Psychische Krankheiten : Beamte: SH zahlt Millionen für Therapien

Plötzlich ist die Arbeit kaum noch zu schaffen: Ein ernstes Anzeichen für das Burn-out-Syndrom.
Plötzlich ist die Arbeit kaum noch zu schaffen: Ein ernstes Anzeichen für das Burn-out-Syndrom.

Viele Polizisten und Lehrer sind psychisch erkrankt – denn die Belastung steigt. Damit steigen auch die Kosten für Behandlung und Dienstausfall.

shz.de von
19. Juni 2015, 19:13 Uhr

Kiel | Arbeiten bis der Beruf krank macht – jedes Jahr muss die Landesregierung Millionenbeträge für die Behandlung psychisch erkrankter Landesbeamter und deren Angehörige zahlen. Allein 2014 waren es 2,5 Millionen Euro. Hinzu kamen zuletzt insgesamt 280.000 Euro für die psychotherapeutische Behandlung von Landespolizisten. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Heiner Garg hervor.

Der finanzpolitische Sprecher der Fraktion hatte den Krankenstand gesondert für Polizeibeamte, Lehrkräfte und Feuerwehr-Beamte erfragt. Letztere werden in Schleswig-Holstein nicht vom Land beschäftigt. Genaue Angaben ließen sich jedoch für den Polizeidienst machen. Dort lag die Abwesenheitsquote 2014 bei 8,8 Prozent. Insgesamt entstanden so fast 1,1 Millionen Fehlstunden in einem Jahr. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete diese Zahl auf Nachfrage als „extrem hoch“.

Während die Pro-Kopf-Ausgaben im allgemeinen Landesdienst seit fünf Jahren tendenziell sinken, wird der Bedarf im Polizeidienst immer größer. „In den letzten Jahren hat die Zahl der psychisch erkrankten Kolleginnen und Kollegen zugenommen“, sagte GdP-Sprecher Torsten Jäger. Als Ursache nannte er eine Mischung aus dienstlichen und privaten Gründen. Besonders die hohe Belastung, Schichtdienst und wenig verlässliche Dienstpläne würden sich bemerkbar machen. Die Landespolizei habe mit einer eigenen Heilfürsorge ein gutes System. Dennoch würden bei psychischen Erkrankungen Beamte ihre Probleme selten öffentlich machen. „Es ist unangenehm, als Polizeibeamter zu schwächeln“, so Jäger.

Für Heiner Garg sind die Zahlen ein Alarmsignal für die Stellenabbaupläne der Landesregierung: „Wenn wir eine motivierte und handlungsfähige Polizei im Land haben wollen, brauchen wir mehr Personal und nicht weniger.“

Bei ihren Lehrerinnen und Lehrern muss die Landesregierung passen. „Zur Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage im Lehrkräftebereich werden derzeit keine statistischen Erhebungen angestellt“, heißt es. Ein System dafür sei in Vorbereitung. Für Bernd Schauer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist das ein Armutszeugnis: „Jedes größere Unternehmen kennt den Krankenstand seiner Mitarbeiter. Ich glaube, das Land möchte es auch nicht wissen.“

Laut GEW nehmen Erkrankungen durch hohe Arbeitsbelastungen zu. „Die Zahl der Pflichtstunden ist zu hoch und Lehrkräfte werden mit immer mehr sozialen Problemen wie Armut und Jugendgewalt konfrontiert“, so Schauer. Auch engagiertes Personal laufe Gefahr, mit diesen Belastungen nicht fertig zu werden. Das zeigt die hohe Zahl an Versetzungen in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit. Diese sinkt zwar jährlich, lag 2014 trotzdem noch bei 151 Lehrern (2010: 199). Zum Vergleich: Bei der Polizei waren es im vergangenen Jahr zwölf Beamte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen