Monika Franke : Blinde Mutter wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe

Monika Franke mit ihrem Familien- und Begleithund 'Tommy'. Foto: ql
Monika Franke mit ihrem Familien- und Begleithund "Tommy". Foto: ql

Sie sollte sich einen Blindenhund anschaffen können - deshalb haben viele für Monika Franke gespendet. Jetzt kauft sie kein neues Tier - und wird als Betrügerin verrufen.

Avatar_shz von
18. Juni 2009, 10:55 Uhr

Süderbrarup | Monika Franke aus Süderbrarup ist verwundert über einige Reaktionen ehemaliger Helfer und Unterstützer. Der blinden Mutter von sechs Kindern hatte die Krankenkasse einen Blindenhund verweigert. Auf Druck der Öffentlichkeit genehmigte sie ihn schließlich doch. Parallel dazu fanden Spendenaktionen zu Gunsten der blinden Frau statt: Mit dem Geld sollte sie einen vierbeinigen Begleiter und dessen Ausbildung finanzieren können.
Als ein konkreter Hund ausgesucht war, meldete jedoch die Hundeschule Bedenken an, dass Familienhund "Tommy", der als Behindertenbegleithund zumindest einfache Führaufgaben übernimmt, unter diesem Zustand leiden könnte. Zu diesem Zeitpunkt schien für Familie Franke die einzige Möglichkeit darin zu bestehen, die Anschaffung des Blindenhundes zu verschieben. Die Alternative, "Tommy" abzugeben, wurde grundsätzlich abgelehnt. Alternativen wurden zu diesem Zeitpunkt nicht genannt.
Sozialverband kündigt Mitgliedschaft
Für diese Entscheidung erhielt Franke viel Zustimmung, wurde aber auch heftig kritisiert. Der Sozialverband Deutschland (SoVD), dessen Ortsverein sie in eine kostenlose Mitgliedschaft übernommen hatte, warf ihr in einem Schreiben "Lüge" sowie "Erschleichung von Spendengeldern" vor und kündigte die Mitgliedschaft. "Ich finde es schade, dass vorher keiner mit mir geredet hat", sagt Franke dazu. Denn dann hätte sie erklären können, dass ein Behindertenbegleithund nicht mit einem Blindenführhund zu vergleichen ist. Auch habe sie außer einer Barspende von 250 Euro, die unangetastet bei ihr im Schrank liege, bisher noch keine Spendengelder erhalten.
Das bestätigt auch Björn de Vries, der im Namen des Serviceclubs "Round Table" einen der beiden Spendentöpfe verwaltet. "Es ist einer unserer Grundsätze, dass wir keine Gelder direkt an Bedürftige weitergeben, sondern nur Hilfeleistungen bezahlen." In seiner Organisation denkt man jetzt darüber nach, wie die für Monika Franke angesammelten 2012,09 Euro in Zukunft zu verwenden seien. Grundsätzlich ist de Vries der Meinung, dass die Spenden für einen Blindenhund gesammelt wurden - und demnach nicht für einen anderen Zweck verwendet werden sollten. Doch räumt er dem Musikzug der Amtsfeuerwehr Süderbrarup ein großes Mitspracherecht in der Angelegenheit ein. Die Musiker hatten mit Benefizkonzerten einen großen Teil der Spendengelder eingeworben. Musikzugführerin Finja Pahnke spricht sich auf der Homepage des Musikzuges dafür aus, die Gelder für den Unterhalt des bewilligten Hundes zu verwenden - "auch wenn das bedeutet, dass das Geld noch mindestens zwei Jahre auf einem Konto verbleibt".
Neuer Zweck für Spendentopf?
Die Verwalter des zweiten Spendentopfes können ihre Entscheidung für die Zukunft gedanklich nicht so leicht von der veränderten Situation lösen. "Als ich hörte, dass eine Krankenkasse der blinden Frau den Blindenhund verweigerte, wollte ich helfen und richtete den Spendentopf ein", erklärt Maike Hinsche. Heute sieht sie die Notwendigkeit dieser Spenden nicht mehr. Deshalb würde sie die eingegangenen 3439,52 Euro gerne einem gemeinnützigen Zweck zugühren. Sie fordert die Süderbraruper auf, entsprechende Vorschläge in ihrem Geschäft "Deco-Dreams24" abzugeben. Nur der anonymen Spenderin, die 3000 Euro einzahlte, möchte sie die Möglichkeit geben, ihre Spende zurückzufordern.
Auch Franke meldete sich inzwischen auf der Homepage des Musikzuges und erklärte dort, dass sie möglichst doch nicht mehr zwei Jahre auf einen Blindenhund warten könne, weil "Tommy" erkrankt sei. Sie suche jetzt nach einer Hundeschule, die ihr in absehbarer Zeit ein Tier liefere, das sich mit ihrem Familienhund vertragen könne.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen