Feuerteufel vor Gericht : Brandstifter: „Es hat mir Spaß gemacht“

Oktober 2013: Flammen schlagen aus einer Reetkate in Thomsdorf bei Grube. Dem Richter sagte der Brandstifter, er habe stets geprüft, ob jemand zu Hause sei.
Oktober 2013: Flammen schlagen aus einer Reetkate in Thomsdorf bei Grube. Dem Richter sagte der Brandstifter, er habe stets geprüft, ob jemand zu Hause sei.

Fast ein Jahr lang zündelte ein junger Feuerwehrmann im ostholsteinischen Grube – gestern verurteilte ihn ein Gericht zu drei Jahren Haft.

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10. Juni 2014, 13:40 Uhr

Erst brannte das Caféhaus der Bürgergilde, sechs Tage später stand ihre denkmalgeschützte Festscheune in Flammen. Und die Serie ging immer weiter: Am Ende hatte ein Brandstifter im kleinen Grube (Kreis Ostholstein) zehn Feuer gelegt, vorwiegend traf es reetgedeckte Häuser. Seine Festnahme war ein Schock: Die 1000 Einwohner der Gemeinde hatten fast ein Jahr lang vor einem Feuerwehrmann gezittert.

Gestern musste sich Phil M. (21) vor dem Jugendschöffengericht in Oldenburg verantworten. Der Landwirt trägt ein knallrotes Sweatshirt und blaue Hosen – Feuerwehr-Farben. Er war bereits in der Jugendwehr, sein Großvater war Wehrführer. Die Staatsanwältin wirft ihm vor, die Brände von Februar bis Dezember 2013 gelegt, nach Hause gefahren zu sein und auf den Löscheinsatz gewartet zu haben.

Keines der Feuer war weiter als vier Kilometer vom Wohnort des Angeklagten entfernt. „Ich habe darauf geachtet, dass sie im Einsatzgebiet unserer Wehr liegen“, gesteht Phil M., schildert dann kühl und sachlich: „Das erste Mal habe ich ein Feuerzeug genommen, was ziemlich lange dauerte. Danach habe ich einen benzingetränkten Lappen benutzt, damit der Brand schneller in Gang kommt und ich mich nicht so lange dort aufhalten muss.“ Den Lappen tauchte der Angeklagte in den Tank seines Motorrollers und steckte ihn zum Transport in eine Plastiktüte.

Der Richter will wissen: „Was haben Sie gedacht, als sie die Festhalle brennen sahen?“ Der bleiche junge Mann errötet: „Ich bin auf den Geschmack gekommen. Es hat mir Spaß gemacht, mit der Feuerwehr hinzufahren.“ Außer der Wehr habe er nicht viel gehabt, betont Phil M. und berichtet, wie ihn seine Ausbilder auf verschiedenen Höfen schikaniert hätten. „Sie schrien mich an. Ich war niedergeschlagen und hatte zu nichts mehr Lust. Manchmal hörte ich ihr Geschrei, obwohl sie gar nicht da waren. Ich konnte nicht mehr schlafen, hatte starke Kopfschmerzen.“ In der Fachklinik in Heiligenhafen ließ sich Phil M. ambulant behandeln. „Ich bekam Medikamente, dann ging es eine Zeit lang wieder gut.“ Wenn es ihm schlecht ging, zündelte er. „Es war der Kick, wieder etwas zu erleben. Aber Menschen wollte ich nicht gefährden.“

Doch genau das passierte bei Feuer Nummer neun. Phil M. stopfte den Benzinlappen von unten in den Motorraum eines VW-Tiguan in einem Carport. Licht brannte, es war jemand zu Hause. Phil M.: „Ich habe nicht gewollt, dass die Flammen auf das Haus übergreifen. Aber als ich mit der Feuerwehr kam, brannte schon alles.“ Die beiden Bewohner hatten das Feuer glücklicherweise bemerkt, konnten sich retten.

Nach Ansicht des psychiatrischen Gutachters ist Phil M. voll schuldfähig. „Er fühlte sich nicht anerkannt, hatte noch nie eine Freundin“, erklärt er. Die Mutter habe die Familie verlassen, als Phil M. acht Jahre alt gewesen sei. „Er entwickelte ein angepasstes Verhalten, ließ aggressive Impulse nicht zu, war aber gleichzeitig sehr empfindlich. Die Straftaten waren ein Regulativ für seinen psychischen Zustand.“

Eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe der Polizei fahndete nach dem Brandstifter. Leiter Hendrik Venzke: „Wir dachten sofort, es könnte ein Feuerwehrmann sein. Die Brandorte lagen zu abgelegen, um als Schaulustiger etwas davon zu haben.“ Handydaten, Suchhunde und eine Observation brachten die Beamten auf die Spur von Phil M., der schnell gestand. Das Urteil: Drei Jahre Haft plus Therapie. Und die Schadenssumme von 1,5 Millionen Euro fordern die Versicherer von Phil M. zurück.

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