Rendsburg : Bittere Klagen über Lehrermangel

Weniger Unterricht, kein Ersatz in Krankheitsfällen - in Rendsburg häufen sich die Beschwerden über die mangelhafte Lehrerversorgung. Foto: dpa
Weniger Unterricht, kein Ersatz in Krankheitsfällen - in Rendsburg häufen sich die Beschwerden über die mangelhafte Lehrerversorgung. Foto: dpa

"Kinder sind keine Akten, die man von A nach B schieben kann": In Rendsburg melden sich immer mehr Schulleiter und Eltern zu Wort, die sich über eine mangelhafte Lehrversorgung an Schulen beklagen.

Avatar_shz von
23. September 2011, 12:33 Uhr

Rendsburg | Die Grundschule Obereider ist nicht allein. Nach der Darstellung der Probleme, die sich aus der mangelhaften Lehrerversorgung an der kleinen Schule in der Parksiedlung ergeben, meldeten sich bei der Landeszeitung viele Eltern, Elternvertreter und auch Schulleiter, die allerdings zum Teil ihre Namen nicht in der Zeitung oder im Internet sehen wollten. "Auch bei uns werden die Kinder in andere Klassen verteilt und zeitweise auch nur beschäftigt", sagte ein Rektor. Die zugewiesenen Lehrerstunden seien gekürzt worden, in Krankheitsfällen gebe es häufig keinen Ersatz, und die Anforderungen würden immer größer. "Wir wissen kaum noch, wie wir unsere Aufgaben vernünftig erfüllen können."
Am 4. Oktober findet im Rendsburger Kreishaus eine ganztägige Fortbildung zu dem Thema "individuelles Lernen" für Grundschullehrer mit den Fächern Deutsch, Mathe und HSU statt. Eine sinnvolle Veranstaltung, die bei einigen Lehrern allerdings nur auf Verbitterung stößt. "Individuelles Lernen ist prima", sagte eine Lehrerin aus den Rendsburger Umland, "in unseren großen Klassen aber unmöglich in die Praxis umzusetzen".
"Die Schüler werden in andere Klassen aufgeteilt, man schiebt hin und her"
Mario Faix, ein Vater aus Borgstedt, berichtete mit Blick auf die Schule Obereider über "fast identische Bedingungen" an der Grundschule seiner Gemeinde. Sein siebenjähriger Sohn geht dort in die zweite Klasse und sei in den ersten Wochen nach den Ferien im Lehrstoff überhaupt nicht vorwärts gekommen. Bis zu vier Lehrer seien - zeitlich gestaffelt - krank gewesen, zudem sei auch der Schulleiter ausgefallen. "Sogar der Hausmeister hat zeitweise den Schulsport übernommen. An einem Tag waren Kinder völlig unbeaufsichtigt und mussten sich selbst eine Klasse suchen, die mit einem Lehrer besetzt war", berichtet Faix. Das alles sei ein Unding. "Ein Hausmeister soll Löcher in die Wand bohren, aber nicht unsere Kinder unterrichten." Was die Personalnot angehe, so Faix, könne man den Lehrern selbst keinen Vorwurf machen. "Die meisten bemühen sich sehr." Kritisch findet er allerdings, dass die Eltern nicht über die Situation informiert wurden. "Es gab keinen Elternbrief."
Einen Entschuldigungsbrief der Schulleitung erhielten dagegen die Eltern der Grundschule am Park in Hohenwestedt, teilte Elternvertreterin Martina Lewin mit. "Die können ja nichts dafür, wenn Lehrer erkranken und Kiel keine Vertretungen genehmigt", ärgert sich die Mutter, deren Kind die zweite Klasse besucht. Und so arbeiteten auch in Hohenwestedt alle Lehrer an ihren Grenzen. "Die Schüler werden in andere Klassen aufgeteilt, man schiebt hin und her." Unterrichtsausfälle gebe es dennoch. "Weil eine Lehrerin langzeiterkrankt ist, fallen in der vierten Klasse die zwei Wochenstunden HSU-Unterricht bisher ersatzlos aus", so die Mutter.
"Kinder sind keine Akten, die man von A nach B schieben kann, es geht um Vertrauensverhältnisse", ärgert sich Regina Meyn aus Rendsburg, die seit Jahren ähnliche Erfahrungen macht. Ihre beiden Töchter besuchen das Rendsburger Helene-Lange-Gymnasium ("Hela") beziehungsweise das Berufsbildungszentrum (BBZ) in der ehemaligen Heinrich-de-Haan-Schule. "Auf der ,Hela fiel einmal eine Woche lang der Englischunterricht aus, Kunst und Musik findet gar nicht mehr statt." Ihre zweite Tochter sei häufig gar nicht zur Schule gegangen, weil sie sich dort hätte selbst beschäftigen müssen. "Bei der Lehrerzuweisung werden keine Pufferkapazitäten eingeplant", meint die dreifache Mutter. Man nehme auch keine Rücksicht auf Veränderungen der Schüler. "Heute ist eine Lehrkraft gleichzeitig auch Sozialarbeiter, muss Deutschkenntnisse vermitteln." Immer heiße es, dass wir unsere Kinder fit für Europa machen müssen. "Ich würde mich schon freuen, wenn wenigstens der vorgesehene Unterricht stattfindet." Die Mutter eines Kindes aus der Stapelholmschule in Erfde beklagte sich darüber, dass es seit den Sommerferien in einer sechsten Klasse keinen Regelunterricht, sonern viele Fehlstunden gebe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen