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Regeln für Piloten : Behörde genehmigt mehr Drohnen über Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landesluftfahrtbehörde hat im vergangenen Jahr so viele Drohnen-Einsätze erlaubt wie noch nie. Das Bundesministerium prüft eine Kennzeichnungspflicht.

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 19:00 Uhr

Ausgestattet mit hochauflösenden Kameras, zehn Kilo schwer und bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell: Im Himmel über Schleswig-Holstein sind immer mehr Drohnen unterwegs. Die Landesluftfahrtbehörde hat im vergangenen Jahr so viele Drohnen-Einsätze erlaubt, wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl erneut nahezu verdoppelt. Sie stieg von insgesamt 226 im Jahr 2014 auf 440 Genehmigungen im vergangenen Jahr. Das teilte das übergeordnete Verkehrsministerium in Kiel auf Nachfrage von shz.de mit.

Erst im Dezember kam es zu einem gefährlichen Unfall mit einer Drohne: Beim Ski-Slalom von hat sie Ski-Star Marcel Hirscher beim Absturz knapp verfehlt.

Noch 2012 erteilte die Behörde gerade einmal 38 Genehmigungen. Seitdem ist jährlich mindestens eine Verdoppelung der Zahlen festzustellen. „Eine weitere Steigerung ist zu erwarten“, sagte Ministeriumssprecher Harald Haase. Die Zahl der meist als Quadrokopter betriebenen Fluggeräte ist jedoch weit größer. Denn Drohnen benötigen keine Genehmigung, wenn sie für Sport- und Freizeitzwecke und damit nicht gewerblich betrieben werden.

Die Fluggeräte liefern spektakuläre Bilder und werden etwa von der Bauwirtschaft zum Beispiel für die Schadensermittlung von Photovoltaikanlagen oder von Energieversorgern für die Sichtprüfung von Windenergieanlagen genutzt. Die Schleswig-Holstein Netz AG berichtet von ersten Tests von Foto-Drohnen über Umspannwerken im Norden. Die Deutsche Bahn hingegen verzichtet aus Sicherheitsgründen auf den Einsatz von Drohnen, wie eine Sprecherin mitteilte. Auch die Landespolizei verfügt laut Innenministerium über keine eigene Drohne. Etwa für die Suche nach vermissten Personen sei eine Anmietung allerdings möglich.

Die ferngesteuerten Fluggeräte sind aus Datenschutzgründen und wegen der Unfallgefahr umstritten. Für Aufsehen sorgte erst jüngst ein Drohnen-Unfall während eines Slaloms von Ski-Star Marcel Hirscher. Eine Kamera-Drohe stürzte ab und verfehlte ihn nur knapp. „Über unmittelbare und konkrete Gefahren für den Luftverkehr ist bisher nichts bekannt“, teilt die Landesluftfahrtbehörde mit. Auch beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel sind im vergangenen Jahr keine schriftlichen Beschwerden eingegangen.

Zum Problem werden Drohnen für ULD-Chefin Marit Hansen, wenn deren Aufnahmen die Intimsphäre betreffen: „Die derzeit gültige Rechtslage wäre aus Datenschutzsicht ausreichend, wenn sie denn befolgt würde.“ Drohnen würden häufig erst sehr spät oder gar nicht wahrgenommen. „Verstöße gegen das Datenschutzrecht sind oft kaum feststellbar“, so Hansen. Der Piraten-Abgeordnete Patrick Breyer befürchtet, dass Behörden und Firmen Drohnen zur Überwachung missbrauchen könnten: „Der Datenschutz muss sichergestellt werden. Andernfalls muss der Einsatz unterbleiben.“ Breyer regt an, dass das Ministerium offensiver an das Thema herangeht, zum Beispiel in Form eines Merkblatts für alle Antragsteller.

Für Drohnen-Besitzer könnte sich schon bald einiges ändern: Das Bundesverkehrsministerium prüft eine Kennzeichnungspflicht der Geräte. Damit wäre der bisher anonyme Kauf für die private Nutzung nicht mehr möglich. Auch eine Art Drohnenführerschein für gewerbliche Drohnenführer ist im Gespräch.

Was müssen Piloten beachten?

Eine Lizenz zum Drohnenfliegen brauchen Piloten bei privater Nutzung nicht. Die Drohne darf aber nicht mehr als fünf Kilogramm wiegen, erklärt die Deutsche Flugsicherung (DFS). Gewerbliche Nutzer brauchen eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde. Wiegt das Gerät zwischen fünf und 25 Kilogramm, ist eine Einzelerlaubnis nötig.

Grundsätzlich ist das Fliegen bis zu einer maximalen Höhe von 100 Metern überall erlaubt, wo dadurch niemand gefährdet wird. Manche Städte verbieten den Flug über bewohntem Gebiet. Absolute Tabuzonen sind die Kontrollzonen der Flughäfen, heißt es bei der DFS. Sie erstrecken sich in einem Radius von bis zu 1,5 Kilometer um Flughäfen herum. Privatgrundstücke sind auch eine Tabuzone.

Abstand halten müssen Piloten von Menschenansammlungen, befahrenen Straßen, Industrieanlagen, Militäreinrichtungen oder Unglücksstellen.

> Weitere Infos auf der Homepage der DFS: http://bit.ly/1CMVgnX

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