EHEC : Blut-Durchfall: Erste Todesopfer im Norden

Viele EHEC-Infizierte müssen zur Dialyse - wie hier im Hamburger Marienkrankenhaus. Foto: dpa
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Viele EHEC-Infizierte müssen zur Dialyse - wie hier im Hamburger Marienkrankenhaus. Foto: dpa

Der EHEC-Erreger hat erste Todesopfer gefordert. Eine 80-Jährige aus Bad Oldesloe starb aber nicht, wie zunächst für möglich gehalten, an dem Erreger.

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25. Mai 2011, 11:43 Uhr

Kiel | Das gefährliche EHEC-Bakterium hat vermutlich zwei Todesopfer gefordert. Bereits am Sonntag starb in Bad Oldesloe eine 80-jährige Patientin, die sich mit dem gefährlichen Keim infiziert hatte. Er ist aber nicht die Ursache für ihren Tod, gab Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Mittwoch in Kiel unter Berufung auf Angaben der Klinik in Bad Oldesloe bekannt. In Bremen kamen eine 83 Jahre alte infiziert Frau aus Niedersachsen und eine 24-Jährige ums Leben. Bei der jungen Frau, die in der Nacht zu Dienstag starb, wurden die typischen Symptome einer EHEC-Infektion festgestellt.
Zugleich nehmen die EHEC-Verdachtsfälle im Norden weiter explosionsartig zu, während der Süden bisher lediglich vereinzelt betroffen ist. Allein in Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der Verdachtsfälle seit Montag auf mehr als 200 Fälle verdoppelt. Das gefährliche Coli-Bakterium grassiert sei Mitte Mai besonders in Lübeck und in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und Ostholstein. Auch die Westküste, die bisher nicht betroffen war, meldete Dienstag sechs EHEC-Fälle - davon ist ein Patient an einem akuten Nierenversagen erkrankt. In Hamburg ist die Zahl der bestätigten Fälle auf mindestens auf 67 gestiegen. Niedersachsen und Bremen melden 170 und Hessen 26 Verdachts- und bestätigte Fälle. Alle 19 bisher in Frankfurt Erkrankten haben in derselben Kantine gegessen.
"Diese Entwicklung übersteigt jedes historische Maß"
"Diese Entwicklung übersteigt jedes historische Maß", sagte der Mikrobiologe Professor Peter Rautenberg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Landesgesundheitsminister Heiner Garg (FDP) betonte, dass die Situation sehr ernst genommen werde, aber kein Grund zur Panik bestehe. Es sei ein Krisenstab eingerichtet worden, um die Verteilung der Patienten auf die Krankenhäuser zu regeln. Inzwischen werden auch Geräte zur Blutwäsche nach Norddeutschland geflogen, um hier die Kapazitäten aufzustocken.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht eine "erschreckende" Ausbreitung des gefährlichen Darmbakteriums EHEC. In den vergangenen Tagen sei bei mehr als 80 Erkrankten ein schwerer Verlauf mit Nierenschäden registriert worden, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger in Berlin. Diese Zahl schwerer Verläufe mit dem sogenannten HUS-Syndrom werde sonst binnen eines ganzen Jahres erreicht.
Die heimischen Bauern fühlen sich im Zusammenhang mit EHEC zu Unrecht an den Pranger gestellt, nachdem das RKI die Düngung von Gemüse mit Gülle als mögliche Ursache genannt hatte. "Es widerspricht jeder guten landwirtschaftlichen Praxis, Gemüseflächen mit Rinderdung zu düngen", erklärte eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer in Rendsburg.
(dpa, kim, shz)

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