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Gesperrt für Lkw : Bei den Polizisten an der Rader Hochbrücke

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Im Einsatz mit der Polizei: Trotz Verbots versuchen Lastwagen über die marode Rader Hochbrücke zu fahren. Von der Polizei werden sie gestoppt. shz.de hat die Beamten besucht.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 10:13 Uhr

Büdelsdorf | Die gelben Blinklichter am Horizont verheißen nichts Gutes. "Himmel, das hat uns noch gefehlt", sagt Hauptkommissar Frank Neubauer. Inmitten einer schier endlosen Blechkarawane aus Richtung Norden nähert sich auf der Autobahn 7 ein Schwertransport. Nach fünf Minuten hat er die Kontrollstelle der Polizei an der A7-Abfahrt Büdelsdorf erreicht. Neubauer und seine Kollegen haben den Auftrag, keine Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht über die marode Rader Hochbrücke zu lassen. Der aus drei Fahrzeugen bestehende Schwertransport muss ausweichen. Er wird den Verkehr auf der Bundesstraße 203 wenig später in ein fast einstündiges Chaos stürzen.
Zehn Polizisten - vier an der Abfahrt Büdelsdorf und sechs am Autobahnkreuz Rendsburg - sorgen derzeit rund um die Uhr dafür, dass keine Laster und Reisebusse über die Rader Hochbrücke fahren können. Werktags wird in drei Schichten gearbeitet, am Wochenende in zwei. Um Ruhe- und Erholungszeiten gewährleisten zu können, wurden für diesen Auftrag knapp 70 Beamte abgestellt. Sie kommen aus Neumünster, Kiel und Rendsburg. Ein großes Kontingent stellt zudem die Autobahnpolizei in Schuby, zu der auch Beamte aus Schleswig und Husum zählen.

Lichter ausschalten, um nicht als Lkw erkannt zu werden

Einer von ihnen ist Dirk Jacobsen. Er ist an diesem Abend der erste Kämpfer an der Front und hält Ausschau nach Lkw-Fahrern, die durchbrechen wollen, um sich den Umweg über Eckernförde oder durch den Kanaltunnel zu ersparen. Seine Schicht begann um 20.30 Uhr und endet acht Stunden später. "Es ist anstrengend, immer in die Scheinwerfer zu blicken", sagt er. Aufmerksamkeit ist gefordert, denn einige Fahrer arbeiten mit allen Tricks. Mitte vergangener Woche schalteten mehrere Brummi-Kapitäne nachts einen Großteil ihrer Frontbeleuchtung ab, als sie auf die Kontrollstelle zufuhren. Lediglich die kleinen Leuchten in der Stoßstange ließen sie an und sahen damit aus der Ferne wie Autos aus. Im letzten Augenblick wurden sie dennoch erkannt. Eines dieser Gespanne brachte Jacobsen erst zwei Meter vor der Polizeikelle zum Stehen. Kollege Neubauer kann es kaum fassen: "Die legen es wirklich darauf an, aber hier kommt keiner durch."
Jacobsen ist froh, die Nachtschicht abbekommen zu haben. Während der heißen Tage der vergangenen Woche war der Arbeitsplatz Autobahn tagsüber kaum zu ertragen. Das Außenthermometer des Streifenwagens, der die Überholspur blockiert, zeigte in der Spitze 51 Grad Celsius an. So ist zu erklären, dass die Polizisten an der Brücke permanent gegen die Dienstvorschrift verstoßen, die ihr Auftreten in der Öffentlichkeit regelt. Demnach ist stets eine Mütze zu tragen - bei der Hitze eine Tortur. Zumal es kaum eine Chance auf Abkühlung gibt. Zwar haben sich die Beamten Sonnenschirme aufgestellt, doch da der Asphalt die Hitze reflektiert, nützen diese wenig.

Geschmolzene Schokoriegel und lauwarme Apfelschorle

Und kühle Erfrischungen gibt es auch nicht. Im grünen Polizei-Mobil, ausgestattet mit Sitzbänken und einem Tisch, ist zwar eine elektrisch betriebene Kühlbox vorhanden. Bei diesen Außentemperaturen hat sie aber schnell schlapp gemacht. Die Beamten fischen aus ihr geschmolzene Schokoriegel heraus. Dazu gibt es eine lauwarme Apfelschorle. Über die Arbeitsbedingungen und die Arbeit als solche gibt es dennoch keine Klagen. "Zwar ist das hier für alle Kollegen mit großen Belastungen verbunden, aber ich habe hier noch keinen erlebt, der die Notwendigkeit dieses Einsatzes anzweifelt", sagt Hauptkommissar Neubauer.
Zurück zum Schwertransport. Er verlässt soeben die Autobahn und quält sich die Steigung zum Kreisverkehr herauf, der die A7-Abfahrt mit der B203 verknüpft. "Das wird sehr eng", fürchtet Neubauer und behält Recht. Das erste der drei jeweils 46 Meter langen und mit den Flügeln von Windkrafträdern beladenen Gespanne fährt sich prompt fest. Die Zugmaschine steht in den Rabatten. Minutenlang geht es weder vor noch zurück. Der Verkehr staut sich bis auf die Autobahn.

Grasnarbe spritzt wie Wasser empor

Die Polizisten ärgern sich und drängeln. Denn es stellt sich laut Neubauer heraus, dass die Transportfirma die Strecke nicht vorher abgefahren hat, wie es Vorschrift gewesen wäre. Neubauer: "Nun haben wir den Salat." Nach 20 Minuten weiß sich der Lasterfahrer nicht mehr anders zu helfen als beherzt aufs Gaspedal zu treten. Die Grasnarbe spritzt wie Wasser empor, das Führerhaus gerät bedenklich in Schwanken, aber mit einem kräftigen Ruck kommt der Transporter endlich frei. 100 Meter weiter wartet auf ihn schon der nächste Kreisel. Insgesamt dauert es eine Stunde, bis die beiden Engstellen passiert sind.
Frank Neubauer mag unterdessen gar nicht daran denken, was alles hätte passieren können, wenn dieser Koloss über die Rader Hochbrücke gefahren wäre. Er selbst hat noch vor 14 Tagen einen Schwertransport über die Brücke begleitet. 160 Tonnen wog das Gespann. Neubauer: "Damit hätten wir durchbrechen und in den Kanal stürzen können." Sein Kollege Jacobsen sieht es mit einem Anflug von Galgenhumor. "Dann wären aber nicht mehr wir zuständig gewesen, sondern die Kollegen von der Wasserschutzpolizei."

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