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Nitrat : Biogasanlagen bringen Trinkwasser in Gefahr

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Gärreste als Dünger: Ein Kieler Experte warnt vor den Folgen der Nitrat-Belastung.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 07:47 Uhr

Die Gärreste aus Schleswig-Holsteins mittlerweile 630 Biogasanlagen drohen zum Risiko für die Gesundheit zu werden: „Gemeinsam mit den herkömmlichen Güllemengen bringen sie die Sicherheit des Grundwassers immer stärker in Gefahr“, warnt Professor Friedhelm Taube von der Kieler Universität. Der Forscher, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Agrarpolitik, hat in einer neuen Studie errechnet: Die Biogas-Gärrückstände allein in Schleswig-Holstein entsprechen dem Mist von 150.000 Kühen. Das wiederum ist so viel wie ein Viertel des Gülleaufkommens in ganz Deutschland.

Zahlen des Kieler Umweltministeriums untermauern die Sorge Taubes: 22 von 55 Grundwasserkörpern im Hauptgrundwasserleiter befinden sich durch Nitrat und teils auch Pflanzenschutzmittel in einem schlechten Zustand. Das betrifft die Hälfte des Landes. Gemeldet werden dort durchschnittlich mehr als 55 Milligramm Stickstoff pro Liter. Der Grenzwert beträgt 50 Milligramm. Unter Grünland werden lediglich 20 Milligramm gemessen.

Die Erkenntnisse erneuern für Taube die Dringlichkeit, dass das Ausbringen von Gärrückständen in der Düngemittelverordnung berücksichtigt werden müsse. In einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern ist dies Konsens; Schleswig-Holstein hat dazu eine Bundesratsinitiative gestartet. Bisher ist nur der Umgang mit Substraten tierischen Ursprungs, also klassischer Gülle, begrenzt – auf maximal 170 Kilogramm Nitrat pro Hektar und Jahr. Für pflanzliche Gärstoffe wie aus dem Mais der Biogasanlagen gibt es keine Regeln.

Wenn ein Grenzwert wie für tierische Gülle kommt, prognostiziert Taube in seiner Studie für die Kreise Schleswig-Flensburg, Nordfriesland und Steinburg gewaltige Überkapazitäten der Substrate: Dort würde die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht zur Ausbringung reichen. Kostspielige, die CO2-Bilanz belastende Transporte wären erforderlich. Die drei Kreise sind besonders betroffen, weil sich dort auf der Geest die Problematik ballt: Dort konzentrieren sich die Biogasanlagen, dort wird für sie auf vergleichsweise schlechten Böden der anspruchslose Mais angebaut – und dort werden sie meist in der Kombination mit Milchviehhaltung betrieben. „Ausgerechnet der sandige Geestboden lässt aber das Nitrat mehr oder weniger ungefiltert in die Tiefe sickern“, schildert Taube. Verschlimmert werde die Misere durch den Expansionsdruck der Milchviehbetriebe angesichts des Wegfalls der Milchquote. Das wiederum erzeuge mehr herkömmliche Gülle. „Das Problem verschärft sich aus zwei Richtungen.“

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) fordert: „Die Landwirte in Schleswig-Holstein müssen effizienter düngen – dann können sie auch bei Düngemitteln sparen“.

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