EHEC : Blut-Durchfall breitet sich aus - 200 Verdachtsfälle

Wissenschaftler fahnden fieberhaft nach der Herkunft des lebensgefährlichen Darmkeims EHEC. Foto: dpa
Wissenschaftler fahnden fieberhaft nach der Herkunft des lebensgefährlichen Darmkeims EHEC. Foto: dpa

Die Zahl blutiger Durchfallerkrankungen, die mit dem gefährlichen EHEC-Bakterium in Verbindung gebracht werden, steigt weiter. Bereits 200 Verdachtsfälle wurden gemeldet.

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25. Mai 2011, 08:23 Uhr

Kiel | Die Zahlen steigen dramatisch: Die Zahl der Verdachtsfälle von blutigen Durchfallerkrankungen, die mit dem EHEC-Erreger in Verbindung gebracht werden, hat sich in Schleswig-Holstein auf mehr als 200 erhöht. Am Montag meldeten die Gesundheitsämter bereits 110 Verdachtsfälle von blutigen Durchfallerkrankungen, die mit dem gefährlichen EHEC-Bakterium in Verbindung gebracht werden. Am Vortag waren es in Schleswig-Holstein 20, im gesamten Jahr 2010 nur 24. "Die Ausbreitung ist alarmierend, weil die Erkrankung auffällig häufig einen schweren Verlauf mit Nierenversagen nimmt", erklärt ein Sprecher des Gesundheits ministeriums in Kiel. Derzeit sind 13 Fälle bekannt, in denen es zu diesem gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gekommen ist. Am stärksten betroffen ist gegenwärtig der Kreis Rendsburg-Eckernförde. Ganz schwere Fälle werden ins Universitätsklinikum nach Kiel und Lübeck geflogen. Dort sollen Quarantäne stationen eingerichtet werden.
Wenn sich ein Familienmitglied infiziert hat, sollten Kinder nicht Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder nur in Ausnahmefällen Schulen besuchen, so das Ministerium.
Experten raten zu guter Küchenhygiene
Auffällig ist, dass - im Gegensatz zu früheren HUS-Ausbrüchen - überwiegend Erwachsene betroffen sind. "Die Krankheit hält sich an keine Regel, weder der schwere Verlauf noch die betroffenen Altersgruppen sind typisch", erklärt Mikrobiologe Michael Siemann, Oberarzt im Städtischen Klinikum Kiel. Sollte die Zahl der schweren Infektionen weiter so rasant ansteigen, befürchtet er einen Engpass bei den Dialyseplätzen.
Noch ist die Erregerquelle nicht bekannt. Nach ersten Befragungen von Patienten durch das Robert-Koch-Institut (RKI) handelt es sich wahrscheinlich um roh genossenes Gemüse, das mit Gülle gedüngt worden ist. Da inzwischen auch in Süddeutschland EHEC-Patienten notfallmäßig behandelt werden müssen, liege es nahe, dass es sich um ein überregional vertriebenes Lebensmittel handele, so das RKI. Bislang waren in Deutschland EHEC-Ausbrüche durch pflanzliche Lebensmittel nicht bekannt. Nach Angaben des Bauernverbandes in Rendsburg ist Gülle-Düngung von Gemüse während der Vegetationsphase "sehr unüblich".
Experten raten, bei der Zubereitung von Gemüse auf gute Küchenhygiene zu achten sowie Bretter und Messer gründlich zu reinigen. Grundsätzlich sind auch Produkte aus Rohmilch eine mögliche Infektionsquelle. Jeder sollte Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder Toiletten-Desinfektion beachten, da die Erreger auch von Mensch zu Mensch übertragen werden können.
(kim, shz)

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