Blauer Dunst provoziert

Das  Rauchverbot in   Gaststätten wurde heftig diskutiert.dpa
Das Rauchverbot in Gaststätten wurde heftig diskutiert.dpa

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25. Januar 2013, 01:14 Uhr

Pinneberg | Geraucht haben schon die Großväter. Allerdings aus überlangen Pfeifen wie Lehrer Lämpel in Wilhelm Buschs "Max und Moritz." Und Betrunkene torkelten nach Hause, als es fast in jeder Gemeinde eine Brauerei gab. In der Bierstadt Einbeck erinnert ein Schild an jene Zeit. "Es ist verboten, in den Bach zu pissen, weil wir heute brauen müssen!"

Zigaretten kamen erst in den "Goldenen Zwanzigern" des vorigen Jahrhunderts in Mode. Durch Vamps im Zipfelkleid mit Bubikopffrisur. Sie rauchten ihre Zigarette in überlanger, schwarz glänzender Spitze.

Für Normalverdiener war Rauchen ein teures Vergnügen. Rauchen oder fotografieren - beides zusammen nicht möglich. Zu teuer. Zu dieser Zeit wuchsen in den Familien zwei, drei oder mehr Kinder auf. Für Kinder in der Realschule oder auf dem Gymnasium musste Vater Schulgeld bezahlen.

Erstaunlich ist, dass ein Pfennigartikel wie die Zigarette zum Vorbild für die Markenwerbung wurde. Kurzer, einprägsamer Name: "R6". Eingeführt 1921. Einfaches, klares Signet: stilisierter Drachenkopf eines Wikingerschiffes.

Groß angelegte Kampagne. Plakate an Litfasssäulen, aber auch auf Bahnhöfen und in Zügen. Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. Und in jeder Packung ab 1932 bunte Bilder zu Sammeln. Reemtsma brachte Sammelbände heraus mit volksbildendem Inhalt zum Einkleben der Bildchen.

Dann kam der Krieg. Soldaten erhielten Zigarettenzuteilung. Da kam mancher auf den Geschmack. In den drei Jahren der Schwarzmarktzeit nach Kriegsende avancierte die Zigarette zur Währungseinheit. Ein deutscher Glimmstängel entsprach sieben Reichsmark. Ein amerikanischer war 14 Reichsmark wert. Da musste mancher mit Entzugserscheinungen fertig werden.

Mit dem Wirtschaftswunder wurde alles besser. Hieß es früher: "die deutsche Frau raucht nicht!", bewiesen sie nun, dass sie es konnten. Und wie! Und immer mehr Jugendliche zogen sich ihre Zigarettenpackungen aus den Automaten.

Inzwischen hatte die Medizin entdeckt, dass Rauchen gesundheitsschädlich sein kann. Flugs erfand die Industrie die Filterzigarette. Nun konnte nichts mehr passieren! Die Politiker entdeckten ihre Verpflichtung, für die Volksgesundheit zu sorgen. Sofortmaßnahme: Erhöhung der Tabaksteuer. Dann kam das Rauchverbot am Arbeitsplatz, in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Und schließlich auch in Gaststätten.

Auch die Zigarettenwerbung wurde verboten. Vorbei war es mit den schönen Bildern des Operetten-Cowboys im Sattel mit eleganter Lederweste und breitkrempigem Westernhut. Der einzige weiße Fleck im Bild: die weiße Zigarette im linken Mundwinkel. Oder jene mit der Serie des HB-Männchens. Nur weil kurz vor den großen Ferien mal wieder der Benzinpreis in die Höhe kletterte, formulierte der Werbespot: "Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!"

Was hat das Werbeverbot nun gebracht? In der kleinen Kneipe in unserer Straße drei Männer vor der Tür. Wegen Überfüllung geschlossen? Nur eine kurze Zigarettenpause. Draußen vor der Tür. Auf der Terrasse einer Klinik debattieren zwei Assistenzärzte das Streikrecht für Mediziner. Und blasen den Zigarettenrauch in die Luft. Schlimm!

Fachleute schätzen, dass der Zigarettenumsatz um höchstens fünf Prozent geschrumpft sei. Zugenommen hat dagegen gewaltig der Schmuggel.

Neuerdings wird in Brüssel erwogen, abschreckende Bilder als Folge von langjährigem Zigarettenmissbrauch abzudrucken. Es wäre der kuriose Fall, dass eine Packungsgestaltung nicht wie bisher zum Kauf, sondern zum Nichtkauf verleiten soll. Ob das einen Nikotinsüchtigen umstimmen kann?

Zum Schluss ein Beispiel, dass Werbung nicht an allen Übeln mitschuldig ist: Kein Mensch hat eine Anzeige, ein Plakat, einen Fernseh/-oder Radiospot gesehen oder gehört mit Werbung für Kokain, Haschisch oder andere Rauschmittel. Dennoch sterben jedes Jahr Tausende an Drogen.

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