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Kiel und Lübeck : Besondere Hotelgäste in der eigenen Stadt

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Kieler und Lübecker müssen nicht weit fahren, um sich zu erholen: Mit einer Rabatt-Aktion können es sich Einheimische in ausgewählten Hotels gemütlich machen. Auch andere Orte in SH zeigen Interesse an der Idee. Denn dahinter steckt mehr als nur ein Bettenwechsel.

shz.de von
erstellt am 29.01.2014 | 06:30 Uhr

Kiel/Lübeck | Am schönsten ist es immer noch zu Hause, in den eigenen vier Wänden. Doch manchmal kann auch dort die Decke auf den Kopf fallen. Dann kann einen das Gefühl beschleichen, mal unbedingt „rauskommen“ zu wollen. Doch leichter gesagt als getan. Für einen Kurztrip in eine andere Stadt reicht oft nicht die Zeit – oder der Geldbeutel spielt nicht mit.

Wer in Kiel oder Lübeck lebt, muss sich um Zeit und Geld allerdings nicht ganz so viele Gedanken machen, wie andere Schleswig-Holsteiner. Für sie heißt es in der düsteren Jahreszeit: Betten- bzw. Tapetenwechsel – in der eigenen Stadt. „Kieler sollen die Kieler Hotels kennenlernen“, sagt Petra Itrich vom Kiel-Marketing über den Grund für die Aktion in der Landeshauptstadt, die nun zum zweiten Mal nach 2013 durchgeführt wird.

Und so funktioniert es: Kieler Bürger können in insgesamt 15 Hotels – vornehmlich in der Innenstadt – zu einem stark vergünstigten Preis ein Zimmer buchen. Je nach Hotel-Kategorie variieren die Preise von 19 bis 49,50 Euro pro Person im Doppelzimmer. Seit Ende Dezember und bis Anfang März läuft der Bettenwechsel.

Es ist eine typische Win-win-Situation: Die einheimischen Gäste sind im Urlaubs-Modus, obwohl sie vielleicht nur ein paar Schritte von ihrem Haus entfernt sind. Einige Unterkünfte bieten zur Entspannung einen Wellness-Bereich an. Für die Hotels bedeutet die Aktion eine bessere Auslastung. Klar: Januar und Februar sind nicht gerade Reisezeit. Außerdem können die Herbergen auf positive Spätfolgen hoffen – wenn die einheimischen Gäste beispielsweise für eine Familienfeier auf sie zurückkommen. Laut Kiel-Marketing ist die Aktion ein voller Erfolg: „Der Bettenwechsel wird sehr gut angenommen, vor allem im 4-Sterne-Bereich. Die Gäste wollen sich einmal Luxus gönnen“, sagt Itrich. 2013 zählten die Hotels 509 Bettenwechsel-Gäste, in diesem Jahr werden es wohl noch mehr. Mitte Januar seien bereits 430 Buchungen eingegangen, so Itrich weiter.

Karsten Burgemeister ist einer von fünf Hoteliers, der Lübecker mit der Rabatt-Aktion Tapetenwechsel anlocken möchte. Das Prinzip unterscheidet sich kaum von dem in Kiel. Gäste zahlen entweder 19,90 oder 29,90 Euro pro Nacht im Doppelzimmer. Die Hansestadt ist in Schleswig-Holstein Vorreiter – seit 2012 können Einheimische im Januar und Februar Hotelgäste in der eigenen Stadt sein. „Die Aktion bringt schon etwas für die Auslastung“, sagt der Direktor des Treff Hotel, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Er freut sich über den „Marketing-Gag“. Seit drei Jahren ist das Haus am Lübecker Bahnhof schon mit im Boot. 15 Prozent der Einnahmen gehen an das Lübeck Travemünde Marketing (LTM), Organisator des Tapetenwechsels.

„Restaurants kennt man ja in der eigenen Stadt“, sagt Doris Schütz von der LTM zum Hintergrund der Aktion. Empfehlungen ließen sich daher leicht aussprechen. Bei Hotels sei das schon schwieriger. „Totale Dumpingpreise“ für Angebote in der Stadt sollen das ändern und die Einheimischen für die Übernachtung um die Ecke begeistern. Mit wachsendem Erfolg, wie Schütz berichtet. Bis vor ein paar Tagen hätten bereits 474 Gäste für den Aktions-Zeitraum reserviert. In den beiden Vorjahren waren es Ende Februar jeweils um die 600. Es scheint, als würde 2014 das beste Jahr für die Kampagne.  

Kiel und Lübeck sind zwar die einzigen Städte im Land, die mit solchen Aktionen auffahren, aber auch andernorts stößt die Idee auf Befürworter – unter anderem auf Sylt. Aber: „Einige kleine Hotels und Pensionen bleiben im Winter sowieso geschlossen“, sagt Jutta Vielberg von der Sylt Marketing GmbH. Ein Überbrücken sei dementsprechend nicht notwendig. Einige Hotels würden jedoch günstige Aktionen anbieten, beispielsweise für Wellness-Tage – aber nicht ausschließlich für Sylter.

Auch Anke Hilgert von der Flensburg Fjord Tourismus GmbH (FFT) hält viel von dem Prinzip Bettenwechsel. Vergleichbare Aktionen gebe es in Flensburg aber zurzeit nicht. Ein Grund: „Die Auslastung scheint auch in der Nebensaison relativ gut zu sein“, sagt Hilgert. Die FFT arbeite mit den Hotels in der Region aber dennoch zusammen, indem sie Rabatt-Aktionen vermarkte.

„Die Nachfrage ist in größeren Städten wie Lübeck oder Kiel eine andere als bei uns“, meint Jutta Albert, Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing Husum GmbH. Mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 20.000 habe Husum ein viel niedrigeres Volumen, sagt sie. „Wer finanziert das, wer macht das Marketing?“

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