Missbrauchsfälle in HH und SH : Bedrohung mit Schreckschusswaffen: Polizeigewerkschaft will Verkauf einschränken

Schreckschusswaffen werden auch zur Vergrämung von Krähen genutzt.
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Schreckschussrevolver werden auch zur Vergrämung von Krähen genutzt.

Sie sollen abschrecken, doch sie können umgekehrt auch tödlich sein: Schreckschusswaffen bringen Polizeibeamte häufiger in Extremsituationen.

shz.de von
21. Juli 2015, 16:17 Uhr

Schreckschusswaffen sind weit verbreitet und sie führen zunehmend zu Ärger, wie man Polizeimeldungen aus vielen Teilen Deutschlands entnehmen kann. Im Juni fuhr zum Beispiel eine Jubelgesellschaft feiernd im Autokorso und mit knallenden Schreckschusswaffen durch Aachen und verängstigte die Passanten. Das Unrechtsbewusstsein scheint bei der Nutzung von Schreckwaffen nicht besonders stark ausgebildet. Dass die leicht zu bekommenden Nachbildungen von tödlichen Handwaffen aber aus verschiedenen Perspektiven problematisch sind, zeigte sich gleich mehrfach auch am letzten Wochenende in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Am Freitag knallten Schüsse auf einem Spielplatz in der Norderstedter Nacht, die Polizei fasste die Täter und stellte eine Schreckschusspistole sicher. Einen Tag später ein weiterer Vorfall in Hamburg: Ein Mann schoss mit Platzpatronen auf zwei Männer und wurde überwältigt. In Bargteheide richtete ein alkoholisierter Mann am Sonntag eine Schusswaffe auf Polizisten, die ihm in einen Hinterhof gefolgt waren. Der junge Mann hatte Glück, dass die mit ballistischem Schutzschild agierenden Beamten der Bedrohung keine scharfen Schüsse erwiderten und es bei einem Warnschuss beließen. In dieser Situation konnten sie bloß ahnen, dass der 23-Jährige sie „lediglich“ mit einer Schreckschusswaffe bedrohte.  Ein tödlicher Rettungsschuss wäre vertretbar gewesen.

Abgesehen vom vorliegenden Verstoß gegen das Waffengesetz kann die Gefährlichkeit einer solchen Situation gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schreckschusspistolen können zu Gefahrenabwehr tödliche Reaktionen von Schutzbeamten, aber auch von Jägern oder anderen scharf bewaffneten Personen auslösen, weil die originalgetreuen Nachbauten von scharfen Schusswaffen im Einsatz so gut wie gar nicht zu unterscheiden sind.

Doch Schreckschusswaffen sind frei im Handel erhältlich. Laut einem Bericht der „Lübecker Nachrichten“ dringt die Polizeigewerkschaft darauf, den Handel einzuschränken. 

Das Führen von Schreckschusswaffen erfordert außerhalb der eigenen Wohnung, Besitztums und Geschäftsräumen seit dem 1. April 2003 einen Kleinen Waffenschein. Der reine Besitz, Erwerb und Transport dieser Waffen ist jedoch ab dem Vollenden des 18. Lebensjahres gestattet.

Den Kleinen Waffenschein erhalten Antragsteller bei persönlicher Eignung. Eine Kenntnisprüfung besteht nicht. Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:

1. Mindestalter 18 Jahre

2. keine Vorstrafen außer höchstens einer Freiheitsstrafe, Jugendstrafe oder Geldstrafe von weniger als 60 Tagessätzen

3. fachgerechte Aufbewahrung der Waffen

4. keine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit

5. körperliche und geistige Eignung

Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Karl-Hermann Rehr, sagte der Zeitung, dass der Handel mit den Waffen erschwert und eingeschränkt werden müsse. Eine ihm vorschwebende Möglichkeit sei zum Beispiel ein Verbot des Internethandels. Der CDU-Innenexperte Axel Bernstein schlug vor, den Erwerb der Waffen von der Vorlage des kleinen Waffenscheins abhängig zu machen.

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