Tritt ins Gesicht : Bewährungsstrafe für böses Fußball-Foul

Ein brutaler Tritt bei einem Streit auf dem Fußballplatz in Böel endete für einen Mann mit schweren Kopfverletzungen. Der Täter wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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09. Dezember 2012, 01:45 Uhr

schleswig | Sackaria I. verließ das Amtgericht Schleswig am Freitag als freier Mann, jedoch mit einer immensen Last auf seinen Schultern. Die Verhandlung um den bösen Tritt in einem Kreisklassen-Fußballspiel am 15. September in Böel endete mit der Verhängung einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der 26 Jahre alte ehemalige Spieler von Schleswig 06 an sein 23 Jahre altes Opfer Fleming Eike P. vom FC Angeln 02 weitere 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen. 6000 Euro hatte I. bereits im Vorwege freiwillig überwiesen.
P. hatte durch den Tritt ins Gesicht, den das Gericht nach der Anhörung von vier Zeugen als erwiesen ansah, einen doppelten Kieferbruch erlitten. Zweimal musste er operiert werden, ein dritter Eingriff steht bevor. Neun Wochen war der Zeitsoldat krankgeschrieben, ein Taubheitsgefühl an Mund und Kinn wird P. als Folge der Verletzung sein Leben lang ertragen müssen.

"Das ist die allerletzte Warnung"

Richterin Carolin Siemsen folgte mit ihrem Urteil weitgehend den Anträgen von Oberstaatsanwalt Otto Gosch, der für die schwere Körperverletzung 15 Monate auf Bewährung gefordert hatte, sowie von Verteidiger Peter Paul Thode, der das Strafmaß ins Ermessen der Vorsitzenden gestellt, vor allem aber auf eine Bewährung gezielt hatte. Direkt nach dem Urteil erklärten beide Seiten den Verzicht auf weitere Rechtsmittel. Die Richterin entließ den einschlägig Vorbestraften, der zur Tatzeit unter Bewährung stand, mit eindringlichen Worten: "Das ist die allerletzte Warnung. Das berühmte Damoklesschwert sitzt schon an ihrer Kopfhaut." Der geringste Vorfall ähnlicher Art oder ein Verstoß gegen Bewährungsauflagen würden dazu führen, dass die Strafe vollzogen werde.
Dass Sackaria I., der aus zweimonatiger Untersuchungshaft in Handschellen vorgeführt wurde, nicht zurück hinter Gitter musste, hatte er seinem eindrucksvollen Auftritt vor dem Amtsgericht, seinen Bemühungen um einen Täter-Opfer-Ausgleich und einem in der Haft begonnenen Anti-Gewalttraining zu verdanken. Überdies kündigte er an, für alle Schäden, die aus seiner Tat resultieren, aufzukommen - auch für solche, die sich möglicherweise erst in der Zukunft zeigten. Anwalt Thode schätzt, dass der Blackout seinen Mandanten, der als Angestellter im Autohandel seines Vaters 900 Euro im Monat verdient, wohl um die 50.000 Euro kosten werde.

"Wir sind nicht beim Schach"

Sackaria I., deutscher Staatsangehöriger mit libanesischen Wurzeln, war das Musterbild eines reumütigen Sünders. Mit leiser, klarer Stimme gab er einen Einblick in sein Innerstes. "Es war mein falscher Stolz, dass ich Aggressivität in Gewalt umgesetzt habe", sagte der 26-Jährige und beschrieb, wie ihn U-Haft und Anti-Gewalttraining gewandelt hätten. "Ich habe viel über mein Leben gelernt. Ich habe erkannt: So geht es nicht weiter. Mir ist klar geworden, wem ich geschadet habe: Fleming, seiner Familie und meiner Familie." Es habe ihm gut getan, seinem Therapeuten sein Herz zu öffnen. Er habe gelernt, wie er künftig Situationen vermeidet, in denen ihm sein Aggressionspotenzial zum Verhängnis werden kann.
Am 15. September war er davon noch weit entfernt. Da trafen "zwei Problemfälle, zwei Hitzköpfe" (Staatsanwalt Gosch) aufeinander, die sich gegenseitig provozierten. Dass das Opfer kein Kind von Traurigkeit ist, wurde in der Verhandlung deutlich. Genervt reagierte P. auf Fragen von Anwalt Thode: "Langsam komme ich mir blöd vor. Wenn Sie mir Zettel und Bleistift bringen, kann ich Ihnen das aufschreiben." Auch dass es im Fußball schon mal rustikal zur Sache ginge, ließ P. das Gericht wissen: "Wir sind nicht beim Schach." Die Bitte um Entschuldigung von I. schlug er zunächst aus, das werde er sich überlegen.

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