Landgericht Kiel : Betrug mit Krebsmitteln: Apotheker vor Gericht

Zwei frühere leitende Apotheker aus Rendsburg sollen in Deutschland nicht zugelassene Krebsmedikamente mit Krankenkassen abgerechnet haben. Jetzt stehen sie vor Gericht.

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13. Juni 2013, 12:18 Uhr

Kiel | Die Anklage lautet in je 161 Fällen auf Betrug sowie Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Die Staatsanwältin bezifferte den Schaden von Januar 2006 bis April 2007 auf rund 75.000 Euro. Patienten wurden aber anscheinend nicht beeinträchtigt. "Uns sind bis jetzt keine Schädigungen an Patienten bekannt", sagte die Staatsanwältin in einer Verhandlungspause.
Laut Anklage bezogen die Apotheker für Bosnien und Ägypten vorgesehene kostengünstige Krebsmittel, die in Deutschland nicht zugelassen waren und rechneten sie verbotswidrig und erheblich teurer mit den Kassen ab. Die 64 und 53 Jahre alten Angeklagten wirtschafteten aber nicht in die eigene Tasche. Sie "wollten ihrem Krankenhaus den größtmöglichen finanziellen Vorteil verschaffen", sagte die Staatsanwältin.

Bundesweite Ermittlungen gegen rund 100 von 300 Apotheken

Während der jüngere Angeklagte zunächst schwieg, betonte der damalige Apothekenleiter: "Wir haben in keiner Weise mit der Absicht gehandelt, die Krankenkassen zu betrügen oder uns selbst zu bereichern." Er sei auch nach Gesprächen mit Krankenkassenvertretern davon ausgegangen, dass die Zytostatika als Rezepturbestandteile zulassungsfrei aus dem Ausland bezogen werden dürften. Daraus wurden dann die Injektionslösungen für die Chemotherapie hergestellt. Jede Dosis koste die Kassen rund 3000 Euro, sagte der Sprecher der Techniker Krankenkasse in Hamburg, Hermann Bärenfänger, auf Anfrage.
Ein Händler aus Dänemark habe "ausgepackt", sagte Bärenfänger. Bei ihm hätten deutsche Apotheken Zytostatika günstig geordert - und dann teurer mit den Kassen abgerechnet. TK und die AOK hätten daraufhin bundesweite Ermittlungen gegen rund 100 von 300 Apotheken ins Rollen gebracht, die Injektionslösungen für die Chemotherapie zubereiten durften. Einige Verfahren seien bereits eingestellt, weil der Sachverhalt juristisch schwer greifbar sei, sagte der TK-Sprecher. Nach seinen Angaben gibt es bundesweit rund 22.500 Apotheken.
Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Das Urteil wird für den 20. Juni erwartet.

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