Kommentar zu Glasfaseranschlüssen : Breitband-Ausbau in SH: Nicht auf die ferne Zukunft versteifen

Glasfaser ermöglichen ein Hochgeschwindigkeitsinternet – doch ein Vollausbau für SH erscheint finanziell unrealistisch.
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Glasfaser ermöglichen ein Hochgeschwindigkeitsinternet – doch ein Vollausbau für SH erscheint finanziell unrealistisch.

Die Strategie der Landesregierung für schnelles Internet in SH ist fragwürdig. Viele leben noch immer in einer „digitalen Steppe“ – und so schnell dürfte sich das nicht ändern. Ein Kommentar von Frank Jung.

shz.de von
14. Juli 2015, 09:28 Uhr

So gut es im Bundesvergleich aussieht, wenn in Schleswig-Holstein 23 Prozent der Haushalte schon einen Glasfaseranschluss haben: Man hüte sich davor, die Quote so zu verstehen, dass der Norden schon gut unterwegs wäre bei seinem Ziel, flächendeckend Glasfaser anzubieten. 23 Prozent umgerechnet auf die Einwohnerzahl, entspricht gerade mal der Bevölkerung von Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Dort lassen sich die hohen Kosten durch die Privatwirtschaft gut refinanzieren. Außerhalb urbaner Regionen sieht dies ganz anders aus. Konzerne erkennen dort kein attraktives Geschäftsmodell.

Einige Stadtwerke und vereinzelt Bürgergesellschaften versuchen in Teilregionen, dennoch ein Glasfasernetz zu stemmen. Ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit – aber die hartnäckigen Schwierigkeiten an vielen anderen Orten beim Netzausbau auf dem Land zeigen auch: Es ist fragwürdig, dass die Landesregierung sich bei ihrer Breitband-Strategie auf einen Vollausbau mit Glasfaser versteift. Es hört sich ehrgeizig an. Aber nicht ohne Grund geht kein anderes Bundesland so vor. Was nützt ein Maximalziel, wenn es finanziell unrealistisch erscheint und allenfalls erst 2030 erreicht sein soll?

Die Förderung des schnellen Internet muss stärker das Hier und Jetzt in den Fokus nehmen. Viele Schleswig-Holsteiner wären schon glücklich, wenn sie wenigstens nicht mehr in der völligen digitalen Steppe lebten. Andere Politikbereiche arbeiten doch auch nicht mit Wundern in ferner Zukunft, sondern Schritt für Schritt. Klar ist es sinnvoll, Glasfaser bis an möglichst viele graue Verteilerkästen der Telekom in die Fläche zu führen. Aber die Entfernung von dort in viele Einzelhaushalte lässt sich durchaus über viel weniger aufwändige Ertüchtigungen von Kupferleitungen akzeptabel überbrücken. Auch die Chancen von Funktechniken sind nicht ausgeschöpft. Puzzle-Lösungen bleiben ein Mittel der Wahl, Utopien nicht.

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