Orkantief „Alexandra“ in SH : Bilder von Sturm, Schmuddelwetter und Niedrigwasser

Der Strand in Holnis Drei ist leergefegt. Auch das Wasser hat sich zurückgezogen.
Der Strand in Holnis Drei ist leergefegt. Auch das Wasser hat sich zurückgezogen.

Sturmtief „Alexandra“ sorgt für schlechtes Wetter in SH und Niedrigwasser an der Ostseeküste. Am Freitag kommt Tief „Billie“. shz.de mit Bildern aus Flensburg und der Umgebung.

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11. Dezember 2014, 13:53 Uhr

Flensburg | Erst kam das Tief „Alexandra“, das zurzeit südöstlich von Island lauert. Und während dieser Unwetterbote noch auf dem Weg Richtung Mitteleuropa ist, entwickelt sich über dem Atlantik mit „Billie“ bereits ein neues Tief, das voraussichtlich am Freitag auf Deutschland treffen wird. Bereits gestern sorgten Windböen und Starkregen für ungemütliches Wetter in Schleswig-Holstein. Der starke Wind hat auch andere Folgen. Entlang der Flensburger Förde hat sich das Wasser teils zurückgezogen.

„Grund dafür ist der starke Westwind“, sagt Diplom-Meteorologin Alina Voß von der WetterWelt GmbH. Der sogenannte Windschub sei verantwortlich dafür, dass das Wasser wörtlich aus der Förde rausgedrückt werde. In Flensburg ist der Wasserpegel seit Mittwochnachmittag zwar wieder angestiegen, weiterer Sturm könnte den Hafen ab Freitag aber erneut trockenlegen, so die Expertin. „Der Wind wird auch am Freitag anhalten und mit Kraft auf die Wasseroberfläche drücken.“

Der Flensburger Hafen liegt auf dem Trockenen. Das Foto entstand am Mittwochmittag. Der Pegelstand betrug 3,80 Meter. Das sind 1,50 weniger als normal.
Carlo Jolly
Der Flensburger Hafen liegt auf dem Trockenen. Das Foto entstand am Mittwochmittag. Der Pegelstand betrug 3,80 Meter. Das sind 1,50 weniger als normal.

Am Donnerstag hat sich die Lage am Hafen kurzzeitig entspannt. Das Wasser ist zurück in Richtung Hafenspitze gelaufen. Noch immer ist es aber niedriger als normal. „Die Flensburger Förde ist bei anhaltendem starken Westwind prädestiniert für dieses Wetterphänomen, da sie sich in West-Ost-Richtung erstreckt“, sagt Voß.

Heute liegt der Pegel wieder bei 4,79 Meter (12 Uhr). 5,30 Meter wären normal. 
Hencke
Heute liegt der Pegel wieder bei 4,79 Meter (12 Uhr). 5,30 Meter wären normal. 

Bootsbesitzer müssen im Augenblick noch einen kleinen Sprung in die Tiefe wagen, um auf ihr Boot zu gelangen.

Die Boote liegen tief. Der Wasserstand ist noch immer unter Normalniveau.
Hencke
Die Boote liegen tief. Der Wasserstand ist noch immer unter Normalniveau.

Ähnlich sieht es in Solitüde aus. Nur ein paar eiserne Hundehalter gehen mit ihrem Vierbeiner vor die Tür. Die Hunde haben den „Eigentlich-will-ich-lieber-vor-der-Heizung-liegen-Blick“, die vermummten Spaziergänger denken wohl ähnlich. Wäre das miese Wetter nicht, könnte Solitüde bei Flensburg aktuell Sankt Peter-Ording Konkurrenz machen. Der Strand ist breiter denn je. Im Hintergrund nähert sich der nächste Starkregen. Weiter geht es also.

Niedrigwasser in Solitüde.
Hencke
Niedrigwasser in Solitüde.

Die Promenade in Glücksburg ist verwaist. Niemand ist zu sehen, alles ist geschlossen. Es regnet. Damit der Sand nicht auf die Promenade gefegt wird, sind schwarze Windbarrieren aufgestellt worden. Die große Uhr wackelt im Wind. Es ist kalt – und dunkel.

Hier will keiner unterwegs sein: Die Glücksburger Strandpromenade.
Hencke
Hier will keiner unterwegs sein: Die Glücksburger Strandpromenade.

Keine Menschenseele ist in Holnis Drei unterwegs. Der Kiosk und der Strandkorbverleih sind winterfest verrammelt und auch das Wasser hat sich zurückgezogen. Ein paar Enten und Möwen suchen am Strand nach Essbarem. Der Wasserstand ist auch hier niedriger als normal, man muss jedoch genau hinsehen, um die kleinen Sandbänke zu erkennen, die sonst unter Wasser liegen.

Der Strand in Holnis Drei ist leergefegt. Auch das Wasser hat sich zurückgezogen.
Hencke
Der Strand in Holnis Drei ist leergefegt. Auch das Wasser hat sich zurückgezogen.

In Bockholmwik ist am Yachthafen kein einziges Boot mehr im Wasser. Ungemütlich wirkt der Campingplatz direkt am Wasser, wo hartgesottene Dauercamper aus den trüben Plastikfenstern ihres Wohnwagens auf die Förde blicken. Hier sieht man wieder etwas mehr Wasser.

Der Strand in Bockholmwik.
Hencke
Der Strand in Bockholmwik.

In Wassersleben bei Flensburg sieht es nicht besser aus. Andere Fördeseite, dasselbe Bild. Hier hat der Wind das Wasser zurückgedrängt, es regnet in Strömen und jeder der sich auf ein Sofa kuscheln kann, tut es. Auch hier keine Spaziergänger, dafür aber zwei Dänen, die am Grenzshop in windeseile Bierdosen in den Autoanhänger laden.

Der Strand in Wassersleben ist im Sommer gut besucht. Heute ist keine Menschenseele da.
Hencke
Der Strand in Wassersleben ist im Sommer gut besucht. Heute ist keine Menschenseele da.

Das Ostseebad ist Flensburgs Hausstrand – zumindest einer davon. Im Sommer trifft man hier viele Badegäste. Heute ist auch hier nur ein Mann mit Hund unterwegs. Der Steg des örtlichen Ruderklubs liegt auf dem Trockenen, doch paddeln will heute vermutlich niemand. Zurück zum Auto kommen Sturzbäche die Straße herunter.

Das Ostseebad ist Flensburgs Hausstrand. Hier kann man normalerweise nicht stehen. Am Donnerstagmittag ist es möglich.
Hencke
Das Ostseebad ist Flensburgs Hausstrand. Hier kann man normalerweise nicht stehen. Am Donnerstagmittag ist es möglich.

In Eckernförde ist der Strand auch breiter als gewöhnlich. Das Bild vom Mittwochnachmittag zeigt, wie weit der Wind das Wasser zurückgedrängt hat.

Der Strand in Eckernförde.
Eckernförde Touristik
Der Strand in Eckernförde.

In Schleswig förderte das zurückgepustete Wasser einen Drahtesel zutage.

Ein Fahrrad kam ans Licht, als das Wasser zurück ging.
Harding
Ein Fahrrad kam ans Licht, als das Wasser zurück ging.
 

Zurück in Flensburg erinnert nur der Weihnachtsbaum auf dem Segler „Ryvar“ an die Adventszeit. Was das Wetter betrifft, fühlt sich alles mehr nach Herbst an. Der Deutsche Wetterdienst rechnet damit, dass der Wind gegen Abend abnimmt, um dann morgen Vormittag wieder zuzunehmen. In Böen kann der Wind Spitzenwerte von bis zu 111 Stundenkilometern auf Sylt und bis zu 72 km/h in Flensburg erreichen.

Dass das Wasser nach Abflauen des Windes aber zu Überschwemmungen in den Häfen führt, sei unwahrscheinlich sagt die Diplom-Meteorologin. „Dafür bedarf es einer besonderen Wetterlage, bei der der Wind auf Ost dreht und dann das Wasser zusätzlich zurück schiebt.“ Aktuell drehe der Wind von Süd-West auf Nord-West. Immer wieder kommt es in Flensburg dazu, dass das zurückschwappende Wasser über die Hafenkante drängt.

Für das kommende Wochenende sieht Meeno Schrader, Diplom-Meteorologe von der WetterWelt GmbH, die nächste gute Chance für eine leergefegte Förde: „Der Wasserstand soll am Sonnabend einen Meter unter Normalniveau liegen“.

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