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Warnung des NABU : Blaualgen in SH: Bade-Ekel in blühenden Seen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Überdüngung schadet Badenden und der Natur. Doch die Ministerien sehen das anders.

Windstille, Wärme, pralle Sonne – eher selten in Schleswig-Holstein. Kommt es einmal zu einer solchen Witterung, gibt es Seen, die richtig „aufblühen“. „Ein Alarmzeichen“, beklagt der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein. „Was für den Laien positiv klingt, ist im Gegenteil höchst bedenklich“, erklärt Carsten Pusch, Leiter der Nabu-Landesstelle Wasser. Es handele sich um Blaualgen, die nicht nur beim Baden für die Gesundheit bedenklich sind, sondern auch auf einen negativen Naturzustand des Sees und der Umgebung hinweisen. Zu viele Nährstoffe – vornehmlich aus der Landwirtschaft – gelangten in die Gewässer. Die Folge: Nicht nur weniger Badende, sondern auch weniger Tier- und Pflanzenarten.

„Blaualgen sind gerade für Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut gefährlich durch ihre Allergien auslösenden Reizungen“, sagt Nabu-Wasserexperte Carsten Pusch. „Die Algen selber produzieren Giftstoffe, also sollten Kinder Wasser nicht schlucken.“

Dennoch: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kiel ist die hygienische Qualität der allermeisten Badegewässer in Schleswig-Holstein „sehr gut“. 335 Badestellen werden von den Kreisgesundheitsämtern monatlich untersucht. Dabei werden zwei Keime unter die Lupe genommen: Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Beides sind sind Bakterien, die zur herkömmlichen Darmflora des Menschen und der Tiere gehören und daher in Gewässern auf fäkale Verunreinigungen hinweisen. Werden bei diesen Indikator-Keimen die Grenzwerte überschritten, ist die Gefahr gegeben, dass mit Fäkalien Bakterien ins Wasser gelangen, die zu Erkrankungen führen können. Dann wird ein Badeverbot verhängt.

Genau dieses System langt dem Nabu-Wasserexperten aber nicht: „Bewertet wird nur das Auftreten bestimmter krankheitserregender Keime, nicht die abstoßende Algenschwemme“, kritisiert Pusch. Er verweist auf einen warmen Tag im Juli am Lanker See bei Preetz im Kreis Plön: Urlauber, Familien und Kinder seien ins Freibad am See geströmt. Trotz Windstille und angenehmer Temperaturen sei jedoch niemand „freiwillig“ ins Wasser gegangen. Dicke Blaualgenmatten überzogen „wie ausgegossene Farbe das Wasser mit einem dichten Film“. Wenige Vögel suchten in der Brühe nach Nahrung, gefunden hätten sie kaum etwas, so Pusch.

Bade-Ekel in der „Nährstoffbrühe“ – der Nabu sieht darin sowie in Daten zur Wasserqualität ökologische Alarmzeichen. „Die Seen im Land sind in einem schlechten Zustand – der ungebrochene Abwärtstrend setzt sich fort“, sagt Pusch. So auch im Lanker See, dessen Zustand sich verschlechtere.

Dem widerspricht das Umweltministerium: „Es gibt seit den 90er Jahren Verbesserungen“, sagt Sprecher Sönke Wendland. Auch für den Lanker See ließen sich „aktuell leichte Verbesserungen erkennen“. Gleichwohl würden noch nicht die Werte von 2002 erreicht, als der See als „mäßig“ eingestuft wurde, räumt das Ministerium ein. Derzeit gelte der ökologische Zustand als „unbefriedigend“. Ursache sind zu hohe Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet der Schwentine.

Hier – wie auch an anderen Gewässern im Norden – arbeiteten Landwirte und Ministerium jedoch seit 2013 gemeinsam an einer Verbesserung. Zudem seien Randstreifen entlang von Gewässern inzwischen Pflicht. Hier sind Grünlandumbruch, Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz verboten. Darüber hinaus werde die Düngeverordnung zurzeit novelliert, so Wendland. In dem Entwurf ist festgeschrieben, dass zukünftig auch Gärreste aus Biogasanlagen bei der Düngung anzurechnen sind. Die Novelle soll voraussichtlich Ende Dezember im Bundesrat verabschiedet werden.

Der Kreis Plön indes sah sich am Lanker See zu einem Badeverbot noch nicht genötigt. Hier habe das Gesundheitsamt am Dienstag das Badewasser am unter die Lupe genommen, sagte Björn Demmin, Sprecher des Kreises Plön. „Für ein Badeverbot gab es keine Veranlassung.“ Und heute werde die Behörde die Blaualgendichte des Sees erneut untersuchen.  

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erstellt am 05.Aug.2015 | 18:56 Uhr

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