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Klinik in Geesthacht : „Böse Stimmen“: Geldstrafe für Psychiaterin

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Ein gefährlicher Patient wird in die Psychiatrie in Geesthacht eingeliefert - und beurlaubt. Er tötet seine Mutter. Die Ärztin, die ihn gehen ließ, wird vom Lübecker Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 13:57 Uhr

Lübeck | Das Lübecker Landgericht hat am Dienstag eine Ärztin wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 18.000 Euro verurteilt. Die Oberärztin der Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses in Geesthacht habe am 2. Januar dieses Jahres einen unter Wahnvorstellungen leidenden Patienten aus der Klinik beurlaubt, ohne ihn vorher noch einmal zu untersuchen, erklärte das Gericht. Dadurch trage sie eine Mitschuld an dem Tod seiner Mutter, die er kurz nach dem Verlassen der Klinik erstochen hatte. Mit dem Urteil stützten sich die Richter hauptsächlich auf die Aussagen eines Gutachters.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen fahrlässiger Tötung für die 54-Jährige gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

In der Nacht zum 2. Januar dieses Jahres war der 31-jährige Mann als Notfall in die Psychiatrie des Johanniter-Krankenhauses Geesthacht aufgenommen worden. Er hatte in einem Linienbus angekündigt, seine in Geesthacht wohnende Mutter töten zu müssen. Das befählen ihm „böse Stimmen“. Die Polizei hatte ihn deshalb in die Klinik gebracht, die angeklagte Ärztin nahm ihn auf.

Am nächsten Morgen bat der 31-Jährige darum, sich von seiner Mutter Geld und Kleidung holen zu dürfen. Ohne ein weiteres Gespräch mit dem Patienten ließ sie den Mann gehen. Kurze Zeit später erstach er seine Mutter mit einer Schere. „Als wir ihn danach festnahmen, sagte er, sie sei ein Dämon gewesen, den er habe töten müssen“, hatte eine Polizistin vor Gericht ausgesagt.

Der psychiatrische Sachverständige Hans-Ludwig Kröber hatte in seinem Gutachten das Verhalten der Ärztin als Verstoß gegen die Regeln ärztlicher Kunst bezeichnet. „Sie hätte auf jeden Fall vor der Beurlaubung im Gespräch mit dem Patienten klären müssen, ob er noch eine Gefahr für sich oder andere darstellt, bevor sie ihn gehen ließ“, hatte Kröber vor Gericht ausgesagt.

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