Kriminalstatistik : Breitner: "Schleswig-Holstein ist sicher"

Diebstähle stellen die Polizei bei der Verbrechensbekämpfung vor besondere Probleme. Foto: dpa
Diebstähle stellen die Polizei bei der Verbrechensbekämpfung vor besondere Probleme. Foto: dpa

Die Kriminalität im Land ist statistisch auf einem historischen Tiefstand. Besonders kriminell geht es in den großen Städten zu.

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08. März 2013, 10:37 Uhr

Im vergangenen Jahr gab es in Schleswig-Holstein so wenige Straftaten wie seit 1980 nicht mehr - zumindest besagt das die am Donnerstag veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik für 2012. Mit rund 212.000 gemeldeten Vorfällen sank demnach die Zahl der angezeigten Delikte im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent, in der Zehnjahres-Statistik sogar um fast ein Fünftel. 37.911 Menschen wurden 2012 insgesamt Opfer von Kriminalität, 900 weniger als 2011. Fast zwei Drittel der Opfer waren männlich. "Schleswig-Holstein ist insgesamt ein sicheres Land", lautete das Fazit von Innenminister Andreas Breitner zu den Daten.

Für diese Annahme spricht auch der Rückgang bei der Gewaltkriminalität. Die Zahl der Strafaten sank in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent auf 6872 gemeldete Fälle. Davon wurden 4770 als gefährliche und schwere Körperverletzungen eingestuft. An der Gesamtkriminalität haben die Gewaltdelikte einen Anteil von 3,5 Prozent.

Diebstähle als besonderes Problem

Keine große Bewegung gab es im Bereich Jugendkriminalität. 18.040 Tatverdächtige waren jünger als 21 Jahre, nur rund 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. "Für eine Entwarnung ist es zu früh", sagte Breitner. Der Bereich der jüngeren Tatverdächtigen, die unter Alkoholeinfluss standen, ist sogar leicht gestiegen. Da Jugendliche und Heranwachsende laut Breitner zudem häufig Opfer von Streits unter Gleichaltrigen werden, ist die Opfergefahr in den niedrigeren Altersgruppen zudem etwas höher als bei älteren Mitbürgern.

Als besonderes Problem hat der Innenminister die Bekämpfung der Diebstahlkriminalität im Land ausgemacht. Fast jede zweite gemeldete Straftat fiel 2012 in Schleswig-Holstein in diesen Bereich, nur etwa jeder fünfte Fall konnte aufgeklärt werden. Vor allem Gelegenheitsdiebe seien schwer zu fassen, so Breitner: "Bei Diebstählen fehlen oft die Ermittlungsansätze." Besser sehe dies bei den Ermittlungen gegen organisierte Verbrecherbanden aus.

Neumünster erneut mit den meisten Delikten

Viele Raubtaten gehören laut Breitner zur Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen. Insgesamt gab es bei der Rauschgiftkriminalität 2012 das niedrigste Niveau der vergangenen zehn Jahre. Die am meisten verbreitete illegale Droge sei nach wie vor Cannabis. Die Zahl der Drogentoten - 2012 waren es 26 - bewege sich seit Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Die meisten Straftaten in absoluten Zahlen wurden 2012 erneut in Neumünster gemeldet, mit fast 15.000 Fällen legte die Stadt gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent zu. Auf den Plätzen zwei, drei und vier folgen mit Lübeck, Kiel und Flensburg die weiteren Großstädte des Landes. Auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl bleibt Kriminalität laut der Statistik jedoch ein Problem in urbanen Räumen. Schlusslicht in der Statistik ist der Kreis Plön. Dort wurden 5248 Delikte gemeldet.

Die Gesamt-Aufklärungsquote blieb mit 48 Prozent nahezu konstant, bei Gewaltverbrechen und Fälschungsdelikten werden sogar fast drei Viertel der Fälle aufgeklärt.

Über die polizeiliche Kriminalstatistik
Eine Kriminalitätsstatistik erfasst die Anzahl von Straftaten für eine bestimmte Region. Dafür übermitteln die verschiedenen Polizeistationen die Daten eines Jahres an das jeweilige Landeskriminalamt. Dabei wird jedoch nur die polizeilich registrierte Kriminalität erfasst - die Dunkelziffer bleibt unbeachtet. Die Statistik erfasst Fälle, Tatverdächtige und Opfer. Bei Tatverdächtigen geht die Polizei aufgrund bestimmter Anhaltspunkte davon aus, dass eine Person eine bestimmte Tat begangen hat. Damit wird sie noch nicht gleich zum Beschuldigten. Denn: Ob die Straftaten letztendlich ausgeführt wurden, darüber sagt die Statistik nichts aus. Außerdem wird ein Tatverdächtiger, wenn er innerhalb des Erhebungsjahres mehrmals in der selben Deliktkategorie auffällig wird, nur einmal gezählt. Hierdurch und durch die Nichtbeachtung der Dunkelziffer entsteht eine gewisse statistische Unschärfe.

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