Lübeck : Besucheransturm bei Seligsprechung erwartet

Seligsprechung von drei Lübecker Märtyrern: Die katholische Kirche ehrt die Kapläne für ihre Kritik am Nationalsozialismus. Sie fanden 1943 den Tod durchs Fallbeil.

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16. Juni 2011, 08:58 Uhr

Lübeck | Mehr als 9000 Karten sind vergeben, 60 Reisebusse werden erwartet, die Parade ist am 25. Juni gesperrt, eine Live-Übertragung ist geplant: Mit der Seligsprechung von drei Lübecker Märtyrern sieht die katholische Kirche einem Großereignis entgegen.
Nach dem Bombenangriff vom 28. auf den 29. März 1942 wurden der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink und die drei katholischen Kapläne Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek verhaftet. Allen vier Geistlichen, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber standen, verurteilte der Volksgerichtshof zum Tod. Am 10. November 1943 fiel in Hamburg das Fallbeil. Die Seligsprechung der drei Kapläne werde das gemeinsame Gedenken der vier Märtyrer fördern, sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen. Gemeinsam mit Pastorin Constanze Maase rollte er gestern bereits den roten Teppich aus.
Die Feierlichkeiten beginnen denn auch am Vorabend, dem 24. Juni, mit einem evangelischen Gottesdienst in der Lutherkirche, Moislinger Allee 96. Da mit starkem Interesse gerechnet wird, soll die Feier auf die Lutherwiese übertragen werden. Für den 25. Juni wird auf der Parade eine Bühne aufgebaut. Das Vorprogramm mit Musik, Interviews und Informationen wird in den Dom und auf die Freilichtbühne am Wall übertragen. Um 11 Uhr beginnt die Feier der Seligsprechung mit mehreren Kardinälen, Erzbischöfen, Bischöfen sowie ökumenischen Anteile. So wird Lübecks Pröpstin Petra Kallies einen Text lesen. Um 13 Uhr beginnt das Fest der Begegnung auf der Domwiese und an der Parade eingeladen. In der Propsteikirche Herz Jesu zeigte eine Ausstellung, dass die jungen Geistlichen ganz normale Menschen waren. Da das katholische Erzbistum Hamburg die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg umfasst, haben auch die Spitzen von Staat und Gesellschaft zugesagt, darunter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen.
(ill, shz)

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