Elmshorn : Besen statt Bier: Arbeitslose putzen Bahnhofstunnel

Auch das Elmshorner Wappen im Fußgängertunnel im Bahnhof befreien die fünf Männer vom Schmutz.  Foto: Mulert
Auch das Elmshorner Wappen im Fußgängertunnel im Bahnhof befreien die fünf Männer vom Schmutz. Foto: Mulert

Von wegen nur saufen - die Mitglieder der Bahnhofszene in Elmshorn haben am Montag den Bahnhofstunnel gereinigt. Die Langzeitarbeitslosen bekommen für die Arbeit 25 Euro.

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28. April 2011, 08:25 Uhr

Elmshorn | Die fünf Männer zogen erstaunte Blicke auf sich. Das hätten viele Passanten wohl nicht erwartet: Mitglieder der sogenannten Bahnhofszene schrubbten die Wände im Bahnhofstunnel und befreiten sie vom Dreck. Ausgestattet mit Besen, Schwämmen und einem Hochdruckreiniger putzten sie gemeinsam mit Henning Clasen, Streetworker des Elmshorner Amts für Bürgerbelange, am Montag die Fliesen.
"Es sollte demonstriert werden, dass die Gruppe sich als Teil des Gemeinwesens versteht und vor der eigenen Türe fegt", so Clasen. Den Beteiligten ging es auch da rum, Vorurteile abzubauen. Der 35-jährige Dirk Ollmann: "Ich will der Öffentlichkeit zeigen, dass ich was kann und nicht nur saufe." Der gebürtige Elmshorner gehört zu der Gruppe der Langzeit arbeitslosen, die tagsüber oberhalb des Bahnhofstunnels am Geländer stehen und Bier trinken.
Putzaktion soll auch auf die Misere der Betroffenen hinweisen
An der Reinigungs-Aktion nahm auch Thomas Terrey aus Barmstedt teil. Er kommt oft nach Elmshorn, um sich mit seinen Freunden am Bahnhof zu treffen. "Ich wurde gefragt und habe spontan zugesagt", so der 49-jährige Punker. "Es heißt ja immer, wir machen nichts und sind schlecht. Dabei sind wir friedliche Menschen."
Clasen, der regelmäßig mit den meist Arbeitslosen der Bahnhofszene zu tun hat, will mit der Aktion auch auf die Misere der Betroffenen aufmerksam machen. "Viele fühlen sich gesellschaftlich verdrängt und werden nur als saufende, pöbelnde, arbeitsscheue und verschmutzende Störer des Innenstadtbildes wahrgenommen", so der Streetworker. Dass 99 Prozent von ihnen sich ihre Situation nicht ausgesucht hätten und überhaupt keinen Job mehr bekommen würden, sei in der Bevölkerung weniger bekannt.
Viele Passanten nahmen die Tunnelreinigung durchaus positiv wahr. So auch Renate Weihrauch: "Ich finde das ganz wunderbar." Den Beteiligten brachte das Putzen Spaß. "Es ist schön, einfach mal was zu tun und nicht immer herumzustehen", sagte Patrick Krolzig, der, wie die anderen vier Beteiligten, 25 Euro für die zweieinhalbstündige Arbeit von der Stadt bekam.
(hmu, shz)

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