Flensburg : Bombendrohung bei Karstadt

Die Hunde suchten bis zum Abend - und fanden nichts. Foto: Staudt
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Die Hunde suchten bis zum Abend - und fanden nichts. Foto: Staudt

Spürhunde durchsuchten stundenlang das Karstadt-Kaufhaus in Flensburg. Nach einer Bombendrohung wurde es geräumt. Kunden und Mitarbeiter kamen nicht an ihre Autos.

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17. Juli 2011, 02:44 Uhr

Für die Flensburger Karstadt-Filiale am Holm war das Sommergeschäft am Freitag ab 13.30 Uhr vorbei. Um 13.30 Uhr traf bei der Polizei eine anonyme Bombenwarnung ein. Das Warenhaus wurde umgehend geräumt und durch Polizeibeamte abgesperrt. Sofort danach begann eine Suchaktion nach dem Sprengstoff. Nach Angaben von Polizeisprecherin Marina Bräuer waren sieben Spürhunde und über 20 Beamte im Einsatz. Karstadt blieb bis zum Abend geschlossen. Gefunden wurde nichts. Hinweise auf den Täter gab es am Freitag nicht, zu den Hintergründen der Drohung wollte die Polizei nichts sagen. Einen vermeintlichen Sprengkörper identifizierte der alarmierte Kampfmittelräumdienst als Kleidungsstück.
Ein unerfreulicher Nebeneffekt der Räumung: Die Menschen wurden zwar in Sicherheit gebracht, die Fahrzeuge der Kunden und Mitarbeiter aber steckten im Parkhaus fest. Wer von auswärts nach Flensburg gekommen war, hatte schlechte Karten. Polizeisprecherin Bräuer konnte nicht ausschließen, dass das Parkhaus erst im Laufe des Samstags frei gegeben wird.
Die Parkuhr läuft weiter
Ärgerlich, besonders wenn sowohl Geld als auch Handy im Auto liegen - wie bei Jochen Möller (42) und Claudia Schmidt (41) aus Sörup. "Eigentlich wollten wir mit den Kindern grillen. Das fällt nun wohl aus." Mit Absicht hatten sie bei Karstadt geparkt: "Mit dem alten Fahrstuhl zu fahren, ist ein Abenteuer", erzählt Schmidt lachend. Aber nicht nur sei ärgerlich, dass man nicht nach Hause kommt. "Die Parkuhr läuft weiter", gibt Möller zu bedenken.
Auch für die Dänen Kenn Christensen (39), Sohn Matthis Walther (12) sowie Jogwan Joensen (42) mit Sohn Johann (10), die gemeinsam mit ihren Ehefrauen in der Nähe von Hadersleben Urlaub machen, kam die Schließung des Geschäfts überraschend: "Wir waren schon drin. Ich wollte nur schnell bei der Bank Geld holen. Als wir zurück kamen, kamen wir nicht mehr rein", erzählt Christensen. Die Ehefrauen auf dem Campingplatz im Urlaubsort wurden zwar per Handy informiert, ihre Männer aus der Misere retten können sie aber nicht: "Wir haben das Auto", erzählt der 39-Jährige.
Keine klaren Ansagen über die Wartezeit
Während Jan Heine aus Roskilde auf dem Holm auf Neuigkeiten wartet und sich wundert, warum es so viele Beamte braucht, die vor dem Haupteingang Position beziehen, wärmt sich seine Familie in einem Café auf. "Das ist das Leben", sagt der 54-Jährige achselzuckend, ärgert sich aber, dass keine klaren Angaben über die Wartezeit gemacht werden können. Mehrere Male schon wurde diese verlängert. Außerdem, fügt er hinzu, warte sein Hund zu Hause. Er habe also keine Wahl und werde warten müssen, bis die Beamten grünes Licht geben.
So lange warten wollen Lena Laß (48) und Tochter Antje (18) nicht. Das abrupte Ende ihres Shopping-Tages nehmen sie gelassen hin: "Sicherheit geht vor", gibt sich die 48-Jährige aus Kappeln verständnisvoll. "Wir kamen so flott rein ins Parkhaus und hätten unser Auto sogar noch rausholen können", erzählt sie, und spricht von einem Seiteneingang, der anfangs noch geöffnet gewesen sei. "Wir haben uns aber nicht getraut", gesteht sie lachend. Mutter und Tochter wollen nun den Bus nach Hause nehmen. Wann der nächste fährt, wissen sie nicht, aber sie sind sich sicher, dass sie heute noch nach Hause kommen. "Das Auto holen wir morgen ab, da soll das Parkhaus ja wieder offen sein."
Für den Täter wird es teuer
Alle, die ausharrten, konnten am Abend ihre Fahrzeuge vom Parkdeck fahren. Nachdem die Polizei kurz nach 19.30 Uhr abzog, blieb das Parkhaus noch bis 20 Uhr geöffnet.
Für den Anrufer könnte es eine teure Angelegenheit werden. "Neben einem Strafverfahren werden dem Täter die Kosten des Einsatzes und der Verdienstausfall der Firma Karstadt in Rechnung gestellt", sagt Polizeisprecherin Marina Bräuer. Bislang ist er allerdings noch nicht ermittelt.
(ho, anj, shz)

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