Carsten Köthe hilft helfen : Beim Reiten vergisst Sixten alle Schmerzen

Nur selten kann Sixten so entspannt lachen wie hier im Wasserstrahl. Foto: sh:z
Nur selten kann Sixten so entspannt lachen wie hier im Wasserstrahl. Foto: sh:z

Sixten ist seit seiner Geburt behindert und auf die ständige Pflege seiner Mutter angewiesen. Hoffnung gibt die Hippotherapie.

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04. Dezember 2012, 11:10 Uhr

Sein Kind zu wickeln, zu füttern und jeden Tag 24 Stunden für es da zu sein, ist für jede Mutter das Natürlichste auf der Welt. Für Kathrin Brümmer aus Lübeck auch, ihr Kind ist jedoch kein Baby mehr, sondern neun Jahre alt.
Ihr Sohn Sixten ist seit seiner Geburt behindert und auf die ständige Pflege seiner Mutter angewiesen. Er kann nur sehr undeutlich sprechen, hat epileptische Anfälle und Spastiken in allen Gliedmaßen. "Mir hat mal jemand erklärt, das ist, als wenn man den ganzen Tag Wadenkrämpfe hat. Jeder, der schon mal einen Wadenkrampf hatte, weiß, wie unangenehm das ist. Das ist Sixtens Normalsituation", berichtet die 36-Jährige. Der Alltag wird damit zu einem ständigen Kampf. Zudem muss Kathrin sich auch um ihren fünfjährigen Sohn Jonte kümmern. Jonte ist gesund, ein anderer Schicksalsschlag blieb der Familie jedoch nicht erspart: Vor vier Jahren starb der Ehemann und Vater der beiden Kinder an Krebs. "Er hatte mehrere Gehirntumore", erzählt die Lübeckerin. Die Kinder waren damals erst eineinhalb beziehungsweise fünf Jahre alt. Ihr Mann war das letzte halbe Jahr vor seinem Tod dement und körperlich schwerbehindert. Was sie noch heute empört: "Er hatte nur die letzten zwei Wochen Pflegestufe. Da ist man ziemlich allein und auch allein gelassen von den ganzen Institutionen, die einen eigentlich unterstützen sollen". Auch für Sixten muss sie immer wieder um jede Unterstützung kämpfen. Viele Dinge, die für andere Menschen überhaupt kein Problem darstellen, können zu Hürden im Alltag mit einer pflegebedürftigen Person werden. So brauchte Sixten, nachdem er einen Wachstumsschub hatte, in der Schule einen neuen Stuhl. Kathrin Brümmer stellte bei der zuständigen Krankenkasse einen entsprechenden Antrag - nach geschlagenen elf Monaten erhielt sie eine Absage. "Ohne dass sich irgendjemand mal vor Ort ein Bild von der Situation gemacht hatte", so die manchmal frustrierte Mutter.

Therapeutisches Reiten

Umso wichtiger ist die Unterstützung durch den Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig-Holstein (lkvm-sh). "Dort habe ich Familien getroffen, die ein ähnliches Schicksal haben. So etwas hilft einem", erzählt Kathrin. Zudem unterstützt der lkvm-sh sie im "Kampf mit den Krankenkassen" und berät in rechtlicher Sicht.
Ein ganz besonderes Projekt des lkvm-sh ist das therapeutische Reiten, das auch Sixten und Kathrin gern regelmäßig in Anspruch nehmen würden. Wann immer es Zeit und Geld momentan erlauben, geht Kathrin mit ihrem kleinen Sohn zur Hippotherapie. "Nach einer kurzen Weile auf dem Pferd ist Sixten schon wesentlich lockerer und kann sich entspannen. Die Tage an denen er Reiten war sind oft die einzigen, an denen der er abends nicht über Schmerzen klagt", so seine Mutter, deren Augen schon beim Gedanken an die Hippotheraphie plötzlich strahlen.

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