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Kletterpark im Sachsenwald : Baumhotel: Nachtlager in luftiger Höhe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer es ungewöhnlich, naturnah und zugleich luftig mag, ist hier genau richtig: Hajo Späthe hat im Sachsenwald Schleswig-Holsteins erstes Baumhotel errichtet. Ein Abenteuer in 20 Metern Höhe.

Aumühle | Wenn Hajo Späthe morgens aufwacht, geht sein Blick 20 Meter in die Tiefe. Eine Landschaft aus Blättern und Ästen erstreckt sich unter seinen Füßen. Träge wiegen sich die Zweige im Wind, die Blätter rascheln, rundherum zwitschern die Vögel. Im Sachsenwald im Kreis Herzogtum Lauenburg hat Späthe eines der wohl kuriosesten Baumhotels Norddeutschlands errichtet. Es ist ein Zelt in dem Wipfel einer 150 Jahre alten Buche.

Was sich verrückt anhört, ist für Späthe ein Kindheitstraum. Schon als kleiner Junge liebte der Hamburger es, auf Bäume zu klettern und Baumhäuser zu bauen. Mittlerweile klettert der 23-Jährige von Berufs wegen auf Eichen, Buchen und Eschen. Er hat Holzwirtschaft an der Universität Hamburg studiert, ist ausgebildeter Baumpfleger und arbeitet nebenbei im Kletterpark „Schnurstracks“ in Aumühle (Herzogtum-Lauenburg). Ebendort hat er auch sein besonderes Hotel eingerichtet.

Dort, auf einer Bank im Schatten einer kleinen Holzhütte, sitzt er nun und erzählt von seinem Projekt, das er „Schlafen in den Bäumen“ nennt und erst vor wenigen Wochen ins Leben gerufen hat. Für 120 Euro können Gäste eine Nacht in seinem Baumzelt verbringen. Wie er darauf gekommen ist? „Mir macht es einfach Spaß, da oben abzuhängen“, sagt er und deutet mit einem Kopfnicken in Richtung der Baumwipfel. Das wolle er auch anderen zeigen.

So wie jetzt. Mit routinierten Handgriffen schnallt sich Späthe ein Klettergeschirr an, zurrt noch den einen oder anderen Gurt fest, setzt sich einen orangefarbenen Helm auf. Dann geht es hinauf, hoch auf die erste Plattform des Kletterparks. Wie ein Äffchen erklimmt der Schlaks in blauem T-Shirt und karierter Shorts die Strickleiter, die an ein riesiges Spinnennetz erinnert. Oben angekommen zeigt er in Richtung des Zeltes, das noch einmal zehn Meter höher, am Ende des schwersten, des schwarzen, des schwierigsten Parcours liegt. „Da oben müssen wir hoch“, sagt er, klinkt sich in das Sicherungssystem ein und springt, ohne zu zögern, auf einen gefährlich schwankenden Holzbalken.

Gefahr und Angst scheinen für Späthe ohnehin Fremdwörter zu sein. Das wird auch aus seiner Suche nach einem geeigneten Übernachtungsmodell deutlich. Die Baumhotels, die er in Deutschland besuchte, reizten ihn nicht. Zu abgeschottet, zu komfortabel kamen ihm die teils luxuriös ausgestatteten Holzhäuschen vor. Etwas außergewöhnliches, etwas, das ein Abenteuer in der Natur versprach, musste her. Und so kam Späthe zu seinem Tentsile, einem speziellen Zelt, das egal auf welcher Höhe in den Bäumen aufgehängt wird. Konstruiert ist es für zwei Personen, die Tragkraft liegt bei 400 Kilogramm.

Späthe hat mittlerweile die Plattform unterhalb des Zeltes erreicht. Die Kletterei auf dem zweiten Stück des schwarzen Parcours hat er sich gespart, stattdessen ist er einfach am Stahlseil hängend auf die andere Seite gerutscht. Ein paar Meter über ihm schwebt nun das Zelt, wie ein dreizackiger Stern, getarnt in einem dunklen Grün. Nur die orangefarbene Schutzhülle blitzt hier und da durch das Blätterdach hindurch. Für die letzten Meter muss Späthe auf die Seilklettertechnik zurückgreifen. Ein Fuß in der Schlinge zieht er sich Zentimeter für Zentimeter mit einer Steigklemme am Seil empor – bis er endlich oben ist.

Im Inneren des Tentsiles sind für Späthe die Strapazen des Aufstiegs vergessen. Im Schneidersitz macht er es sich in der Mitte gemütlich. Es sieht aus wie in einem gewöhnlichen Zelt – Plane, Boden, Reißverschluss. Auch von der Höhe wäre kaum etwas zu spüren, würde die Unterkunft nicht ab und zu schwingen wie ein Wasserbett. Aber spätestens, wenn der Blick nach draußen fällt, ist klar: Man ist auf Augenhöhe mit den Baumwipfeln.

Diesen Ausblick, dieses Gefühl, dieses Abenteuer bietet Späthe nun auch für Gäste an. Im Preis inklusive sind die Ausrüstung, ein Einsteigerskurs in die Seilklettertechnik sowie die Rundum-Betreuung durch Späthe. „Ich klettere mit den Gästen nach oben, bin die ganze Nacht auf dem Gelände und hole sie im Notfall auch jederzeit herunter“, beruhigt er.

Aber passieren könne nichts, da man die ganze Nacht über im Gurt bleibe. Einen Hinweis hat er allerdings noch, während er sich im rasanten Tempo wieder zur Plattform abseilt: „Klettern müssen die Gäste schon selbst.“

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erstellt am 24.Aug.2014 | 15:43 Uhr

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