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Vatertag 2014 : Blumen weg vom Bollerwagen!

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Himmelfahrt ist für viele Männer ein heiliger Tag. Kinder, Frauen, Komasäufer und die Polizei sollten sich am Vatertag lieber mit anderen Dingen beschäftigen. Eine Polemik.

Männer stehen am Donnerstag unter dem Generalverdacht, betrunken zu sein: Das ist völlig in Ordnung. Die Kirche hingegen will Christi Himmelfahrt zum Familientag umfunktionieren. Behörden verhängen Alkoholverbote und die Polizei kontrolliert die Getränke: Der Vatertag ist angezählt.

Einst annektierten deutsche Väter den Feiertag „Christi Himmelfahrt“ für das demonstrative Frönen ihrer Männlichkeit. Jünglinge sollten der Grundidee zufolge die Tugend und Untugend des maskulinen Daseins am eigenen Leibe erfahren: Sprich, Kameradschaft, Körperlichkeit, tosende Wettkämpfe und reichlich Bier unter freiem Himmel.

Sicher flog dabei auch mal die eine oder andere Faust und sicher wehte auch ein Hauch von Anarchie mit, in der von Blütenduft und Alkoholfahnen geschwängerten Luft. Schlichtweg ging es darum, eine eskapistische Sauftour inmitten der blühenden Landschaft zu starten, die sich vor den besorgten Müttern als pädagogisch sinnvoller Entwicklungsschritt verkaufen ließ – freilich ohne Diskussion.

Allem Anschein nach haben sich Charakter und Rolle dieses kulturell gepflegten Männerfeiertages jedoch grundlegend verändert. Der Vatertag stand nie im Verdacht, ein Fest der Schönheit zu sein. Doch die geschmückten Bollerwagen zeigen sich immer häufiger mit Blütenkränzen und sonstigem Schnickschnack. Gut, dass Frauen zur Bundeswehr dürfen und sich für Fußball interessieren - aber am Vatertag mitmarschieren? Was hält nun also die Welt an Himmelfahrt in ihrem Innersten zusammen? Religion? Geschlecht? Alkohol!

Jugendliche Schnapsleichen prägen das Bild. Einige schleswig-holsteinische Gemeinden durchkreuzen daher die Pläne der Bollerwagen-Touristen. Bevor die Väter und solche, die es werden wollen, ihr Feuerwasser am Donnerstag im Freien genießen wollen, müssen sie sich gehörig umschauen. Durch erhöhte Krawallbereitschaft sehen sich die Ordnungsbehörden seit einigen Jahren vermehrt in der Pflicht, in das Trinkverhalten der Vatertagsschwärmer einzugreifen, damit die Lage unter der prallen Sonne nicht eskaliert. Als Reaktion auf Alkoholexzesse und Gewaltdelikte werden auch in diesem Jahr wieder Alkoholverbote an „Brennpunkten“ der Vatertagsstreunerei erwogen. Der Allgemeinverfügung widersprach 2012 jedoch das Oberverwaltungsgericht.

„Gepäckkontrolle“ am Einfelder See.
„Gepäckkontrolle“ am Einfelder See. Foto: Steinhausen
 

Am Einfelder See in Neumünster gibt es in diesem Jahr daher kein striktes Alkoholverbot mehr. Per Einzelverfügung werden jedoch Platzverweise erteilt gegen Besucher, die mit großen Mengen an Alkohol beladen oder nach Sichtkontrolle bereits betrunken sind. Für den Großensee im Kreis Stormarn und den Bordesholmer See gilt dasselbe: verstärkte Polizeipräsenz. Der Eutiner Schlossgarten ist gesperrt. Am Großen Segeberger See wird die Backofenwiese ab 6 Uhr ebenfalls menschenleer sein. Nach „mehreren erheblichen Gewaltdelikten“ so Hans-Jürgen Lutz, Leiter der Polizeistation Glückstadt, wird auch der Hafenbereich von Kollmar/Dithmarschen von Kontrolleuren in Uniform inspiziert, die vor allem den Jugendlichen tief in Glas und Augen schauen.

Viele Ausflügler – auch wenn sie nicht im Sinne des Exzesses unterwegs sind - werden aufgrund der hohen Polizeipräsenz ihre traditionellen Anlaufpunkte meiden. Wahre Trunkenbolde hingegen werden alternative Plätze finden, um ihr anästhetisches Tagesziel zu erreichen.

Bei all den Sicherheitskonzepten, die entwickelt wurden, um Familien einen normalen Spaziertag zu ermöglichen, stellt sich die Frage, ob Männer und Söhne nicht besser beraten wären, ihren großen Tag flashmobartig zu verlegen – ohne Wissen von Mama, Freundin und Staat. Vielleicht werden wir sonst eines Tages komplett bei Haus und Hund bleiben, den Elektrogrill anwerfen und den Frauen Feld und Wagen überlassen.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 12:01 Uhr

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