dem Mondschatten auch ein Stück hinterherfliegen, so dass sich die Phase der kompletten Verfinsterung etwas verlängert.

Wie kommt es überhaupt zu einer Sonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis kann nur zu Neumond entstehen, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht und sich ganz oder teilweise vor die Sonnenscheibe schiebt. Fällt der Mondschatten auf die Erde, ist in diesem Bereich eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Dort, wo der Halbschatten des Mondes auf die Erde fällt, ist eine Teilfinsternis zu sehen.

Foto:dpa
Warum gibt es dann nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis?

Die Mondbahn ist leicht gegen die Erdbahn gekippt. Dadurch wandert der Neumond meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur an den sogenannten Knotenpunkten, an denen sich die Ebenen von Mond- und Erdbahn schneiden, können Erde, Mond und Sonne genau in einer Reihe stehen. Nur wenn der Neumond genau an einem der beiden Knotenpunkte steht, kommt es daher zu einer Sonnenfinsternis.

Welche Mythen ranken sich um die Sonnenfinsternis?

Früher konnten sich die Menschen nicht erklären, warum die lebenspendende Sonne plötzlich verschwand, und bekamen Angst. Auch heute noch gibt es Menschen, die darin ein böses Omen sehen. Einige Überlieferungen:

DRACHEN: Einem Aberglauben in China und anderswo zufolge wird die Sonne bei einer Finsternis von einem Drachen oder einem anderen Ungeheuer verschlungen. Mit Geschrei und Getöse wurde das Untier vertrieben.

RITUELLE BÄDER: Die indische Mythologie besagt, dass bei einer Sonnenfinsternis der Dämon Rahu versuche, den Sonnengott Surya und damit das Leben auf der Erde in Gefahr zu bringen. Gläubige Hindus vermeiden es dann, nach draußen zu gehen und zu essen. Viele nehmen rituelle Bäder, um sich von etwaigen Folgen reinzuwaschen.

SCHLACHT: Mitten in der Schlacht zwischen den westiranischen Medern und den kleinasiatischen Lydern 585 v. Chr. wurde plötzlich der Tag zur Nacht. Die Truppen beider Seiten, die sich schon seit sechs Jahren bekriegten, hielten inne und beschlossen, Frieden zu schließen. Das berichtet der griechische Geschichtsschreiber Herodot über die Sonnenfinsternis.

PROPHEZEIUNG: Der Pariser Modeschöpfer Paco Rabanne zog bei der Sonnenfinsternis 1999 Spott auf sich. Der Esoterik-Anhänger hatte den Absturz der russischen Raumstation Mir auf Paris unter der „Schwarzen Sonne“ vorhergesagt. Der Absturz kam erst 2001 - planmäßig und kontrolliert ins Meer.

SEKTEN: Manche Sekten erwarten bei einer Sonnenfinsternis den Weltuntergang. So hatten Anhänger einer dubiosen Glaubensgemeinschaft 1999 für den Tag des Himmelsereignisses eine Sintflut vorausgesagt und deshalb einen Bunker auf einem Hügel in der Nähe der spanischen Stadt Tarragona gebaut. Es passierte bekanntermaßen nichts.

Wann kommt die nächste Sonnenfinsternis?

Die nächste Sonnenfinsternis gibt es schon am 13. September, allerdings trifft der Mondschatten dabei nicht die Erde, so dass sie überhaupt nur als partielle Finsternis zu sehen ist - und das lediglich von Afrika, der Antarktis und den südlichen Ozeanen aus.

Die nächste totale Sonnenfinsternis findet am 9. März 2016 über Südostasien und dem Pazifik statt und ist ebenfalls von Deutschland aus nicht zu sehen. Die nächste Beobachtungschance für eine partielle Sonnenfinsternis in Deutschland gibt es am 25. Oktober 2022. Eine totale Sonnenfinsternis findet über Europa erst wieder am 12. August 2026 statt und über Deutschland erst am 3. September 2081.

Welche Konsequenzen die Sonnenfinsternis für die Stromversorgung hat, erfahren Sie hier:

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