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Urteil in Bad Segeberg : Bewährungsstrafe: Mutter ließ Kind zwei Tage allein

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Sie ließ ihr Kind 40 Stunden allein, um Freunde zu besuchen. Das Amtsgericht in Bad Segeberg verurteilte sie jetzt zu neun Monaten Haft. Doch die eigentliche Strafe wiege noch schwerer.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 15:42 Uhr

Bad Segeberg | Eine Mutter, die ihre 17 Monate alte Tochter fast zwei Tage lang unversorgt allein ließ, um Freunde in Hamburg zu besuchen, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Bad Segeberg sprach die geständige 31-jährige Frau am Donnerstag der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig. Dafür hielt die Amtsrichterin eine neunmonatige Freiheitsstrafe für angemessen. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. In dieser Zeit muss sich die Frau mindestens ein Jahr lang einer Therapie unterziehen und darf sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Die kleine Tochter war stark dehydriert gerettet worden - dank einer Nachbarin, die das Kind stundenlang weinen gehört hatte. Sie alarmierte zunächst das Jugendamt. Doch als das Amt auch einen Tag später noch nicht angemessen reagierte, rief sie die Polizei.

Rettungskräfte befreiten das Kind aus der Wohnung. Es kam stark dehydriert ins Krankenhaus. Ein weiterer Tag hätte lebensbedrohlich sein können für das Kind, betonte die Richterin. Das Mädchen lebt seither bei einer Pflegefamilie. Als die Mutter aus Hamburg zurückkehrte, war das Türschloss ausgewechselt.

Die Motive der Frau blieben für die Öffentlichkeit im Dunkeln. Presse und Zuschauer wurden während der zweistündigen Vernehmung der Frau zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte ausgeschlossen. Auch als eine Nebenklägerin sich zum heutigen Zustand des Kindes äußerte, war die Öffentlichkeit nicht zugelassen. Die Richterin betonte, dass das kleine Mädchen nach Auskünften der Ärzte gut versorgt und gut entwickelt war. Zugunsten der Frau wurde auch ihr Geständnis gewertet. Aber an Einsichtsfähigkeit, das betonte nicht nur der Staatsanwalt, mangelt es der jungen Frau anscheinend noch. Deshalb wurden Therapie beziehungsweise Beratung verpflichtend angeordnet.

Ankläger und Nebenklägerin hatten sich für eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ausgesprochen. Die Verteidigerin bat um eine mildere Strafe. Ohne weitere Erläuterung deutete sie in ihrem Plädoyer an, dass die Tatumstände „von Drohung, Angst und Panik geprägt“ waren.

Die schlimmste Strafe für die Frau aber sei, dass sie ihre Tochter nicht mehr bei sich habe. 

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